Hermann-Josef Tenhagen

Baufinanzierung Wie Sie mit dem Förderstopp der KfW umgehen sollten

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Eine verkorkste staatliche Förderpolitik hat die Baufinanzierung Zehntausender Bürgerinnen und Bürger über Nacht durcheinandergewirbelt – und nun?
Sanierte Plattenbauten in Berlin-Marzahn

Sanierte Plattenbauten in Berlin-Marzahn

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Eine aufregende Woche für Bauherren und Baudamen: Mit der Ankündigung einer neuen Geldpolitik der US-Notenbank ist klar, dass die Zinsen wieder steigen werden, und gleichzeitig wurde das wichtigste Förderprogramm für das ökologische Bauen, die sogenannte Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), erst einmal eingestellt. Das geschah überraschend schon eine Woche vor dem eigentlichen Ablauf.

Und so landeten rund 24.000 Anträge auf Halde, für die nun vorerst kein Geld mehr bewilligt wird . Hinter diesen stecken weit mehr als Hunderttausend Immobilien, denn 14.700 der Anträge kommen von Unternehmen und rund 5000 weitere von Bauherrengemeinschaften und Kommunen.

20.200 der Anträge – hauptsächlich von Firmen, aber auch von Privatinvestoren – zielen auf die Förderung von insgesamt 158.000 Wohnungen nach dem sogenannten Effizienzstandard 55. Das sind Gebäude, die 55 Prozent der Energie herkömmlicher Gebäude verbrauchen. Am 4. November 2021 hatte die alte Regierung beschlossen, das Förderprogramm für den Effizienzstandard 55 ab Ende Januar zu stoppen. Das Argument: Der Standard sei nicht mehr fördernswert, weil auch ohne Förderung meistens so gebaut werde .

Die Erkenntnis kam spät. 2021 wurden noch sechs Milliarden Euro für die Förderungen nach dem Effizienzstandard 55 ausgegeben. Und weil viele Bauträger mit einer Fortsetzung der Förderungsbonanza gerechnet hatten, kam es bis Ende Januar zu dem »in der 74-jährigen Geschichte der KfW beispiellosen Antragsboom«, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium.

Ebenfalls auf Eis liegen nun 3000 Anträge von Bauprojekten, die den strengeren Standard Effizienzhaus 40 erfüllen . Für die ist aber noch nicht alles verloren. Die Förderung soll wieder aufgenommen werden, heißt es im Ministerium. 1,6 Milliarden Euro Förderung waren dafür beantragt worden.

Die restlichen 700 betroffenen Anträge zielen auf eine Sanierung – also auf alte Häuser oder Wohnungen, die noch nicht auf dem für die Klimaziele der Bundesregierung wünschenswerten Stand sind.

Wenn Ihr Antrag von dem jähen Förderstopp betroffen ist oder wenn Sie vorhatten, demnächst zu sanieren oder zu bauen und dafür Förderung abzugreifen, dann gilt es nun einiges zu beachten. Eine Übersicht.

Modernisierungsprojekte

Bei den 700 betroffenen Anträgen handelt es sich um sogenannte Komplettsanierer mit KfW-Geld. Nur diese bekommen aktuell keine Förderung bewilligt. Vielleicht kommt die zurück. So oder so haben Sie noch immer Chancen auf Förderung, wenn Sie auf eine Teilsanierung umsteigen.

Wer nur seine alte Ölheizung hinauswerfen lassen und zum Beispiel durch eine Wärmepumpe mit Solaranlage oder eine Holzpelletheizung ersetzen will, bekommt bis zu 45 Prozent der Kosten vom Staat erstattet. Dafür muss Ihre alte Heizung nur mindestens zwei Jahre in Betrieb sein. Anträge sind beim Bafa zu stellen, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Sollten die Heizungsbauer die Preise erhöhen, erhöht sich die Förderung automatisch mit .

Ist die Immobilie mindestens zehn Jahre alt und Sie nutzen diese ausschließlich selbst, können Sie auch mit Einzelmaßnahmen zum Energiesparen eine hohe Steuerersparnis erreichen. Es kann sich dabei auch um Ihre Ferienimmobilie oder Ihren Zweitwohnsitz im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) handeln. Sie können über drei Jahre insgesamt bis zu 20 Prozent der Kosten für die Baumaßnahmen von Ihrer Steuerschuld abziehen – maximal aber 40.000 Euro für 200.000 Euro Ausgaben pro Objekt.

Abziehen von der Steuerschuld bedeutet, es ist egal, wie hoch Ihr individueller Steuersatz ist, aber Sie können natürlich nur Kosten von der Steuerschuld abziehen, wenn Sie auch Einkommensteuer bezahlen. Wichtig ist, nur entsprechend anerkannte Handwerksbetriebe einzusetzen. Details finden Sie in dem Ratgeber . Leisten Sie sich in jedem Fall ein Energiegutachten für Ihr Haus. Die Kosten des Energieexperten können Sie übrigens zur Hälfte steuerlich geltend machen .

Neubauprojekte

Wer ein Haus mit 55er-Standard gekauft oder geplant hat und jetzt keine Förderung mehr erhält, sollte mit seiner Bank aktuelle Finanzierungsalternativen prüfen. Obwohl die Zinsen wieder steigen, sind sie absolut gesehen noch immer sehr niedrig – und die meisten Banken werden das Volumen, das sonst die KfW finanziert, zu etwas teureren Konditionen gern übernehmen. Die Vorständin der Interhyp, Mirjam Mohr, sagte diese Woche: »Wenn eine Finanzierung mit KfW-Programm leistbar war, ist sie es in aller Regel auch ohne.«

Sprechen Sie zudem mit Ihrem Abgeordneten über das Förderdilemma. Die Abgeordneten im Bundestag können drängen, den Haus- und Wohnungskäufern durch unterschiedliche Maßnahmen zu helfen und das Geld dafür bereitzustellen. Der Bundeshaushalt für 2022 ist schließlich noch nicht verabschiedet.

Wenn Sie selbst noch keine Förderung beantragt haben, dann prüfen Sie zudem mit Ihrem Energieberater, ob Sie auf die Effizienzhaus-Stufe 40 umsatteln können – und warten Sie auf die neuen Förderrichtlinien. Kaufen Sie ebenfalls nur Wohnungen und Häuser mit dem 40er-Standard. Dort wird es weiter Förderung geben. Und Sie sind auch in Zukunft besser dagegen geschützt, dass Energiepreise wie aktuell in die Höhe schießen.

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