Bedenkliche Stoffe Tester stellen Spielzeughersteller an den Pranger

Puppen, Torwarthandschuhe, Kindertaschen: Spielzeug aus deutschen Geschäften enthält oft gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe. In einer aktuellen Untersuchung erhalten viele Produkte das Urteil "mangelhaft" oder "ungenügend" - die Zeitschrift "Ökotest" nennt die Hersteller nun beim Namen.
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Spielzeug: Tester finden bedenkliche Stoffe

Foto: Öko-Test

Hamburg - Harsches Urteil von "Ökotest": Die Zeitschrift hat 20 Spielwaren aus deutschen Geschäften untersucht - und in fast allen bedenkliche Stoffe gefunden. 16 Mal vergaben die Tester das Urteil "ungenügend", drei Mal "mangelhaft". Dabei wurden Produkte vom Flummi bis zur Kinderfahrradhupe untersucht. SPIEGEL ONLINE zeigt eine Auswahl der beanstandeten Waren (siehe Fotostrecke).

Kaum ein Hersteller nahm zu den Vorwürfen Stellung. Lediglich Toys "R" Us reagierte - und nahm Torwarthandschuhe aus dem Sortiment, nachdem sie von "Ökotest" kritisiert wurden. "Für Kinder ist und bleibt die Spielzeugwelt eine Gefahrenzone", urteilen die Prüfer. Allerdings hatten die Tester von vorneherein "risikoorientiert" eingekauft: So wählten sie "übel riechende Artikel oder Produkte aus Weich-PVC" aus.

Dennoch: Ähnliche Studien aus den USA deuten ebenfalls auf bedenkliche Inhaltsstoffe in Kinderspielzeug hin. Dort enthält jedes dritte verkaufte Spielzeug schädliche Substanzen, warnte kürzlich die Verbraucherschutzorganisation The Ecology Center. Und im europäischen Schnellwarnsystem Rapex werden von Jahr zu Jahr mehr gefährliche Konsumgüter gemeldet, darunter inzwischen etwa 40 Prozent Spielwaren und Kinderbedarfsartikel.

Die Spielwarenindustrie sieht kein Problem

Immerhin wurde in der Europäischen Union eine neue Spielzeugrichtlinie verabschiedet, die ab dem 20. Juli 2011 von den Mitgliedsstaaten angewendet werden muss. Festgelegt ist darin, welchen Sicherheitsanforderungen Spielzeug entsprechen muss, wenn es in der EU hergestellt oder verkauft wird. Experten bleiben aber skeptisch: "Eltern können sich nicht darauf verlassen, dass das Spielzeug auf dem deutschen Markt sicherer wird", kritisiert die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder. Nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) führt die neue Richtlinie teilweise sogar zu einer Verschlechterung des Verbraucherschutzes. Selbst Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) fordert rasche Nachbesserungen.

Beim Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie heißt es dagegen: "Spielzeug, das den umfangreichen Sicherheitsbestimmungen der EU entspricht, kann ohne jegliche Bedenken gekauft und gespielt werden."

"Ökotest" sieht das anders. Nach Auffassung der Verbraucherzeitschrift sind viele Grenzwerte viel zu lasch. Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): Sie werden häufig als Weichmacher in Gummi und Kunststoff von Spielzeugen eingesetzt. Viele dieser Verbindungen sind krebserregend. Die besonders gefährliche PAK-Leitsubstanz Benzo[a]pyren dürfte demnach bis zu einer Konzentration von 100 Milligramm pro Kilo im Spielzeug vorhanden sein. Zum Vergleich: Das ist hundert Mal mehr als beispielsweise im Weichmacheröl für die Herstellung von Autoreifen erlaubt ist.

Die Tester halten viele Produkte für "nicht verkehrsfähig"

"Ein Irrsinn", schimpft Eva Frei vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. "PAK reichern sich im Körper an und lassen Tumore wachsen." Aus Sicht der Toxikologin dürfen gerade Kinder mit den gefährlichen Substanzen nicht in Berührung kommen. Auch in der aktuellen Untersuchung von "Ökotest" wurden PAK in Spielzeug entdeckt (siehe Fotostrecke).

Verbraucherschützer fordern deshalb eine Qualitätsprüfung durch eine neutrale Stelle. Wie notwendig dies wäre, wird deutlich am Beispiel der Phthalatweichmacher : Seit Jahren sind drei der gesundheitsschädlichen Weichmacher generell in Spielzeug verboten, drei weitere dürfen speziell in Babyartikeln und Spielzeug, das in den Mund genommen werden kann, nicht mehr enthalten sein.

Trotzdem hat "Ökotest" in der aktuellen Untersuchung Phthalate in Spielzeug gefunden. Das Urteil der Tester: Viele Produkte seien "nicht verkehrsfähig" - sie dürften niemals im Laden stehen.

wal
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