Angebliche Hürde für Kleinanleger Sparkassen sprechen sich gegen Beratung auf Honorarbasis aus

Banken kassieren beim Verkauf von Finanzprodukten üppige Provisionen, laut Kritikern arbeiten sie so oft am Kundenbedarf vorbei. Eine Beratung gegen Honorar hat laut Sparkassen-Präsident aber ebenfalls Tücken.
Beratungsgespräch in einer Münchner Bank (Archivbild)

Beratungsgespräch in einer Münchner Bank (Archivbild)

Foto: Peter Kneffel/ picture alliance / dpa

Wer sich von seinem Bankberater beraten lässt, für den ist das in der Regel erst mal gratis, oft wird sogar noch eine Tasse Kaffee serviert. Kosten fallen erst bei Vertragsschluss an – in Form einer Provision. Weil manche Institute dabei jedoch Produkte und Dienstleistungen verkaufen, die am Bedarf der Kundinnen und Kunden vorbeigehen, steht dieses System in der Kritik.

Im Grünen-Programm zur Bundestagswahl hieß es deshalb etwa: »Wir wollen weg von der Provisionsberatung und schrittweise zu einer unabhängigen Honorarberatung übergehen.« Den Sparkassen zufolge gibt es Signale, dass eine künftige Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP sich zugunsten der Honorarberatung positionieren könnte.

360 Euro für zwei Stunden Erstberatung?

Der Sparkassen-Präsident hat nun vor der Umstellung auf solch ein System der unabhängigen Beratung gegen Honorar gewarnt. Eine verpflichtende Honorarberatung stelle für viele Kleinanleger eine unüberwindbare Hürde dar, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis.

»Wenn ein Kleinanleger für eine Erstberatung von zwei Stunden erst einmal die tatsächlichen Kosten von durchschnittlich 360 Euro als Honorar auf den Tisch legen muss, nehmen die meisten keinerlei Beratung mehr in Anspruch«, sagte Schleweis. »Eine solche Vorgabe schließt große Teile der Bevölkerung vom Zugang zu guter Beratung aus und ist deshalb unsolidarisch.«

2020 kassierten Sparkassen 8,5 Milliarden Euro Provision

Schon heute müssten wegen gesetzlicher Vorgaben Provisionen bei und nach der Beratung detailliert offengelegt werden, führte Schleweis aus. »Bei einer provisionsorientierten Beratung zahlen Kleinanleger wenig, Großanleger mehr. Wir halten ein solches solidarisches Finanzierungsmodell für besser und leistungsfähiger als ein System der Spaltung unserer Gesellschaft entlang ihres Vermögens.« Eine Fokussierung auf Honorarberatung würde »die Schere zwischen vermögenden und weniger vermögenden Anlegern immer weiter öffnen«.

Womöglich hängt Schleweis' Warnung auch damit zusammen, dass die Provisionen – etwa für den Vertrieb von Produkten oder im Immobiliengeschäft – für Banken und Sparkassen im anhaltenden Zinstief eine immer wichtigere Einnahmequelle geworden sind. Zugleich ist unklar, in welchem Umfang Anleger sonst Honorarleistungen buchen würden.

Konkret konnten im Jahr 2020 die seinerzeit 376 Sparkassen in Deutschland ihren Provisionsüberschuss auf 8,5 Milliarden Euro steigen. Diese Position machte vergangenes Jahr bereits etwa ein Drittel des Bruttojahresertrages der öffentlich-rechtlichen Institute aus. Der Zinsüberschuss dagegen sank.

apr/dpa
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