Energiekrise ADAC ruft zum Fahrradfahren auf

Langsamer fahren, radeln oder zu Fuß gehen: Der ADAC ruft seine Mitglieder angesichts der Energieabhängigkeit von Russland zum Spritsparen auf. Es sei auch möglich, »zum Bäcker mit dem Fahrrad anstatt mit dem SUV« zu fahren.
Radfahrer in Berlin: Auch mal den ÖPNV nutzen

Radfahrer in Berlin: Auch mal den ÖPNV nutzen

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Dieser Appell dürfte vielen noch mal den Ernst der Lage vor Auge führen. Angesichts der Energiekrise ruft nun sogar Deutschlands Autofahrerlobby zum Verzicht auf den Pkw oder zumindest zum Spritsparen auf.

»Jeder gesparte Liter Treibstoff kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von Ölimporten zu reduzieren und damit mittelbar auf die weitere Entwicklung des Krieges Einfluss nehmen«, sagte ADAC-Präsident Christian Reinicke den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es sei auch möglich, »zum Bäcker mit dem Fahrrad anstatt mit dem SUV« zu fahren.

»Für viele Kurzstrecken ergibt die Autofahrt keinen Sinn. Bei anderen Strecken kann man auch mal den ÖPNV nutzen«, sagte Reinicke.

Er riet überhaupt zu einer sparsamen Fahrweise. »Ich selbst versuche ebenfalls, rund 20 Prozent langsamer zu fahren. Wenn das alle 21,2 Millionen Mitglieder des ADAC so machen würden, wären es bereits gewaltige Einspareffekte«, sagte er.

Laut ADAC-Umfrage denken Autofahrer bereits um

Laut einer vom ADAC in Auftrag gegebenen Umfrage sei derzeit fast jeder Zweite bereit, auf Einzelfahrten mit dem Pkw zu verzichten, um Energie zu sparen. 60 Prozent sei es demnach gelungen, mit einer sparsameren Fahrweise Energie zu sparen.

Um die ADAC-Mitglieder zum Spritsparen anzuhalten, startet der Verein am Mittwoch eine Kampagne. Dabei sollen Autofahrer über Einsparpotenziale und Alternativen zum eigenen Fahrzeug informiert werden.

In einem offenen Brief, den der ADAC am Mittwoch an seine Mitglieder verschicken will, rufen Reinicke und ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand den Funke-Zeitungen zufolge zum Fußgehen und Radfahren auf.

Deutschland soll bald ohne russisches Öl auskommen

Der Bundesregierung dürfte der Aufruf des ADAC entgegenkommen. Denn sie arbeitet daran, dass Deutschland zumindest beim Öl nicht mehr auf Russland angewiesen ist. Dies dürfte umso besser gelingen, je geringer der Verbrauch ist.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geht davon aus, dass Deutschland die Unabhängigkeit von Öllieferungen aus Russland auf absehbare Zeit erreichen kann. Bereits jetzt sei der Anteil Russlands an den Ölimporten von 35 Prozent auf etwa zwölf Prozent gesenkt worden, sagte Habeck nach einem Treffen mit seiner polnischen Amtskollegin Anna Moskwa am Dienstag in Warschau. Die meisten Lieferverträge seien schon umgestellt worden.

Auch »bei Gas sind wir mit Hochdruck daran, die hohe Abhängigkeit, die Deutschland hier hatte und die ein Fehler war, zu überwinden«, sagte der Wirtschaftsminister.

Mittlerweile sei der Anteil der Importe aus Russland von einst 55 Prozent auf rund 40 Prozent gesenkt worden. Um auch diese zu überwinden, werde man nun »LNG-Terminals in Rekordgeschwindigkeit errichten«.

mmq/AFP