Auf Druck der Regierung Total weitet Rabatt an französischen Tankstellen aus

In Frankreich erhöht TotalEnergies den Tankrabatt, sodass Autofahrer insgesamt 30 Cent pro Liter sparen können. Die Entlastung in Deutschland ist laut neuen Zahlen hingegen bei den Autofahrern nie voll angekommen.
Logo von TotalEnergies im französischen Nantes

Logo von TotalEnergies im französischen Nantes

Foto: STEPHANE MAHE / REUTERS

Der Ölkonzern TotalEnergies kommt auf Druck der Regierung seinen inflationsgebeutelten Kunden in Frankreich mit einem höheren Tankrabatt entgegen. In den Monaten Juli bis August würden die Spritpreise um zwölf Cent je Liter reduziert – zwei Cent mehr als der bisherige Tankrabatt, den TotalEnergies bis Ende des Sommers verlängert hatte.

»Steigende Energiekosten treiben seit Monaten die Spritpreise in die Höhe und belasten die Kaufkraft der Menschen in Frankreich, insbesondere diejenigen, die es sich am wenigsten leisten können und für die das Auto unerlässlich ist«, teilte der Konzern mit. Ein Sprecher wollte keine Details zu den Auswirkungen auf die Gewinne von TotalEnergies nennen.

Zusammen mit dem staatlichen Tankrabatt von 18 Cent je Liter können Verbraucher an den 123 Total-Tankstellen in Frankreich bis Ende August insgesamt 30 Cent je Liter sparen.

Leclerc will nachziehen

Die französische Supermarktkette Leclerc, die ebenfalls Tankstellen betreibt, könnte dem Beispiel TotalEnergies bald folgen. »Leclerc nimmt sich vor, am günstigsten zu sein – wir werden nachziehen oder zu anderen Maßnahmen greifen«, sagte Konzernchef Michel-Edouard Leclerc in einem Interview mit dem Fernsehsender BFM. Weitere Rivalen wie Shell, Esso Frankreich und BP Frankreich waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Einige Regierungen, etwa in Großbritannien, haben eine Sondersteuer für Öl- und Gasunternehmen eingeführt, die dank hoher Energiepreise Rekordgewinne verbuchen. Frankreich hielt sich bisher mit einem solchen Schritt zurück und übt stattdessen Druck auf die Preisgestaltung der Unternehmen aus.

In Deutschland reduzierte die Regierung die Energiesteuer auf Kraftstoffe für drei Monate auf das europäische Mindestmaß, was dem Finanzministerium zufolge 30 Cent pro Liter weniger bei Benzin und 14 Cent beim Diesel bedeutet. Einen Monat nach dem Start sind viele Autofahrer jedoch enttäuscht von der Spritsteuersenkung.

An keinem Tag seit dem 1. Juni waren Benzin oder Diesel um die volle Höhe der Steuerentlastung billiger als am 31. Mai. Das geht aus aktuellen Zahlen des ADAC vom Donnerstag hervor. Insbesondere bei Diesel wurde die Entlastung schnell von einem Preisanstieg aufgezehrt, sodass der Kraftstoff zwischenzeitlich sogar teurer war als vor der Steuersenkung.

Zuletzt haben die Spritpreise wieder etwas nachgegeben: Am Mittwoch kostete Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,861 Euro pro Liter. Das ist zwar der niedrigste Wert im Monat, allerdings nur 29 Cent weniger als vor der Steuersenkung um 35,2 Cent. Diesel lag bei 2,019 Euro pro Liter. Damit ist es 2,5 Cent billiger als vor der Steuersenkung um 16,7 Cent.

Am billigsten innerhalb des Juni war Diesel gleich am ersten Tag – damals lag der Preis immerhin 11,6 Cent niedriger als am 31. Mai. Am Donnerstag, dem letzten Tag des Juni setzte sich der aktuelle leichte Abwärtstrend bei Diesel fort. Der E10-Preis war weitgehend unverändert.

»Das Preisniveau ist weiter massiv überhöht – bei Superbenzin mindestens 25 Cent, bei Diesel noch deutlich mehr«, sagte ADAC-Kraftstoffmarktexperte Jürgen Albrecht. »Im Moment geht es zwar bei Diesel ganz leicht in die richtige Richtung, aber die Preise müssen noch weit sinken, bis sie wieder angemessen sind. Für die Autofahrer ist das eine schwere Belastung«, betonte er und warnt: »Nach wie vor besteht die Gefahr, dass sich das aktuell überhöhte Preisniveau durch einen Gewöhnungseffekt verfestigt.«

Dass die Spritpreise im Juni tendenziell stiegen, ist allerdings ein Effekt, der nicht nur in Deutschland auftrat, wie am Donnerstag veröffentlichte Zahlen der EU-Kommission zeigen. Rechnet man den Effekt der Steuersenkung heraus, liegt Deutschland bei Superbenzin etwa im Mittelfeld, bei Diesel gehört es dagegen zu den Ländern mit den stärkeren Anstiegen.

Kartellwächter beobachten hohe Abstände zu Ölpreisen

Das Bundeskartellamt verwies auf hohe Abstände der Spritpreise zu den Rohölpreisen im Juni. Beobachtungen wie diese seien »ein wichtiger Indikator bei unserem engen Monitoring der Preisbewegungen insgesamt«, sagte Präsident Andreas Mundt. Auch die Preisentwicklung in Nachbarländern könne »ergänzende Hinweise geben«.

Für belastbare Rückschlüsse sei aber eine vertiefte Analyse notwendig, so Mundt weiter. »Genau hier soll unsere Sektoruntersuchung mit dem Schwerpunkt Raffinerien und Großhandel ansetzen und insbesondere die Marktstruktur, die Kostenstrukturen und die tatsächlichen Gewinnmargen näher beleuchten.« Aktuell werden dafür laut Kartellamt etwa 20 deutsche Raffinerien umfassend befragt.

dab/Reuters/dpa
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