Tarifkampf der GDL Bahn-Kunden droht längster Streik der Geschichte

Schon der vorige Bahn-Streik dauerte 50 Stunden, der kommende könnte alle Rekorde brechen. Die Lokführergewerkschaft GDL verspricht, Kunden rechtzeitig vorab zu informieren.
Bahn-Streik (Archivbild): Neue Streikrunde droht

Bahn-Streik (Archivbild): Neue Streikrunde droht

Foto: Joerg Koch/ Getty Images

Berlin - Die kommenden Streiks bei der Bahn könnten die längsten in der Geschichte des Unternehmens werden. Der letzte Streik vor rund zwei Wochen hatte mehr als 50 Stunden gedauert. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte ihre Arbeitskämpfe im Zuge des Tarifkonflikts immer weiter ausgedehnt.

Ein Datum für den kommenden Streik nannte die GDL nicht. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky versprach, die Fahrgäste würden so rechtzeitig informiert, dass sie bei Zugausfällen noch Alternativen finden könnten. Einen Zeitraum wollte der Gewerkschaftschef aber nicht nennen. Den Vorwurf, den Bahnkunden zuletzt nur wenige Stunden Vorlauf gegeben zu haben, wies er zurück: "Wir haben immer so rechtzeitig informiert, dass die Reisenden sich darauf einstellen konnten", sagte Weselsky in den ARD-"Tagesthemen".

Eine Einigung im Streik zwischen der GDL und der Bahn war in letzter Sekunde gescheitert. Die Bahn hatte die GDL für das Scheitern der Gespräche verantwortlich gemacht. Sie habe einen ausgehandelten Entwurf eines Tarifvertrags, der auch ein Abkommen für Zugbegleiter umfasst hätte, kurzfristig wieder abgelehnt. Die Bahn hatte die GDL daher als unzuverlässigen Verhandlungspartner kritisiert.

Nach Angaben der Bahn stand nach mehreren Gesprächsrunden bereits der Entwurf eines Tarifvertrags, der auch ein eigenständiges Abkommen für die Zugbegleiter umfasst hätte.

Kritik aus der SPD an der GDL

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass die Gewerkschaft dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer.

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi kritisierte am Montag in Berlin, die GDL tue der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland "keinen Gefallen" und begebe sich "in eine schwierige Ecke". Das Verhalten der Lokführerorganisation sei für sie "nicht mehr nachvollziehbar", sagte Fahimi.

Der Fahrgastverband Pro Bahn übte scharfe Kritik an den neuen Streikplänen der GDL. "Die Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer", sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Dienstag). "Die Fahrgäste sind die Hauptleidtragenden der Streiks."

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte das Verhalten der GDL und ihres Chefs scharf. "Wir setzen uns dafür ein, gemeinsam im Rahmen einer Tarifgemeinschaft zu vernünftigen Lösungen zu kommen", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". "Das hat Herr Weselsky leider zu meinem Entsetzen abgelehnt". Die konfrontative Linie der GDL sehe er "sehr skeptisch".

ssu/AFP/dpa-AFX