Mythos #Betongold So haben wir gerechnet

Sichert das Eigenheim die Pflege im Alter? Die interaktive Karte beantwortet diese Frage für jede Region Deutschlands, der Rechner zeigt individuelle Ergebnisse.

Werte von Bestand? Einfamilienhäuser in Düsseldorf

Werte von Bestand? Einfamilienhäuser in Düsseldorf

Foto: imago

Das Gedankenexperiment ist simpel: Wie lange reicht der Verkaufserlös eines Einfamilienhauses, um einen Platz im Pflegeheim zu finanzieren? Eine zugespitzte Frage, aber keine ungewöhnliche. Viele ältere Hausbesitzer müssen sie sich stellen, wenn sie etwa nach einem Unfall nicht zu Hause gepflegt werden können. Betroffen ist jedoch auch die Generation der Kinder, die mitentscheiden muss, was mit ihrem Elternhaus geschehen soll.

Funktioniert das Eigenheim also in diesem Sinne als Altersvorsorge? Nicht überall. Das zeigt unser Blick in die Daten auf Ebene der Postleitzahlengebiete. Wie lange die Finanzierung gedeckt ist, entscheidet das Verhältnis zweier Faktoren - der aktuell beim Verkauf einer Immobilie zu erzielende Preis und die privaten Zuzahlungen für einen Platz im Pflegeheim. Diese Daten haben wir für alle Postleitzahlengebiete zusammengetragen und ausgewertet.

Natürlich ist die Wirklichkeit meist komplexer: Nicht jeder Pflegebedürftige muss in ein Pflegeheim umziehen. Viele können von Angehörigen oder einem ambulanten Pflegedienst in ihrer vertrauten Umgebung versorgt werden. Und ist eine Unterbringung in einem Heim notwendig, können viele bei der Finanzierung auf Ersparnisse oder eine Altersvorsorge zurückgreifen.

Die individuelle Situation dürfte zudem häufig von den dargestellten Mittelwerten abweichen. Das Gedankenexperiment ist bewusst vereinfachend, um einen generellen gesellschaftlichen Trend zu zeigen. Nutzen Sie unseren interaktiven Rechner, um die Berechnung weiter zu personalisieren.

Wie genau lief die Rechnung ab?

Im Mittelpunkt unserer Auswertung steht das Verhältnis zweier Zahlen, also ein mathematischer Quotient. Dafür wird der Verkaufswert eines typischen Einfamilienhauses durch die mittleren jährlichen Pflegeheimkosten geteilt. Als Resultat steht die Anzahl der Jahre, für die der Immobilienverkauf die Pflegeheimkosten trägt.

Hierfür haben wir für jedes Postleitzahlengebiet den mittleren Immobilienpreis (Median) für ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche im Jahr 2014 verwendet. Diesen Wert haben wir durch die jährliche private Zuzahlung geteilt, die für einen Platz im Pflegeheim (Pflegestufe I) zu leisten wäre. Dafür fassen wir zusammen, wie hoch die Zuzahlung der Pflegeheime innerhalb des PLZ-Gebietes sowie im Umkreis von 15 Kilometern ist, und verwenden den mittleren Wert (Median) daraus in der Berechnung des Quotienten.

Woher stammen die Daten?

Die regulären Verkaufspreise für Einfamilienhäuser erhebt das Institut Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt (F+B)  regelmäßig in seinem Vergleichspreismonitor. Daraus haben wir die mittleren Verkaufspreise von Bestandsimmobilien für das Jahr 2014 auf Ebene der Postleitzahlengebiete verwendet - allerdings nur in solchen Gebieten, in denen drei oder mehr Immobilien den Besitzer gewechselt haben. Vor einer Verzerrung durch einzelne Ausreißer ist das Ergebnis somit geschützt.

Die Pflegeheime verhandeln die Höhe der Zuzahlungen für die unterschiedlichen Pflegestufen mit den Krankenkassen. Diese Angaben haben wir dem AOK-Pflegenavigator  entnommen. Auf dem Portal werden die Angaben regelmäßig aktualisiert. Aktuell sind dort über 14.000 Heime verzeichnet.

Dargestellt haben wir unsere Ergebnisse auf einer Deutschlandkarte, welche in Postleitzahlengebiete unterteilt ist. Diese haben wir einem öffentlichen Verzeichnis  entnommen und händisch optimiert. Die darunterliegende Karte beruht auf Daten von OpenStreetMap . Unter diesem Link  können Sie die von uns bearbeiteten Gebietsgrenzen herunterladen und für eigene Projekte nutzen.

Zur regionalen Einordnung der Ergebnisse haben wir zudem kleinräumige Daten aus dem Zensus 2011  herangezogen. Die Leerstandsquoten sowie die Anteile der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung sollen helfen, die Situation vor Ort genauer zu beschreiben.

Was zeigt die interaktive Karte?

Die Deutschlandkarte stellt das beschriebene Verhältnis für alle PLZ-Gebiete dar. Eine Infobox über jedem Gebiet zeigt, ob die Verkaufpreise und Pflegekosten überdurchschnittlich hoch oder niedrig sind - und welcher Wert sich aus der Teilung beider Faktoren ergibt: Wie lange reicht allein der Verkauf eines typischen Eigenheims in dieser Region, um die Pflegekosten für eine Person zu tragen?

Die mittleren Kosten für einen Platz im Pflegeheim sind nur dort angegeben, wo es genügend Heime in der näheren Umgebung von 15 Kilometern rund um das Gebiet gibt. Waren es weniger als fünf, ist das PLZ-Gebiet in der Deutschlandkarte grau eingefärbt. Ausreißer können die Auswertung somit nicht so leicht verzerren.

Was bedeutet das Ergebnis im Rechner?

Während die Karte die typischen Ergebnisse für einzelne Regionen darstellt, geht der interaktive Rechner noch einen Schritt weiter. Hier können Sie die Berechnung auf Ihre Situation anpassen, mehrere Personen in unterschiedlichen Pflegestufen (1-3) einbeziehen und die Hausgröße verändern.

Vielleicht kennen Sie sogar den Verkaufswert Ihres Hauses oder die Zuzahlung für ein bestimmtes Pflegeheim? Dann können Sie diese Werte direkt in den Rechner eingeben und erhalten ein individuelles Ergebnis.

So haben wir gerechnet

Making-of-Video: Die Köpfe hinter dem Betongold-Projekt

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