Stiftung Warentest Das sind die besten Versicherungen für Berufsunfähigkeit

Jeder vierte Deutsche scheidet wegen der Gesundheit vorzeitig aus dem Job aus. Berufsunfähigkeits-Versicherungen können ein Abrutschen in die Armut verhindern. Doch welcher Tarif ist am günstigsten?

Rückenschmerzen bei der Arbeit: Ein häufiger Grund für Berufsunfähigkeit
DPA

Rückenschmerzen bei der Arbeit: Ein häufiger Grund für Berufsunfähigkeit


Psychische Erkrankungen, ein kaputter Rücken, Krebsleiden: Es gibt eine Menge Gründe, warum Arbeitnehmer über längere Zeit arbeitsunfähig werden können - statistisch trifft es jeden vierten Deutschen. Wer für solche gesundheitlichen Notfälle kein Geldpolster angelegt hat, rutscht schnell in die Armut. Versicherungen können helfen, die Folgen der Berufsunfähigkeit abzumildern, indem sie monatliche Renten zahlen - aber den richtigen Anbieter zu finden, ist gar nicht so leicht.

Die Zeitschrift "Finanztest" von Stiftung Warentest hat 59 Tarife untersucht (die kompletten Ergebnisse finden Sie hier). Das Fazit ist positiv: Bis auf einen einzelnen "befriedigenden" Tarif des Versicherers Bayerische erhalten alle das Qualitätsurteil "sehr gut" oder "gut". Das liegt aber auch daran, dass Finanztest die schlimmsten Tarife erst gar nicht bewertet hat, sondern nur die "Crème de la Crème", wie die Autoren schreiben.

So gibt es an den Leistungen der Policen wenig auszusetzen. Die zwölf besten Tarife bieten zum Beispiel allesamt rückwirkende Zahlungen in den ersten sechs Monaten - und bei verspäteter Meldung auch noch drei Jahre danach. Wer also anfangs nicht absehen kann, dass er länger zu Hause bleiben muss, kriegt nachträglich Geld. Viele der Anbieter zahlen auch dann, wenn eine Arbeitsunfähigkeit nur vorübergehend ist oder wenn ein Kind des Versicherten schwer erkrankt.

Das sind die besten Berufsunfähigkeits-Tarife

Anbieter Tarif Zahlbeitrag* Qualitätsurteil
Hannoversche SBU 19 894 € Sehr gut (0,8)
Allianz SBU Plus OBUU E356 1701 € Sehr gut (0,9)
Barmenia SBU SoloBU 1355 € Sehr gut (1,0)
Basler SBU BAL 8408 1065 € Sehr gut (1,0)
Alte Leipziger SBU BV10 pm 2300 1100 € Sehr gut (1,1)
Europa SBU E-BU 880 € Sehr gut (1,1)
Württembergische SBU BURV 1317 € Sehr gut (1,1)
Canada Life SBU 1760 € Sehr gut (1,2)
DBV (Axa) SBU SDV 1018 € Sehr gut (1,2)
Familienfürsorge SBU Premium 2017.1 V4 1252 € Sehr gut (1,2)
Huk24 SBU 24 Premium 2017.1 1156 € Sehr gut (1,2)
Huk-Coburg SBU Premium 2017.1 V4 1193 € Sehr gut (1,2)

*In Euro pro Jahr für Modellkunde Industriemechaniker (w/m/d, 25 Jahre, ein Kind, Nichtraucher) mit dem Rentenziel 1500 Euro monatlich. Quelle: Finanztest

Bei den Beiträgen, die jährlich zu zahlen sind, gibt es hingegen ziemliche Unterschiede. Um sie aufzuzeigen, hat Finanztest mehrere "Modellkunden" gebastelt - und Erstaunliches herausgefunden. So kommt ein 30-jähriger Controller, der eine Berufsunfähigkeits-Rente in Höhe von 2000 Euro anpeilt, mit dem sechstplatzierten Versicherer Europa am besten weg, er zahlt dort nur 810 Euro im Jahr. Für eine fünf Jahre jüngere Arzthelferin, die eine Rente von 1000 Euro im Monat versichern will, lohnt sich hingegen die Hannoversche - mit einem günstigen Tarif von jährlich nur 490 Euro.

Stiftung Warentest rät in jedem Fall dazu, sich so früh wie möglich um eine Versicherung zu kümmern. Berufsanfänger und Studenten können, weil sie in der Regel gesünder sind, besonders günstige Verträge abschließen. Die Faustregel lautet: Man sollte etwa 70 bis 80 Prozent des Einkommens versichern. Lebenserhaltungskosten, Miete, Altersvorsorge und mehr müssen im Fall einer Unfähigkeit schließlich weiter bezahlt werden.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, "Finanztest" habe einen Versicherer nur mit "befriedigend" bewertet. Tatsächlich ging es dabei nur um einen Tarif dieses Anbieters. Andere Tarife des selben Versicherers erhielten dagegen die Noten "gut" oder "sehr gut". Wir haben die Stelle korrigiert.

rai

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
dasfred 18.06.2019
1. Tarife sind das eine
Es gab schon häufiger Berichte, dass die Versicherungen oft richtig kreativ werden, wenn der Versicherungsfall eintritt. Da wird dann mit Verweis auf Vorerkrankungen oder verschwiegener Risiken jede Leistung abgelehnt? Es wäre gut, wenn in der Tabelle auch aufgeführt wird, welche Versicherung dort problematisch aufgefallen ist und welche sich als besonders kundenfreundlich herausgestellt hat. Gerade im Bereich der psychischen Erkrankungen wird dann oft die Leistung abgelehnt, weil der Kunde angeblich Vorerkrankungen nicht angegeben hat. Diese Art von Versicherung enthält besonders viele Stolperfallen und wenn sie am Ende nicht zahlt, nützt der günstigste Tarif nichts.
k0pfnuss 18.06.2019
2. ?
Jetzt werden wieder lauter intelligente Kommentare nach dem Motto "die zahlen im Versicherungsfall sowieso nicht" kommen.
sternenbande19 18.06.2019
3. mhm...
Mein Zahlbeitrag liegt ca. 400 Euro über dem bei meinem Versicherer hier angegeben. Die Rahmenbedingungen sind auch andere. Da liegen über 10 Jahre zwischen, also nicht direkt vergleichbar. Aber interressant dennoch: Man sollte für günstige Tarife so früh wie möglich eine Police abschließen. In den vergangenen 10 Jahren, in denen ich jetzt keine BU hatte, konnte ich die ca. 10.000 Euro theoretisch angefallenen Beiträge anderweitig einplanen. Die eingesparte Summe schmilzt natürlich über die Jahre, so dass man im Endeffekt tatsächlich besser gestellt ist, je früher man anfängt.
großwolke 18.06.2019
4. Mut zum Risiko
Zuallererst sollte man sich genauestens informieren, was mit "Berufsunfähigkeit" im Sinne der Versicherungspolice überhaupt gemeint ist, und sich dann Gedanken machen, was eigentlich passieren muss, damit dieser Zustand eintritt. Als nächstes sollte man nachrechnen, was passiert, wenn man keine BU abschließt. Das Artikelbeispiel von der Arzthelferin ist so eins, wo Versicherung schlicht keinen Sinn macht. Die Eintrittswahrscheinlichkeit von Berufsunfähigkeit für diesen Beruf ist nicht übermäßig hoch, und mit HartzIV übernimmt die Gesellschaft schon einen relativ großen Anteil der 1000 Euro, die versichert werden sollen. In dem Fall wäre die Betroffene besser beraten, wenn sie den Selbstbehalt für den Bezug von HartzIV ansparen würde. Die traurige Wahrheit von Berufsunfähigkeitsversicherungen ist die: diejenigen, die sie wirklich brauchen, weil schon kleine Versehrungen den Job kosten (Handwerker), können sie sich in der Regel nicht leisten, weil sie auch viel höhere Risiken haben als die durchschnittlichen "Drinnen-Arbeiter".
so-long 18.06.2019
5. Lebensrisiken
Die BU deckt nur Zahlungen bis zum Renteneintrittsalter ab. Dann ist Schluss. Danach geht es wie weiter? Eine hohe BU-Zahlung ist extrem teuer und hindert deutlich den Eigenkapitalaufbau. Besser und günstiger ist es, einer BU vorzubeugen. Psych. und Rückenleiden fallen nicht vom Himmel. Auch nicht jeder Tumor. Trotzdem "darf" in den ersten 25 Berufsjahren "nichts passieren". Sonst hat man wirklich die A-Karte gezogen. Das Leben ist nicht risikofrei.
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