Illegale Preisabsprachen Kartoffel-Kartell kostet Verbraucher Millionen

Haben Verbraucher im Supermarkt über Jahre hinweg überhöhte Preise für Kartoffeln bezahlt? Davon geht offenbar das Bundeskartellamt aus. Die Beamten ermitteln gegen zahlreiche Verarbeitungsbetriebe, die ihre Verkaufspreise untereinander abgesprochen haben sollen.
Kartoffeln: Absprachen zu Lasten der Verbraucher?

Kartoffeln: Absprachen zu Lasten der Verbraucher?

Foto: A3397 Gero Breloer/ dpa

Frankfurt am Main - Hat ein Kartoffel-Kartell in Deutschland über Jahre hinweg die Preise künstlich hoch gehalten? Entsprechenden Hinweisen gehen die Kartellbehörden nach. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) soll das mutmaßliche Kartoffel-Kartell seit der Gründung vor etwa zehn Jahren einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe gemacht haben. Das schätzt ein Branchen-Insider. Die "Bild"-Zeitung berichtet sogar von einem Gewinn in Höhe von rund einer Milliarde Euro über zehn Jahre. Auch Zwiebelpreise sollen von der Kungelei betroffen gewesen sein.

Laut "SZ " haben 80 bis 90 Prozent der größeren Verarbeitungsbetriebe in der Kartoffel- und Zwiebelbranche regelmäßig die Preise abgesprochen, zu denen die Supermarktketten beliefert wurden. Zeitweise soll die Gewinnmarge rasant in die Höhe gestiegen sein und sich mitunter verzehnfacht haben, vor allem auf Kosten der Verbraucher. Die sollen in den Supermärkten weit mehr gezahlt haben als notwendig. Auch Pflanzkartoffeln für die Bauern sollen zu weit überhöhten Preisen verkauft worden sein. Die mutmaßlichen Kartellpartner hätten demnach sogar festgelegt, welcher Landwirt an welche Abnehmer liefern dürfe.

Neun Unternehmen durchsucht

Das Bundeskartellamt hatte am Freitag Ermittlungen wegen illegaler Preisabsprachen bestätigt. Neun Unternehmen aus dem Bereich Erzeugung und Vertrieb seien durchsucht und gegen fünf weitere Unternehmen bereits Bußgeldverfahren eingeleitet worden. Außerdem habe man die Wohnung eines Verdächtigen überprüft, teilte das Amt in Bonn mit. Dem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge stammen fünf der verdächtigen Firmen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.

Das Kartell habe ganz einfach funktioniert, sagte ein Branchenkenner der "SZ". Es soll eine Art Anführer gegeben haben, der beispielsweise vor den Bestellungen der großen Discounter-Ketten die Kollegen angerufen und den Wochenpreis ausgemacht habe. Die Angebote sollen sich dann nur um einen oder ein paar Cent unterschieden haben.

Der Geschäftsführer einer der durchsuchten Firmen wies die Vorwürfe zurück. "Wir haben kein schlechtes Gewissen, wir sind da relativ gelassen", sagte er der "SZ". Dass ein solches Kartell existiert habe, könne er sich nicht vorstellen.

Etwa eine Million Tonnen Kartoffeln werden jährlich in Deutschland abgepackt. Rund 70 Prozent der Menge stammen aus Deutschland, der Rest wird importiert.

ric/afp/dpa
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