Riesiger Bedarf, hohe Kosten Baupreise für Wohnungen steigen weiter

Schlechte Nachrichten für Häuslebauer: Die Neubaupreise für Wohngebäude steigen weiter – vor allem wegen teurer Rohstoffe. Die Branche sorgt sich wegen möglicher neuer Engpässe bei Rohstoffen.
Handwerker auf einer Baustelle: Rohbauarbeiten verteuerten sich zuletzt um 15,5 Prozent

Handwerker auf einer Baustelle: Rohbauarbeiten verteuerten sich zuletzt um 15,5 Prozent

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Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Die Preise für neue Wohngebäude in Deutschland ziehen weiter an. Der Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland habe sich im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,5 Prozent verteuert, heißt es in einer Mitteilung  des Statistischen Bundesamts.

Im Vergleich zum Mai 2022, dem letzten Wert in der vierteljährlichen Statistik, hat sich der Anstieg jedoch etwas verlangsamt. Damals kletterten die Preise um 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Im Vergleich zum Mai 2022 erhöhten sich die Baupreise im August 2022 um 2,6 Prozent.

Der Anstieg der Preise geht auf verschiedene Faktoren zurück. So verteuerten sich die Preise für Rohbauarbeiten an Wohngebäuden mit 15,5 Prozent im August im Vergleich zum Vorjahreswert kräftig. Den größten Anteil an den Rohbauarbeiten und auch am Neubau von Wohngebäuden insgesamt haben Beton- und Mauerarbeiten.

Dachdeckungsarbeiten wurden um 19,6 Prozent teurer, Erdarbeiten um 15,3 Prozent. Verringert hat sich der Anstieg bei Zimmer- und Holzbauarbeiten. Nach der enormen Teuerung im August 2021 (+46,5 Prozent), waren diese Arbeiten laut Statistischem Bundesamt nur 2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Preise für Ausbauarbeiten stiegen im August 2022 um 17,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ziel von 400.000 Wohnungen in Gefahr?

Für die hohen Preise sind in weiten Teilen die in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Kosten für Energie verantwortlich. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Hauptverband der Baustoffindustrie warnen bereits vor Versorgungsengpässen.

Grundsätzlich verfüge Deutschland zwar über genügend mineralische Rohstoffe, insbesondere Kies, Sand, Gips, Ton, Kalkstein und Naturstein, wie es laut »Handelsblatt« in einem bislang nicht veröffentlichten Positionspapier der beiden Verbände heißt. Doch »während die Nachfrage nach diesen Rohstoffen auf absehbare Zeit stabil bleiben dürfte, wird die bedarfsgerechte Rohstoffsicherung zunehmend schwieriger«.

Ein Grund dafür ist die geologische Verteilung der Vorkommen. Viele seien überbaut, lägen in Schutzgebieten oder unter landwirtschaftlichen Nutzflächen. Zudem sei die Erschließung neuer Abbaugebiete mit hohen regulatorischen Hürden und langjährigen Planungs- und Genehmigungsverfahren verbunden. Die heimische Rohstoffproduktion sollte den Angaben zufolge gestärkt werden.

Die hohen Energiepreise gefährden demnach auch die baupolitischen Ziele, insbesondere den Bau von 400.000 neuen Wohnungen. Zwar würden aktuell sämtliche Baustoffe weiterhin produziert, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Baustoffindustrie, Matthias Frederichs, dem »Handelsblatt«. »Es gibt aber bereits erste Insolvenzen in der Branche und mit jedem Tag des gegenwärtigen Energiepreisniveaus drohen weitere Unternehmen zu folgen.«

Immer mehr Unternehmen drosselten die Produktion. Es müsse jetzt gezielt darum gehen, die Industrie im Land zu halten. »Ansonsten droht für unsere Volkswirtschaft der Wechsel von Energie- zur Rohstoffabhängigkeit.«

apr
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