Bestechungsverdacht Ärzte sollen bewusst teure Medikamente verschrieben haben

Korruptionsverdacht gegen 39 Ärzte aus dem Westerwald: Die Mediziner sollen nach SPIEGEL-Informationen Patienten bevorzugt Medikamente von bestimmten Pharmafirmen verordnet und dafür Zuwendungen kassiert haben.
Rezeptformular: Günstige Medikamente verboten

Rezeptformular: Günstige Medikamente verboten

Foto: Thomas Kienzle/ AP

Hamburg - Ein Verbund von Ärzten im Westerwald steht unter Bestechungsverdacht. Die Mediziner sollen nach SPIEGEL-Informationen bestimmte Pharmafirmen bevorzugt haben. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat ein Ermittlungsverfahren gegen das Ärztenetz Medis Westerwald eröffnet. Darin haben sich 39 niedergelassene Mediziner der Region zusammengeschlossen. Die Ärzte stehen im Verdacht der Bestechlichkeit, weil sie ihren Patienten bevorzugt Medikamente von bestimmten Pharmafirmen verordnet haben.

Dabei sollen die Ärzte mit Hilfe des sogenannten aut-idem-Verbots die Abgabe eines für die Krankenkasse günstigeren Arzneimittels verhindert haben. Für die bevorzugte Verordnung bestimmter Firmen sollen die Mediziner dabei in Form von Zuwendungen belohnt worden sein.

"Aut idem" heißt so viel wie "oder das Gleiche". Auf Kassenrezepten stehen die zwei Wörter am linken Rand, genau neben den verordneten Medikamenten. Lässt der Arzt das aut-idem-Feld frei, kann und sollte der Apotheker eine billigere Variante des Wirkstoffs auswählen, sofern Packungsgröße, Wirkstärke und Einsatzgebiet identisch sind. Kreuzen Ärzte das aut-idem-Verbot an, verbieten sie den Austausch von Medikamenten.

Eine Auswertung der AOK habe bestätigt, dass die bei Medis Westerwald organisierten Ärzte "mit ihrem aut-idem-Ausschluss teilweise erheblich über dem Landesdurchschnitt liegen", sagte der Koblenzer Oberstaatsanwalt Horst Hund dem SPIEGEL.

"Es werden keine Schmiergelder gezahlt, sondern legitime Verträge erfüllt"

Die Zuwendungen, die die Ärzte durch dieses Verschreibungsverhalten erhalten haben, sind dabei vermutlich nicht von Pharmafirmen direkt, sondern über die Firma Medmedias geflossen. Die Geschäftsführer dieser Firma gehören ebenfalls zu den Beschuldigten der Staatsanwaltschaft. Medmedias räumt die Weitergabe "zusätzlicher Rabatte" an die Ärzte ein, hält diese aber für gerechtfertigt. "Es werden also keine Schmiergelder gezahlt, sondern legitime Verträge erfüllt", teilte der Anwalt eines Medmedias-Gesellschafters mit. Die Geschäftsführer des Ärztenetzes ließen konkrete Fragen zu den Vorwürfen unbeantwortet.

Medmedias gibt auf seiner Homepage an, mit der Pharmafirma Heumann einen "Kooperationsvertrag" geschlossen zu haben. Niedergelassene Ärzte im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) kreuzen in 8,1 Prozent aller Fälle das aut-idem-Verbot auf dem Rezept an. Unter den Heumann-Präparaten beträgt der Anteil dagegen 38 Prozent. Das Pharmaunternehmen Heumann beantwortete keine Fragen zu den Vorwürfen. Zu den Firmen, die von den Ärzten bevorzugt wurden, gehören nach Angaben der Staatsanwaltschaft neben Heumann auch CT und Sandoz. Gegen die Firmen werde aber nicht ermittelt, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

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