ARD-"Markencheck" Action, Drama, Altbekanntes

Der ARD-"Markencheck" ist zurück. Dieses Mal im Test: Obi und Bauhaus. Das Format hat den Machern bislang Top-Quoten eingebracht. Dabei ist die Sendung eine Produktenttäuschung.

DPA

Von


Da ist sie mal, die Chance auf eine spannende Szene: Der Obi-Manager soll erklären, warum die Stahlbohrer der Baumarktkette im Test durchgefallen sind. Das Urteil des Prüfers war hart: "Kein hochwertiger Stahl", dem Kunden werde "etwas vorgegaukelt". Doch der Obi-Manager spielt den Test herunter: "Das kann mal passieren." Von einem grundsätzlichen Makel könne nicht die Rede sein.

Das müsste ein Elfmeter für die Macher des ARD-"Markenchecks" sein. Über Wochen haben sie Produkte von Obi getestet. Die Filmemacher könnten nachhaken, widersprechen, die Aussagen des Managers zumindest einordnen. Doch Fehlanzeige. Schon geht's weiter zur nächsten Szene, das nächste Produkt, die nächste Testanordnung. Elfer vergeigt.

Die verpasste Chance zeigt das Problem der Sendung: Die "Markencheck"-Reihe der ARD gaukelt dem Zuschauer etwas vor, was zumeist nicht eingelöst wird. Ausgabe für Ausgabe suggeriert der "Markencheck" große Enthüllungen - und liefert dann im aufgeregten Duktus größtenteils Banalitäten.

Der "Markencheck" verspricht schließlich nicht weniger, als das wahre Bild eines Unternehmens zu entlarven. Preis, Qualität, soziale Verantwortung - alles soll auf den Prüfstand. Bei den Zuschauern kommt das Versprechen gut an. Die Sendung erzielte in den vergangenen Monaten stets Top-Quoten, gerade auch bei jungen Zuschauern.

"Sendung mit der Maus" für Erwachsene

Neues oder gar Spektakuläres über die Unternehmen erfährt der Zuschauer in der Sendung nicht: McDonald's? Macht dick. Der ADAC? Hat großen politischen Einfluss. Apple-Produkte? Sind teuer.

Die Checks strotzen vor Banalitäten und Altbekanntem. So auch dieses Mal: Der Preisvorteil bei Obi und Bauhaus? Überschätzt. Die Qualität? Ordentlich - trotz der Bohrerpanne. Und dafür mussten die Macher wochenlang recherchieren?

Nun wäre das alles kein Problem, wenn die ARD den "Markencheck" als das präsentieren würde, was er ist: eine Art "Sendung mit der Maus" für erwachsene Konsumenten. Doch stattdessen kommen die Filme pseudoinvestigativ daher. Als wollten die Autoren wirklich etwas über die Unternehmen herausfinden. Etwas, das noch nicht von der Stiftung Warentest oder anderen Medien untersucht wurde.

Aufgebaut sind die Filme stets ähnlich: Zu Beginn kommen Verbraucher zu Wort, die ein reichlich naives Bild von einer Marke haben. Gerne werden sie in Fußgängerzonen befragt. Je naiver der Verbraucher zuerst dargestellt wird, umso aufklärerischer wirken später die Recherchen der Filmemacher.

Bei Rewe und Edeka lässt es sich genauso billig einkaufen wie beim Discounter - wenn man auf Eigenmarken setzt. H&M lässt seine Klamotten in Bangladesch produzieren - und die Näherinnen bekommen dafür meist Löhne, von denen sie nicht leben können.

Ja, alles richtig. Alles aber auch längst bekannt. Der Apple-Check etwa fasste kompakt und mit den üblichen Beispielen die Berichterstattung der vergangenen zwei Jahre zusammen.

Beim Baumarkt-Check hat die ARD sich nun zumindest etwas Neues einfallen lassen. Journalisten bekamen vor der Ausstrahlung nur den halben Film zu sehen. Die Begründung: In der Vergangenheit seien zu viele Details vorab berichtet worden. Nun gut. Sollten dieses Mal wirklich in der zweiten Hälfte des Films noch hochbrisante Informationen über Obi und Bauhaus folgen, sei den Machern hiermit Respekt gezollt. Nach der Erfahrung der bisher gelaufenen elf "Markenchecks" ist dies nicht zu erwarten.


"Der Bauhaus-/Obi-Check", Montag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dandy 24.06.2013
1. Es ist kaum zu ertragen
das alles, aber wirklich alles was bei ARD und ZDF läuft auf Spiegel Online niedergemacht wird ! Der Spiegel sollte seine Energie lieber in bessere Titelgeschichten sctecken !
BettyB. 24.06.2013
2. Lustig...
Das denke ich beim Lesen vieler vermeintlicher Neuigkeiten bei SPON auch, insbesondere wenn es sich um "ERKENNTNISSE" von Soziologen, Politologen und Philosophen geht, die mit Allgemeinplätzen allgemein Gewusstes verbreiten...
Tikal69 24.06.2013
3. bekannte Dinge
Zitat von sysopDPADer ARD-"Markencheck" ist zurück. Dieses Mal im Test: Obi und Bauhaus. Das Format hat den Machern bislang Top-Quoten eingebracht. Dabei ist die Sendung eine Produktenttäuschung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/ard-markencheck-wiederholt-bekanntes-ueber-baumaerkte-a-907196.html
Was ist so schlimm daran, über teils bekannte Misstände immer wieder zu berichten. Die Firmen leben und hoffen doch auf das schlechte Gedächnis der Verbraucher.
glen13 24.06.2013
4.
Zitat von sysopDPADer ARD-"Markencheck" ist zurück. Dieses Mal im Test: Obi und Bauhaus. Das Format hat den Machern bislang Top-Quoten eingebracht. Dabei ist die Sendung eine Produktenttäuschung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/ard-markencheck-wiederholt-bekanntes-ueber-baumaerkte-a-907196.html
Nein, es ist nicht "Die Sendung mit der Maus" für Erwachsene. Die Sendung mit der Maus erklärt exzellent Hintergründe und wie ein Produkt entsteht. Die "Markencheck" Sendung erklärt einem Garnichts. Weil es a) keinen Sinn macht nur 2 Baumarktketten zu testen b) weil OBI Franchisenehmer hat und deswegen der Service und das Angebot von Haus zu Haus völlig unterschiedlich sind. c) Weil willkürlich irgendwelche Parameter festgelegt werden, nach denen getestet wird. Diese Sendung ist erfolgreich, weil sie einfache Sensationslust befriedigt.
pointbreak57 24.06.2013
5. Na und ...
ist doch völlig egal wie man den ein oder anderen SPON Artikel einordnet. Mit ZDF und ARD im Allgemeinen und aus aktuellem Anlass mit dem Markencheck im speziellen hat der Autor einfach Recht. So what ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.