Bezahlen ohne Bargeld Ist Apple Pay für mich sinnvoll?

Welche Zahlung hätten S' denn gern? So viele Möglichkeiten, eine Rechnung zu begleichen: Bargeld, Karten, eine Vielzahl von Apps. Für die Kunden eine komfortable Entwicklung.

Hinweisschilder auf die Kooperation von FC Bayern, Hypo-Vereinsbank und Apple Pay in der Allianz Arena
DPA

Hinweisschilder auf die Kooperation von FC Bayern, Hypo-Vereinsbank und Apple Pay in der Allianz Arena

Eine Kolumne von


Die Kassiererin im Aldi-Markt am Prager Platz hatte heute drei Kunden, die mit dem Smartphone bezahlten. "Deutlich mehr als früher", sagt sie. "Vor zwei Jahren habe ich den ersten Versuch beobachtet."

Apple Pay ist seit dieser Woche in Deutschland am Start. Und damit wohl der letzte der großen Anbieter mobiler Bezahlsysteme in der westlichen Welt. Schon vorher hatten Volksbanken und Sparkassen sowie natürlich Google ihre Versionen des mobilen Bezahlens an den Start gebracht. Google stellt das Android-Betriebssystem für 80 Prozent aller in Deutschland verkauften Smartphones bereit und hat damit natürlich einen Startvorteil. Aber Apples Kunden sind dafür bekannt, dass sie neue Technik schneller annehmen.

Sendepause bei Apple

Auf Android-Telefonen können Kunden seit dem Sommer auch die Apps der Volksbanken und Sparkassen herunterladen und den in praktisch allen neuen Telefonen verbauten NFC-Chip für das mobile Bezahlen nutzen. NFC ist die Abkürzung für Near Field Communication, zu deutsche "Nahfunk". Kunden müssen mit ihrem Smartphone oder auch mit entsprechend ausgerüsteten Giro- oder Kreditkarten nahe an das Kartenlesegerät an der Supermarktkasse heran, um dort ohne weitere Umstände bezahlen zu können. Bei Summen unter 25 Euro braucht es nicht einmal mehr eine Pin oder einen Fingerabdruck.

Während die Genossenschaftsbanker diese Woche auch mit konkreten Zahlen aufwarten konnten, war dazu bei Apple erstmal Sendepause. Auf Nachfrage schickte der Konzern einen Tweet eines Journalistenkollegen, der von einer dreistelligen Anzahl von Kartenanträgen für Apple Pay jede Minute allein bei der Deutschen Bank schrieb. Die Deutsche Bank gehört mit der HypoVereinsbank und der Smartphone-Bank N26 zu den prominenten Geldhäusern, die den iPhone-Besitzern unter ihren Kunden das mobile Bezahlen seit Dienstag anbieten.

Tatsächlich scheint bei der Anmeldung einiges los zu sein. Bei uns meldeten sich Deutsche-Bank-Kunden, die nicht zum Zuge kamen, entweder weil ihr iPhone zu alt war oder weil das System nur Mastercards als Kreditkarten akzeptierte. Bei der HypoVereinsbank hieß es Donnerstag, etwa die Hälfte ihrer Kunden, die mit dem Handy Bankgeschäfte machten, seien Apple-Kunden. Von daher erwarte man ein deutliches Ansteigen des mobilen Bezahlens.

Dreistes Ausnutzen der eigenen Marktmacht

Apple selbst wollte weder konkrete Zahlen zum Einsatz von Apple Pay in Deutschland noch zu den Erfahrungen in den 25 anderen Staaten liefern, in denen Apple schon am Start ist. Nur eine Zahl verschickte die Apple-Pressestelle: 5200 Banken weltweit würden inzwischen mit Apple Pay arbeiten.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Erwartungsgemäß gab es von Apple auch keine Information über laufende Streitigkeiten mit den Verbraucherschutzbehörden in Dänemark und Australien und über das Ringen mit dem britischen Innenministerium über die Nutzung des NFC-Chips in Apple-Geräten für britische Ausweise. Stattdessen aber Hinweise auf hohe Datenschutzstandards in den USA und ein Lob für Apple Pay durch die US-Verbraucherorganisation Consumer Reports. Technische Funktion und Datensicherheit gehe vor Kooperation.

Die Sparkassen nutzen diese Sturheit der Apfel-Firma für eine eigene Informationsoffensive. Tenor: Der Handel habe Lesegeräte für alle NFC-Techniken zur Verfügung gestellt, egal ob auf Karte oder im Smartphone - und egal welches Betriebssystem. Bis 2020 sollen sogar alle Supermarktkassen NFC lesen können. Die Sparkassen würden ihren Kunden gern auch das mobile Bezahlen auf allen Betriebssystemen anbieten - auch auf iPhones, aber die Amerikaner zierten sich. Apple gibt die NFC-Schnittstelle nicht für andere Zahlungsanbieter frei. Ein ziemlich dreistes Ausnutzen der eigenen Marktmacht.

Sprint um die beste Marktposition

Und bei den Volksbanken heißt es zum Thema: Wir bieten mobiles Zahlen in Deutschland flächendeckend über die Girocards unserer 915 Mitgliedsinstitute an - und natürlich auch für die dort ausgegebenen Visa- und Mastercard-Kreditkarten, mittels Android-Smartphone. Die Volksbanken sind die derzeit einzigen Banken, bei denen man alle klassisch genutzten Karten auch für das mobile Zahlen mit dem Handy nutzen kann. Die eigene App sei in den vergangenen Monaten weit über 50.000 Mal heruntergeladen worden, zu 80 Prozent, um sie mit der Girocard zu nutzen.

Welche Schlüsse zieht man also aus der Diskussion? Positiv an der Entwicklung:

  • Die Sicherheit der Kunden scheint heute beim Einsatz mobiler Bezahlsysteme nicht das Problem zu sein. Das Bezahlen ist im Prinzip sicher, weil es verschlüsselt wird.
  • Mobiles Bezahlen kostet den Kunden in den allermeisten Fällen nichts extra.
  • Das Bezahlen mit dem Handy wird bequem und ist an immer mehr Kassen möglich.
  • Man braucht nicht einmal Internet an der Kasse. Im Handy gespeicherte Verschlüsselungen reichen.

Bleiben zwei Probleme:

  • Erstens: Was passiert, wenn künftig das Handy statt des Portemonnaie geklaut wird? Antwort: Das ist ärgerlich, aber das Geld ist jedenfalls nicht notwendig weg. Sie sollten ihr Handy nämlich gegen fremden Zugriff mit einem Code gesichert haben. Auch können sehr viele Smartphones aus der Ferne gesperrt und unbrauchbar gemacht werden - anders als Bargeld. Und für die Verluste wegen Abhebungen unter 25 Euro haften in aller Regel die Anbieter.
  • Zweitens werden bei Google Pay Datenmengen über das Kaufverhalten zusammengetragen, die Google (der Konzern, der ohnehin schon das meiste über uns weiß) bislang nicht hatte. Insofern garantiert nur Bargeld wirklichen Datenschutz. Google antwortete übrigens bis Redaktionsschluss gar nicht auf meine Anfrage.

Die eigentliche Auseinandersetzung tobt derzeit beim Sprint um die beste Marktposition und um künftige Monopolstellungen am Markt. Aktuell kann von Monopolstellungen allerdings nicht die Rede sein: EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, die für ihre Kämpfe mit den US-Tech-Giganten bekannt ist, hatte vor einiger Zeit ermittelt, dass Apple in diesem Bereich keine marktbeherrschende Stellung innehabe. Sie sehe dort nicht "die nötigen Beweise, um eine Untersuchung einzuleiten".

Mehr als die Hälfte aller Kunden in Deutschland würden zwar nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage von Visa ihr Smartphone auch zum Bezahlen an der Tankstelle oder am Fahrkartenautomaten nutzen. Aber so weit sind wir noch nicht. Marktbeherrschung ist schwer, solange nur drei Kunden an einem Vormittag bei Aldi mobil bezahlen.



insgesamt 68 Beiträge
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quaki 15.12.2018
1. vorgestern Apple Pay eingerichtet und gestern zweimal ausprobiert
Die Einrichtung im iPhone ist in ein paar Minuten erledigt - easy... Dann die ersten Konsumstellen auf das Funksignal und die Kartenbezahlmöglichkeit hin vor dem Betreten geprüft. Am Eingang wird immer deklariert, welche Karten angenommen werden und ob die Funkbezahlung angeboten wird. Die Bezahlung ist erschreckend einfach und schnell, man muss eigentlich nur an dem Lesegerät darauf achten, wo der Funkempfänger sitzt. Entweder an der Seite, da ist dann meist ein Symbol oder oben am Display. Ergonomisch ist die Sache intuitiv: Handy zücken und irgendwo dranhalten geht locker von der Hand. Eine Bezahlungsart, die ich jetzt definitiv zum Standard machen werde, und die ich mir dreißig Jahre vorher schon gewünscht hätte.... Daumen hoch! Nein, Handy dran...
Aurora vor dem Schilf 15.12.2018
2.
Marktbeherrschung ist auch deshalb schwer, da Deutschland ein Land notorischer Barzahler ist. Will man mit Karte zahlen hört man zu häufig:ham-wa-nich. Dass Apple die geringen Nutzungszahlen nicht herausgibt ist verständlich.
Suppenelse 15.12.2018
3. Deutsche Banken haben gepennt
Naja, Herr Tenhagen, bei ALDI zeigt sich vermutlich ein typisches Henne-Ei-Problem. Ich selbst würde liebend gern Apple Pay nutzen und halte die deutsche Fortschrittsresistenz im Bereich Zahlungssysteme für lächerlich, aber leider bin ich Kunde der ING [DiBa], die den Schuss nicht gehört hat und Apple Pay nicht unterstützt. Diverse andere Banken haben dasselbe Problem. Die Banken hatten jahrelang Zeit, etwas eigenes zu entwickeln - in Schweden haben sich die Banken zu "Swish" zusammengeschlossen, ganz ohne amerikanische Konzerne, und es ist quasi Standard. In Deutschland haben einzelne Akteure versucht, ihr jeweils eigenes Süppchen zu kochen, was natürlich nicht funktionieren kann. Insgesamt haben die meisten Banken gepennt und sich damit beruhigt, dass die Deutschen ja so gern mit Bargeld zahlen. Jetzt kriegt man kalte Füße, wo Google und Apple um die Ecke schauen - und natürlich ihren Anteil haben wollen, Apple in finanzieller Form und Google in Form von Daten. denn dieser ganze deutsche Kleingeld-Fummel ist eine Katastrophe. typischer "Wir sind unschuldig"-Reflex, sich jetzt über vermeintliche Marktmacht aufzuregen. In Deutschland ist mobiles Bezahlen im Gegensatz zu diversen anderen Ländern (man schaue mal
J. Meyer 15.12.2018
4. Girocard kann das schon längst
Ich verstehe den Hype nicht. Ich zahle schon länger mit meiner Girocard schnell und kontaktlos ohne Authentifizierung bis 25 Euro. Schneller geht es auch mit dem Handy nicht. Ich sehe den Mehrwert nicht...
mhuz 15.12.2018
5.
Was mache ich aber, wenn mein Bezahl System gerade bei dem Laden nicht funktioniert, bei dem ich einkaufen möchte ? Es gibt bald so viele Systeme, dass ich eine extra Tasche brauche, um alle mögliche Systeme mitnehmen kann und muß dann doch Bar bezahlen.Was ich in meinem Leben gelernt habe "die Worte sind schön aber der nutzen oft nicht ".
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