Umfrage Die Deutschen hängen am Bargeld

Zahlen mit Karte oder Smartphone? Nicht mit den Deutschen! Die meisten Bürger bestehen auf Scheine und Münzen. Jeder Fünfte würde nicht im Supermarkt einkaufen, wenn er dort nicht sein Bargeld loswürde.
Nur Bares ist Wahres? Für die meisten Deutschen offenbar schon

Nur Bares ist Wahres? Für die meisten Deutschen offenbar schon

Foto: Ralph Peters / imago images

Lange Schlangen an der Ladenkasse nerven viele Verbraucher. Doch ausgerechnet das von Kritikern als umständlich gescholtene Bargeld ist das mit Abstand beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL.

Fast die Hälfte aller Befragten zahlt demnach im Allgemeinen lieber mit Bargeld als mit Karte. Nur knapp ein Drittel aller Befragten zahlt "eher lieber" oder "deutlich lieber" mit Karte. Die restlichen Befragten wollen sich nicht auf eine der beiden Bezahlvarianten festlegen.

Ein Blick auf die politischen Präferenzen der Befragten zeigt: Vor allem unter den Anhängern der AfD ist das Bargeld sehr beliebt. 67 Prozent von ihnen zahlen lieber cash als mit Karte. Bei den Grünenwählern ist der Anteil der Bargeld-Liebhaber hingegen am geringsten: Hier gaben nur 37 Prozent der Befragten an, lieber mit Scheinen und Münzen zu zahlen.

Das Alter der Befragten spielt dagegen bei der präferierten Bezahlvariante kaum eine Rolle. So ist das Bargeld unter 18- bis 29-Jährigen in etwa genauso beliebt wie bei Menschen, die älter als 65 Jahre sind.

Bei der Nutzung holt die Kartenzahlung auf

So weit die Einstellungen der Menschen. Untersuchungen über die tatsächliche Nutzung zeigen aber, dass die Karte dabei ist, dem Bargeld den Rang abzulaufen. Nach Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI sind im vergangenen Jahr im stationären Einzelhandel erstmals mehr Geld per Giro- und Kreditkarte ausgegeben worden als in bar.

Insgesamt zahlten die Verbraucher der Studie zufolge 2018 bei ihren Einkäufen gut 209 Milliarden Euro per Karte - dadurch stieg der Umsatzanteil der Karten auf 48,6 Prozent. Sie überholten damit erstmals - wenn auch nur knapp - das Bargeld. Denn bar wurden "nur" noch Rechnungen in Höhe von rund 208 Milliarden Euro bezahlt, was einem Umsatzanteil von 48,3 Prozent entspricht. Die restlichen 3,1 Prozent verteilten sich auf andere Bezahlvarianten wie Rechnungen und Gutscheine. 2017 waren noch rund 50 Prozent aller Umsätze in bar bezahlt worden.

Es ist also noch ein weiter Weg zur bargeldlosen Gesellschaft, die zum Beispiel Wissenschaftler wie der Amerikaner Kenneth Rogoff propagieren. Ihm geht es dabei vor allem darum, Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Korruption zu bekämpfen.

In Deutschland wollen die meisten Menschen davon nichts wissen. Laut der Civey-Umfrage wünscht sich die Mehrheit der Bundesbürger zwar die Möglichkeit, in Geschäften bargeldlos zahlen zu können. Doch immerhin gut ein Drittel der Befragten ist diese Möglichkeit unwichtig.

Jeder fünfte Deutsche würde nicht in einem Supermarkt einkaufen, wenn er dort nicht mit Bargeld zahlen kann. Unter den bargeldlosen Bezahlvarianten ist die Kartenzahlung mit Chip am beliebtesten. Fast die Hälfte aller Befragten würde dieses Zahlungsmittel nutzen, wenn sie nicht mit Bargeld zahlen könnten. Für neuere Bezahlvarianten wie mobiles Bezahlen mit Smartphone oder Smartwach spricht sich nur eine kleine Minderheit aus.

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