Vorzeitiger Abbruch BGH verurteilt Rewe wegen Treuepunkte-Aktion

Ein Supermarkt darf eine Rabattaktion nicht wegen zu großen Erfolgs vorzeitig beenden. Der Bundesgerichtshof wertete das in einem Fall bei der Supermarktkette Rewe als Verbrauchertäuschung. Rabattmarken seine "eine Art Währung", die nicht verfallen dürfe.

Kühlregal bei Rewe: Rabattmarken dürfen nicht verfallen
DPA

Kühlregal bei Rewe: Rabattmarken dürfen nicht verfallen


Karlsruhe - So einfach darf es sich ein Supermarkt nicht machen: Als Rewe im Frühjahr 2011 in einer Rabattaktion hochwertige Messer für gesammelte Treuepunkte versprach, war der Zuspruch so groß, dass die Supermarktkette die Aktion vorzeitig abbrach.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg klagte dagegen und bekam jetzt vor dem Bundesgerichtshof (BGH) Recht. In einem am Freitag veröffentlichten Urteil wertete der BGH das Vorgehen als "Irreführung der Verbraucher". Rabattmarken seien zudem "eine Art Währung", die nicht einfach verfallen dürften (Az. I ZR 175/12).

Rewe hatte im Frühjahr 2011 in einer Rabattaktion dafür geworben, dass Kunden bis Juli des Jahres Messer des Markenherstellers Zwilling für ein Heft voller Treuepunkte und einen geringen Aufpreis erwerben könnten. Rewe setzte den Vorrat von 3,2 Millionen Messern aber so schnell ab, dass die Aktion zwei Monate vor dem geplanten Ende abgebrochen werden musste.

Laut Urteil hätte Rewe die große Nachfrage vorhersehen müssen. Schließlich habe die Supermarktkette bei früheren Aktionen drei Millionen Handtücher oder 4,2 Millionen Kochtöpfe abgesetzt.

Der BGH kritisierte zudem den völligen Abbruch der Aktion als Verbrauchertäuschung. Rewe hätte "den enttäuschten Kunden eine Alternative anbieten müssen", etwa andere Ware oder einen Einkaufsgutschein. Die Verbraucher rechneten jedenfalls nicht damit, dass angesparte Rabattmarken einfach verfallen und keinerlei Wert mehr haben sollen, heißt es im Urteil aufgrund einer Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Damit muss Rewe in Zukunft eine große Nachfrage bei Rabattaktionen berücksichtigen.

nck/AFP

insgesamt 6 Beiträge
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singlesylvia 15.11.2013
1. Die Irreführung findet ganz woanders statt
Erst mal: Aus dem Artikel, 1. Absatz: "Als Rewe im Frühjahr 2011 in einer Rabattauktion hochwertige Messer für gesammelte Treuepunkte versprach" Es war keine Rabattauktion (also so was mit Versteigerung), sondern eine -aktion (also ohne u hinterm a). Zweitens, wenn ich mir das mal so überlege: Man kauft bei REWE ein, erhält Rabattpunkte, und die kann man bei Zwilling zum Kauf von Zwilling-Produkten (sind ja nicht nur Messer) zu verbilligten Preisen benutzen. Wenn man realistischerweise davon ausgeht, dass weder REWE noch Zwilling ihre Produkte verschenken, sondern Profit machen wollen/müssen, gibt es jetzt zwei Möglichkeiten (bleiben wir bei den Messern; berücksichtigen wir auch, dass die Zwilling-Produkte in den REWE-Verkaufsräumen angeboten werden und auch dort erworben werden können; berücksichtigen wir ferner, dass Zwilling-Produkte von ihrer Art her auf lange Lebensdauer und wenige Beschaffungszyklen pro Person angelegt sind und daher wenig bis gar keinen Spielraum zum Verschenken bieten, ohne am Qualitäts- oder Namensimage zu kratzen oder den Verkauf durch zu hohe Preise zu gefährden): 1) Zwilling bietet die Messer zum regulären Preis an, dann wird der Nachlass entsprechend der Rabattpunkte von REWE ausgeglichen. Wenn man realistischerweise davon ausgeht, dass REWE den Ausgleich an Zwilling in die REWE-Produkte mit eingepreist hat, heißt das, dass ich REWE-Produkte zu unnötig hohen Preisen kaufe und somit die Messer anteilig mit bezahle, auch dann, wenn ich gar keine Messer haben will. Wenn ich dann tatsächlich ein Messer kaufe, habe ich es beim Gang zur Kasse bereits angezahlt. 2) Zwilling bietet Messer zu Preisen an, die vorher künstlich hochgesetzt wurden, um dann in der Rabattaktion effektvoll herabgesetzt zu werden, ohne dass REWE den Rabattnachlass ausgleichen muss. In beiden Fällen findet eine Täuschung des Verbrauchers statt.
Eva K. 15.11.2013
2. Nerviger Mumpitz
Da sammelt die Kundschaft brav Punkte, um Treue zu Rewe zu zeigen, nur Rewe selbst ist untreu und läßt die Kundschaft stehen. Das zeigt deutlich, was für ein Mumpitz diese ganzen "Rabattaktionen" sind, mit denen der Handel schlicht Bauernfängerei betreibt. Punkte, Herzchen, Sternchen, Payback und all der Unsinn, für den die Kundschaft ihre wertvollen Daten rausrückt und im Gegenzug irgend einen Ramsch bekommt, der auch noch Geld kostet. Dazu jedesmal überflüssige Kommunikation an der Kasse, die unnötig Zeit kostet und mich nervt. Na ja, die Leute da können nix dafür, die müssen fragen, also antworte ich meist mit einem Scherz. Aber irgendwann ist das auch mal aufgebraucht, und dann sage ich schon Nein, bevor das Kassenpersonal auch nur fragen kann. Es würde mir reichen, freundlich Guten Tag zu sagen und einen hoffentlich baldigen Feierabend zu wünschen, statt dessen muß ich mich gegen den Mumpitz wehren. Lieber Handel, führt halt die guten alten Rabattmarken wieder ein, die ins Heftchen geklebt werden. Irgendwann ist das Heft voll und der Wert wird mit dem Einkauf verrechnet. Das ging doch in den 1960ern, und im Hofladen oder auf dem Markt geht das auch noch. Pro Einkauf ein Stempel, und dann gibt es einen Artikel für lau oder ein Pfund Spargel gratis oder fünf Euronen weniger auf dem Kassenbon, was auch immer.
Georg_Alexander 15.11.2013
3. Da sagen Sie was
Zitat von Eva K.Da sammelt die Kundschaft brav Punkte, um Treue zu Rewe zu zeigen, nur Rewe selbst ist untreu und läßt die Kundschaft stehen. Das zeigt deutlich, was für ein Mumpitz diese ganzen "Rabattaktionen" sind, mit denen der Handel schlicht Bauernfängerei betreibt. Punkte, Herzchen, Sternchen, Payback und all der Unsinn, für den die Kundschaft ihre wertvollen Daten rausrückt und im Gegenzug irgend einen Ramsch bekommt, der auch noch Geld kostet. Dazu jedesmal überflüssige Kommunikation an der Kasse, die unnötig Zeit kostet und mich nervt. Na ja, die Leute da können nix dafür, die müssen fragen, also antworte ich meist mit einem Scherz. Aber irgendwann ist das auch mal aufgebraucht, und dann sage ich schon Nein, bevor das Kassenpersonal auch nur fragen kann. Es würde mir reichen, freundlich Guten Tag zu sagen und einen hoffentlich baldigen Feierabend zu wünschen, statt dessen muß ich mich gegen den Mumpitz wehren. Lieber Handel, führt halt die guten alten Rabattmarken wieder ein, die ins Heftchen geklebt werden. Irgendwann ist das Heft voll und der Wert wird mit dem Einkauf verrechnet. Das ging doch in den 1960ern, und im Hofladen oder auf dem Markt geht das auch noch. Pro Einkauf ein Stempel, und dann gibt es einen Artikel für lau oder ein Pfund Spargel gratis oder fünf Euronen weniger auf dem Kassenbon, was auch immer.
Vor allem jetzt vor Weihnachten! Egal wie lang die Schlange ist. Da könnte ich manchmal aus der Haut fahren und bin dann auch entsprechend genervt an der Kasse. Gut, was kann die Kassiererin für den Mist, so reiße ich mich noch am Riemen... Bei Aldi und Co. gibt's den Mist nicht - ein echter Pluspunkt für die Discounter. Dafür komme ich bei denen regelmäßig ins Schwitzen an der Kasse :-|
Werner655 15.11.2013
4.
Zitat von Georg_AlexanderVor allem jetzt vor Weihnachten! Egal wie lang die Schlange ist. Da könnte ich manchmal aus der Haut fahren und bin dann auch entsprechend genervt an der Kasse. Gut, was kann die Kassiererin für den Mist, so reiße ich mich noch am Riemen... Bei Aldi und Co. gibt's den Mist nicht - ein echter Pluspunkt für die Discounter. Dafür komme ich bei denen regelmäßig ins Schwitzen an der Kasse :-|
Bei Kaufland gibt`s jetzt Marken, mit denen man Tefal-Pfannen zu einem Spottpreis erwerben kann. Warum eigentlich nicht?
südtirol11 16.11.2013
5.
Welche Konsequenzen müssen die REWES denn daraus ziehen. Ist das Urteil nur eine Ermahnung mit erhobenem Finger? Gibt es eine Strafe ? (Sollte ich meinen NAchbarn betrügen und er zeigt mich an, so werde ich bestraft - wahrscheinlich mit einer Geldstrafe.
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