Milliardenbetrüger Madoff köderte überwiegend Deutsche und US-Bürger

Die Zahl der Opfer von Finanzbetrüger Madoff ist doppelt so hoch wie vermutet. Lediglich "die Wüste Gobi und die Polkappen" seien verschont geblieben, resümiert ein Aufseher. Nach US-Bürgern stellen Deutsche den höchsten Anteil der 52.000 Entschädigungsanträge.
Bernard Madoff (Aufnahme von 2009): Neue Details zum Milliardenbetrug

Bernard Madoff (Aufnahme von 2009): Neue Details zum Milliardenbetrug

Foto: AFP

Washington - Auch fünf Jahre nach der Verurteilung des Milliardenbetrügers Bernard Madoff arbeiten Schadensverwalter die Folgen des Finanzskandals noch ab. Und auch nach so langer Zeit kommen neue Details ans Licht.

So hat der Wall-Street-Betrüger offenbar mit falschen Versprechungen auch viele Deutsche in die Falle gelockt. Das legt eine vom Opferfonds des US-Justizministeriums veröffentlichte Liste nahe. Demnach haben lediglich US-Amerikaner mehr Schadensfälle geltend gemacht. Es folgen Deutsche, Italiener, Franzosen und Schweizer. Bisher meldeten sich Investoren aus 119 Ländern. Insgesamt gingen 51.700 Anträge auf Entschädigungen ein.

Die Behörden müssen viele Anträge zwar noch auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen, doch allein die hohe Zahl zeigt das Ausmaß des Falls. "Es scheint, als ob mindestens doppelt so viele Investoren wie zuvor gedacht in dem Madoff-Betrug Geld verloren haben", erklärte Richard Breeden, der den "Madoff Victim Fund" verwaltet. "Nur wenige Plätze auf dieser Erde wie die Wüste Gobi und die Polkappen scheinen von diesem Betrug verschont geblieben zu sein."

Treuhänder Irving Picard, der Madoffs Firma seit dem Auffliegen seines Betrugs abwickelt, geht von einem Schaden von 20 Milliarden Dollar aus. Bei Fondsverwalter Breeden gingen Anträge über die doppelte Summe ein. Diese müssten zwar noch auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft werden, doch gehe er von "wesentlich höheren Verlusten aus als bislang dokumentiert", sagte Breeden.

Einzelverluste von mehr als einer Million Dollar

Laut den Behörden wird beim Großteil der Anträge ein Schaden von bis zu 500.000 Dollar geltend gemacht. Bei etwa 9,5 Prozent der Eingaben umfasst der Schaden demnach eine Summe zwischen einer halben Million und einer Million Dollar. Und in 13 Prozent der Anträge melden die mutmaßlichen Opfer einen Verlust von mehr als einer Million Dollar. Viele Opfer haben demnach bisher gar keinen Schadensersatz bekommen. Um Ansprüche abzugelten hat der Fond den Angaben zufolge bisher vier Milliarden Dollar eingesammelt, etwa aus Pfändungen. Weitere Verfahren von geprellten Anlegern laufen.

Madoff hatte Anleger über Jahrzehnte mit Traumrenditen gelockt, die er aber mit dem frischen Geld anderer Investoren zahlte. Während der Finanzkrise 2008 brach das Schneeballsystem zusammen. Madoff wurde 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Auch aus dem Gefängnis heraus sorgte der Betrüger für Schlagzeilen, etwa als er in einem Brief sein angenehmes Leben im Knast schilderte.

Erst im April wurden auch fünf seiner ehemaligen Mitarbeiter der Beihilfe zu dem gigantischen Anlagebetrug schuldig gesprochen. Die Investmentexperten und Computerprogrammierer müssen mit Gefängnisstrafen rechnen. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen davon aus, dass der Betrug mindestens seit Anfang der Siebzigerjahre gelaufen ist.

mmq/dpa/AP