Bilanz für das erste Quartal Zahl der Privatinsolvenzen sinkt – könnte aber bald hochschnellen

Im ersten Quartal hat die Wirtschaftsauskunftei Crif deutlich weniger Privatinsolvenzen registriert als im Vorjahr. Allerdings ist das Bild wohl verzerrt – für das Gesamtjahr rechnen die Fachleute mit einem Anstieg.
Fußgängerzone in Dortmund: Von Trendwende bei Privatverschuldung keine Spur

Fußgängerzone in Dortmund: Von Trendwende bei Privatverschuldung keine Spur

Foto: Bernd Thissen/ DPA

Die Coronapandemie trieb zahlreiche Menschen in die Verschuldung , dennoch hat die Wirtschaftsauskunftei Crif im ersten Quartal 2022 deutlich weniger Verbraucherinsolvenzen in Deutschland gezählt als ein Jahr zuvor. Mit 22.166 Fällen fiel die Zahl der Privatpleiten demnach um gut 30 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum.

Das dürfte allerdings auf einen Sondereffekt zurückzuführen sein: Die Zahlen waren in den ersten drei Monaten 2021 wegen einer Gesetzesänderung stark gestiegen. Diese machte eine Befreiung von der Restschuld schon nach drei statt nach sechs Jahren möglich. Etliche Betroffene hatten nach Einschätzung von Experten daher mit ihrem Insolvenzantrag gewartet, das trieb die Zahlen in die Höhe. »Daher fallen die Veränderungsraten derzeit verzerrt aus«, sagt Frank Schlein, Crif-Geschäftsführer in Deutschland.

Vergleiche man die jüngsten Zahlen mit dem ersten Quartal 2020, ergebe sich ein Anstieg um neun Prozent. Und auch in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 lagen die Privatinsolvenzen der Auskunftei zufolge mit 21.490 Fällen unter dem aktuellen Niveau.

Zuletzt bundesweit 27 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner

Von einer Trendwende sei also keine Spur. Die finanzielle Situation vieler Verbraucher in Deutschland bleibe vor allem wegen steigender Miet- und Energiepreise angespannt, so Crif. Im Mai stieg die Inflation vorläufigen Zahlen zufolge um 7,9 Prozent auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren. Die hohe Teuerung schwächt die Kaufkraft der Menschen.

»Wir gehen auch 2022 von weiter hohen Privatinsolvenzzahlen aus. Aktuell rechnen wir mit bis zu 95.000 Verbraucherinsolvenzen in diesem Jahr«, sagt Schlein. Von 2020 auf 2021 hatte sich die Zahl der Privatpleiten in Deutschland nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf 79.620 fast verdoppelt.

Laut Crif-Auswertung gab es bundesweit in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres 27 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner. Die nördlichen Bundesländer seien dabei stärker betroffen als der Süden Deutschlands. Bremen führe die Statistik mit 50 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner an, es folgen Niedersachsen (39 Fälle je 100.000 Einwohner) und Hamburg (37). Über dem Bundesdurchschnitt liegen zudem Schleswig-Holstein (36), Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern (je 30) sowie Sachsen und das Saarland (je 28). Die wenigsten Privatinsolvenzen verzeichneten Bayern (16), Baden-Württemberg (20) und Thüringen (22).

In absoluten Zahlen steht das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 5401 Verbraucherpleiten an der Spitze der Insolvenzstatistik. Es folgen Niedersachsen (3131 Fälle) und Baden-Württemberg (2202). Die wenigsten Fälle gab es demnach im ersten Quartal im Saarland: 276.

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.