SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

13. September 2016, 13:51 Uhr

Immobilien

Bauland in München ist bis zu hundertmal teurer als im Osten

Die Preise für Bauland in Deutschland sind einem neuen Bericht zufolge deutlich gestiegen. Doch die Unterschiede zwischen Wachstumsregionen und ostdeutscher Provinz sind enorm.

Bei den Preisen für Bauland gibt es innerhalb von Deutschland eine enorme Preisspanne. Das geht aus einem Bericht des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung hervor. In mittleren Lagen werden in Ostdeutschland demnach teils nur zwölf Euro pro Quadratmeter fällig, in München dagegen bis zu 1200 Euro.

Im bundesweiten Durchschnitt gaben die Eigenheim-Bauherren 2014 rund 105 Euro für einen Quadratmeter Bauland aus und damit zehn Euro mehr als noch sechs Jahre zuvor, heißt es in dem Bericht. Im Schnitt bauen die Bundesbürger ihr Eigenheim auf 670 Quadratmetern.

In den Wachstumsregionen Deutschlands wird der Ansturm auf freie Wohnungen aus Sicht des Bundesinstituts weitergehen. Der Neubau komme vielerorts nicht schnell genug voran, weil nicht genügend Bauland verfügbar sei.

Abseits der Ballungsräume sinke wegen fehlender Nachfrage dagegen die Wirtschaftlichkeit des Immobilienbesitzes. "Das ist vor allem mit Blick auf den Stellenwert von Immobilien als Altersvorsorge problematisch", hieß es in dem Bericht.

Wohnungswirtschaft kritisiert Vorgaben

Nach Ansicht des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft verhindern überzogene Vorgaben für Klimaschutz, Brandschutz und Barrierefreiheit den Neubau günstiger Mietwohnungen. "Das steht in keinem Verhältnis und macht das Bauen teurer", sagte Verbandsdirektor Axel Tausendpfund vor Beginn des Verbandstags in Ludwigshafen.

So mache die Energieeinsparverordnung den Bau neuer Wohnungen wesentlich teurer, als im gleichen Zug Energie und damit Folgekosten eingespart werden könnten. Ähnlich sehe es bei Brandschutz und Barrierefreiheit aus. "Hier muss dringend ein Umdenken stattfinden."

Nach Angaben des Verbands fehlen im Südwesten jedes Jahr Tausende Neubauwohnungen, um den Bedarf zu decken. In Rheinland-Pfalz würden mindestens 15.000 neue Wohnungen pro Jahr benötigt, doch nur rund 10.000 fertig.

In Hessen klafften die Zahlen noch weiter auseinander: Einem Bedarf von 37.000 neuen Wohnungen stünden dort gerade einmal 15.000 fertiggestellte Einheiten pro Jahr gegenüber. Die Kommunen müssten deshalb dem Verband zufolge mehr Bauland zur Verfügung stellen. Außerdem fehle es an steuerlichen Anreizen für den Neubau. Die derzeit zinsgünstigen Darlehen seien in Zeiten ohnehin niedriger Zinsen relativ unattraktiv.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung