Hermann-Josef Tenhagen

Heizung, Dämmung, Solar Ökologisch sanieren - so rechnet sich die neue Förderung

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Die Regierung wünscht sich, dass Sie Ihr Haus ökologisch modernisieren. "Kenn ich schon", sagen Sie, "lohnt sich nicht". Irrtum, das neue Förderangebot werden viele schwer ablehnen können.
Solardach gefällig? Auch die Sanierung vergleichsweise junger Häuser wird gefördert (Symbolfoto)

Solardach gefällig? Auch die Sanierung vergleichsweise junger Häuser wird gefördert (Symbolfoto)

Foto: dpa Picture-Alliance / Werner Dieterich/ picture alliance / Westend61

Sind Sie Mieter? 55 Prozent der Wohnungen in Deutschland sind Mietwohnungen . Dann schauen Sie von jeher mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Projekt Ökologische Modernisierung. Lachend, weil natürlich auch Sie weniger Energieverbrauch und höhere Wohnstandards begrüßen. Weinend aber, weil Sie die Kosten für diese Modernisierungen auf die Miete umgelegt bekommen. Und die Regeln fürs Umlegen sind so gestaltet, dass Modernisierungen am Ende vor allem für die Hauseigentümer ein gutes Geschäft sind.

Sind Sie Eigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses, gehört Ihnen ein Reihenhaus oder eine Eigentumswohnung in einer Wohneigentümergemeinschaft? Dann ist dieser Text für Sie. Bei Ihnen sah die Rechnung immer schon anders aus. Für Sie musste sich die ökologische Sanierung selbst rechnen - umlegen der Kosten ging nicht.

Wenn es staatliche Förderung gab, war die an strikte Regeln geknüpft, und im Reihenhaus oder in der Wohneigentümergemeinschaft mussten Sie sich auch noch mit Nachbarn oder Miteigentümern einigen. Man kennt das : Der eine Miteigentümer hatte gerade kein Geld, der andere wollte verkaufen und dem Dritten passte die ganze Richtung nicht.

Bisher geringe Effekte

Tatsächlich hat diese Gemengelage dafür gesorgt, dass viele Häuser und Wohnungen über Jahrzehnte nicht ökologisch modernisiert wurden. Das Ökoinstitut schrieb uns noch diese Woche, dass bislang Jahr für Jahr im Schnitt nur ein Prozent aller Wohnungen komplett saniert würde.

Das soll jetzt anders werden. Im ersten Schritt hat die Bundesregierung jede Menge Fördergelder über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) und die Staatsbank KfW vergeben. Wer seinen alten Ölkessel rauswirft und eine neue Heizung einbauen lässt, bekommt dafür von der Bafa bis zu 45 Prozent Förderung - ziemlich unschlagbar .

Wer mehr als die Heizung machen will, also Wärmedämmung an Wänden, Decken und im Keller - die große Modernisierung -, für den gibt es jetzt zwei Möglichkeiten. Den KfW-Investitionszuschuss 430 für ältere Häuser mit Bauantrag oder Bauanzeige vor dem 1. Februar 2002, mit ordentlicher Planung vorneweg, einem begleitenden Experten und am Ende bis zu 48.000 Euro Förderung pro Wohneinheit . Für diese Maximalsumme muss das Haus nach der Sanierung allerdings dem höchsten Effizienzstandard für Altimmobilien genügen. Für einzelne Maßnahmen gibt es maximal 10.000 Euro. Der Zuschuss wird zu 95 Prozent für Ein- bis Zweifamilienhäuser vergeben, also an Selbstnutzer, hieß es von der KfW diese Woche. Dabei können das Programm auch private Vermieter nutzen. Fast vier Milliarden Euro an Förderung für die ökologische Modernisierung hat die KfW hier und in anderen Programmen dieses Jahr schon vergeben, schrieb sie uns.

Steuerermäßigung und KfW-Programm 430 im Vergleich

Steuerermäßigung

KfW-Programm 430

Gebäudealter

mind. 10 Jahre

Bauantrag oder Bauanzeige vor dem 1.2.2002 gestellt

Berechtigte

nur Selbstnutzer

auch Vermieter

Begleitung Energieexperte

freiwillig

verpflichtend

Beantragungszeitpunkt

nach der Sanierung

vor der Sanierung

Bescheinigung

Fachunternehmen

Energieberater

Auszahlungszeitpunkt

über drei Jahre

nach Bescheinigung der Sanierung

Maximale Erstattung / Förderung

20 Prozent und max. 40.000 Euro

von 20 Prozent und max. 10.000 Euro, bei Einzelmaßnahmen bis zu 40 Prozent und max. 48.000 Euro beim KfW-Effizienzhaus 55

Die Alternative ist der neue Steuervorteil: Lohnenswerter bei Einzelmaßnahmen, also für diejenigen, die keinen Effizienzhausstandard anstreben, bürokratisch weniger aufwendig und auch nutzbar für Häuser aus diesem Jahrtausend. Zehn Jahre muss das Haus beim Start der Baumaßnahmen alt sein - und selbst genutzt. Beginnen können Sie jetzt oder auch erst 2029. Wichtig ist nur, dass die Arbeiten bis Ende 2029 abgeschlossen werden.

Förderung auch für bereits begonnene Projekte

Im Jahr 2018 wären bei dieser Förderung nur 1,25 Millionen der 42 Millionen Wohnungen in Deutschland altersbedingt von der Förderung ausgeschlossen  gewesen. Sie können als Haus- oder Wohnungsbesitzer die Steuervorteile sogar für förderfähige Modernisierungen bekommen, die sie schon angefangen haben.

Das ausführende Fachunternehmen muss Ihnen nur hinterher bestätigen, dass die Maßnahmen den gesetzlichen Standards für die ökologische Modernisierung genügen, dass es Ihnen eine ordentliche Rechnung geschickt hat und Sie das Geld überwiesen haben. Ein Fünftel des Rechnungsbetrages dürfen Sie dann in der Steuererklärung von Ihrer Steuerschuld abziehen  - allerdings in Raten, 7 Prozent im ersten Jahr, noch mal 7 Prozent im zweiten Jahr und dann 6 Prozent im dritten Jahr. Geben Sie insgesamt 200.000 Euro für die Modernisierung aus, bekommen Sie so 40.000 Euro vom Staat dazu geschenkt.

Ach ja, und Sie können die Modernisierung über die kommenden Jahre strecken - immer nur einen Teil Ihres Hauses sanieren und mehrmals von der Steuerermäßigung profitieren - bis die maximale Fördersumme von 40.000 Euro aufgebraucht und das Jahr 2029 zu Ende ist.

Vor dem Hintergrund, dass ab 2021 die ständig steigende CO2-Steuer kommen soll und die Energiekosten des Hauses dadurch noch mal höher werden, ist ein solches Investment sicher eine Überlegung wert. Vor allem für Bauherren, die das Geld für die Modernisierung auf der hohen Kante haben, aber aktuell keine Zinsen bekommen und gleichzeitig keinen Kredit aufnehmen müssen.

So geht es - Schritt für Schritt

Allerdings könnte der Steuervorteil in Kombination mit einem normalen Bankkredit wegen der niedrigen Zinsen für Baukredite momentan in einigen Fällen sogar ähnlich günstig sein wie ein KfW-Kredit mit Tilgungszuschuss.

Also, Sie haben das Geld oder zumindest einen Großteil davon, wollen die selbst genutzte Immobilie ökologisch modernisieren, es geht nicht nur um die Heizung. Dann finden Sie hier die Anleitung :

  1. Sprechen Sie zunächst mit Experten darüber, welche Sanierungsmaßnahmen an Ihrem Gebäude besonders viel bringen. Ein umfassendes Sanierungskonzept erstellt Ihnen ein Energieberater. Wissen Sie dagegen bereits, welche Einzelmaßnahmen Sie umsetzen wollen, genügt auch ein Fachunternehmen. Die Kosten für eine energetische Planung und Baubegleitung können Sie übrigens auch zur Hälfte steuerlich ansetzen.

  2. Sprechen Sie für die Arbeiten in jedem Fall nur Fachhandwerker mit der entsprechenden Qualifikation für die Gebäudesanierung an. Vereinfacht gesprochen: Handwerksmeisterbetriebe. Nur diese Fachbetriebe können später eine Bescheinigung erstellen, die das Finanzamt auch anerkennt. Oder eben der Energieberater.

  3. Achten Sie auf eine korrekte Rechnung, zahlen Sie per Überweisung und heben Sie den Beleg dafür fürs Finanzamt auf.

  4. Sie müssen in den kommenden drei Jahren eine Steuererklärung abgeben, um auch wirklich die volle Förderung zu kassieren. Voraussichtlich müssen Sie dafür die Anlage Förderung des Wohneigentums (FW) nutzen.

  5. Ihre Steuerschuld sollte hoch genug sein, damit Sie den Steuerabzug auch komplett genießen können, denn zahlen Sie in einem Jahr weniger Steuern, als Sie durch die Steuerermäßigung zurückbekämen, verfällt der überschüssige Betrag. Sie profitieren dann nur von einem Teil der Förderung.

  6. Beantragen Sie für die Sanierung unter keinen Umständen parallel staatliche Förderung von der KfW oder der Bafa. Sie können hier nur einmal gefördert werden.

  7. Die Maximalförderung von 40.000 Euro für 200.000 Euro Investition gilt pro Objekt. Sie können das Geld für mehrere Maßnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgeben und dann immer wieder anteilig von der Steuer abziehen, bis Sie die Obergrenze erreichen.

Ein wenig politischer Hintersinn steckt selbstverständlich in dem Programm. Auch der Bundesregierung ist natürlich nicht entgangen, dass Hunderte von Milliarden Euro auf tagesfälligen Konten von Sparern liegen - zinslos und manchmal sogar von Negativzinsen bedroht. Dieses Geld, so wird dort gedacht, könnte mit einem kleinen Stups, also der Förderung, in den wirtschaftlichen Kreislauf zurückgeholt werden. Sie als sparender Haus- oder Wohnungsbesitzer würden etwas Gutes für sich und die Umwelt mit Ihrem Geld tun, eine Investition, die sich sogar rechnet. Und der Staat kann mit einigen Milliarden Förderung über die kommenden Jahre viele Milliarden an Investitionen lostreten und sich anschließend über Arbeitsplätze und Steuereinnahmen freuen.

Und gefördert werden exakt die vergangenen und gegenwärtigen Häuslebauer in den Flächenländern wie Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg, die die Regierung mit den bisherigen Programmen nicht erreicht hat - also Sie. Dass Sie dort womöglich auch Ihr selbst genutztes Ferienhaus mit einem solchen Programm modernisieren, wird billigend in Kauf genommen. Das dürfen Sie tatsächlich - solange Sie es nicht zwischendurch vermieten.

Hauptsache, Sie tun was.

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