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10. Dezember 2015, 18:58 Uhr

Streit um "Färbemittel"

Rote-Bete-Saft darf nicht in die Biowurst

Was darf in die Biowurst? Als Ersatz für womöglich krebserregendes Nitritpökelsalz verarbeitete ein Bioland-Metzger unter anderem Rote-Bete-Dicksaft. Das ist unzulässig, urteilte nun das Bundesverwaltungsgericht.

Bei der Herstellung von Biowurst müssen Bioland-Metzger einige Vorgaben beachten. Der Ökoverband verbietet zum Beispiel den Einsatz von Nitritpökelsalz, die darin enthaltenen Nitrosaminen gelten als krebserregend. Das Problem: Erst das Pökelaroma macht die Wurst rosarot, ohne wäre sie unansehnlich grau. Ein Fleischer aus Niedersachsen setzte bei der Herstellung von Fleischwurst und Kochschinken deshalb Rote-Bete-Dicksaft und Bakterien ein - mit dem gleichen Effekt.

Doch damit ist nun Schluss. In letzter Instanz hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass nitrathaltige Gemüseextrakte, wie sie der Metzger verwendete, unzulässig seien. Es handele sich um Lebensmittelzusatzstoffe, die nach europäischem Recht zulassungspflichtig sind.

Damit geht ein langer Rechtsstreit zu Ende. Der Landkreis Hildesheim und das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz (LAVES) hatten das Bioverfahren des Metzgers beanstandet. Der Rote-Bete-Dicksaft und ein ebenso verwendetes Zucchini-Pulver seien nicht zugelassene Lebensmittelzusatzstoffe, argumentierten sie. Die Biomethode sei auch keine wirkliche Alternative zum Nitritpökelsalz.

Dem Argument des Bioland-Fleischers, seine Gemüsezutaten seien ganz normale, nicht genehmigungspflichtige Lebensmittel, folgten die Bundesrichter nicht. Schon das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte in der Vorinstanz festgestellt, dass die Stoffe nicht "üblicherweise" als Lebensmittel verzehrt werden. Dagegen spreche schon der hohe Nitratgehalt der Stoffe. Dass man die Konzentrate rückverdünnen und sie dann als Gemüsesaft trinken könne, mache sie auch nicht zu einem Lebensmittel.

Bioland schreibt seinen rund 120 zertifizierten Fleischern den Verzicht von Nitritpökelsalz bei der Fleischverarbeitung vor. Nach Angaben von Bioland-Sprecher Gerald Wehde ist der Verband inzwischen weiter als der seit Jahren schwelende Rechtsstreit. Die Gemüsezusätze seien weiterentwickelt worden - und jetzt eindeutig als Lebensmittel einzustufen.

Im Oktober hatte die Weltgesundheitsorganisation vor dem regelmäßigen Verzehr von Wurst und Schinken gewarnt, da dies das Risiko für Darmkrebs erhöhe. Zudem stuften die Experten rotes Fleisch generell als wahrscheinlich krebserregend ein. Darunter wird das Muskelfleisch aller Säugetiere verstanden, also auch von Rind, Schwein, Lamm, Kalb, Schaf, Pferd und Ziege.

brk/dpa

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