Bundesbank-Bericht Deutsche horten im Schnitt 1364 Euro Bargeld

Bargeld ist in Deutschland beliebt - offenbar erst recht in Zeiten von Niedrigzinsen und Corona. Vor allem eine bestimmte Bevölkerungsgruppe bewahrt auffällig viele Scheine und Münzen zu Hause auf.
"Ältere, Besserverdienende und Selbstständige hielten im Mittel die höchsten Beträge"

"Ältere, Besserverdienende und Selbstständige hielten im Mittel die höchsten Beträge"

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Auch wenn digitale Bezahlsysteme beliebter werden, hängen viele Menschen in Deutschland weiter an Scheinen und Münzen. Einer Umfrage der Bundesbank zufolge haben sie im Schnitt 107 Euro im Geldbeutel, zugleich horten sie 1364 Euro Bargeld zu Hause oder in Bankschließfächern.

Nach der im aktuellen Bundesbank-Monatsbericht veröffentlichten Studie war das gehortete Bargeld sehr ungleich in der Bevölkerung verteilt. Manche bewahrten keines auf, andere sehr viel. "Ältere, Besserverdienende und Selbstständige hielten im Mittel die höchsten Beträge", heißt es in der Studie. Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann vermutet, dass Jüngere weniger Bargeld hielten, weil sie weniger Geld haben.

Niedrigzinsen, einfach zahlen, Angst vor Hackerangriffen

Aus Sicht von 58 Prozent der Befragten sind die Niedrigzinsen ein Grund, Scheine und Münzen im größeren Stil aufzubewahren. Bargeld ist zudem ein gängiges Zahlungsmittel, gaben 55 Prozent an. Auf Rang drei der Gründe folgt mangelndes Vertrauen in die Sicherheit und Belastbarkeit der technischen Infrastruktur, zum Beispiel Angst vor Hackerangriffen. Als weitere mögliche Motive gaben die Befragten, die Bargeld horten, "keine Gebühren" und "Anonymität" an.

Darüber hinaus nannten zwölf Prozent als möglichen Grund "Vermögen vor dem Staat verstecken". Bei der Angabe der Gründe waren Mehrfachnennungen möglich. "Konkrete Hinweise auf Steuerhinterziehung als Motiv der Bargeldaufbewahrung" könnten aus der Umfrage nicht abgeleitet werden, heißt es in dem Monatsbericht.

Die Experten weisen darauf hin, dass die Befragten über aufbewahrte Beträge freiwillig Auskunft gaben und es in den Daten keinen statistischen Zusammenhang zwischen der Höhe der Beträge und der Steuermoral gegeben habe. "Argumentationen, wonach die bisher unerklärten Bargeldhorte in Deutschland als Maß für den Umfang von Steuerhinterziehung und Kriminalität dienen könnten, sind deshalb kritisch zu sehen." Als Hortung definiert die Bundesbank eine Aufbewahrung von Bargeld über einen Zeitraum von zwei Wochen und mehr.

Bundesbank rechnet mit starker Rezession im zweiten Quartal

Ob sich das Verhalten der Menschen in der Coronakrise geändert hat, geht aus der repräsentativen Umfrage unter 2000 Personen aus dem Jahr 2018 nicht hervor. Eine Nachbefragung gab es nicht.

Bargeld gilt vielen als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Vor allem zu Beginn der Krise in Deutschland im März war nach anderen Daten der Notenbank die Nachfrage nach Scheinen und Münzen deutlich gestiegen. Auch in den folgenden Monaten gab es demnach leichte Zuwächse bei den Nettoemissionen von Bargeld. Über die Gründe dafür sagen die Daten nichts aus.

Die Coronavirus-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft tief in die Rezession gestürzt. Nach Einschätzung der Bundesbank zeichnet sich für das zweite Quartal 2020 "der stärkste Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts" seit Beginn der Statistik im Jahr 1970 ab. Volkswirte halten ein zweistelliges Minus für möglich.

In den ersten drei Monaten 2020 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Berechnungen der Bundesbank zum Vorquartal um 2,2 Prozent geschrumpft. Den bisher stärksten Rückgang zu einem Vorjahresquartal gab es mit minus 7,9 Prozent im zweiten Quartal 2009 - im Sog der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise.

kko/dpa