Streit um "Färbemittel" Rote-Bete-Saft darf nicht in die Biowurst

Was darf in die Biowurst? Als Ersatz für womöglich krebserregendes Nitritpökelsalz verarbeitete ein Bioland-Metzger unter anderem Rote-Bete-Dicksaft. Das ist unzulässig, urteilte nun das Bundesverwaltungsgericht.

Biokochschinken: Rosarot oder unansehnlich grau
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Biokochschinken: Rosarot oder unansehnlich grau


Bei der Herstellung von Biowurst müssen Bioland-Metzger einige Vorgaben beachten. Der Ökoverband verbietet zum Beispiel den Einsatz von Nitritpökelsalz, die darin enthaltenen Nitrosaminen gelten als krebserregend. Das Problem: Erst das Pökelaroma macht die Wurst rosarot, ohne wäre sie unansehnlich grau. Ein Fleischer aus Niedersachsen setzte bei der Herstellung von Fleischwurst und Kochschinken deshalb Rote-Bete-Dicksaft und Bakterien ein - mit dem gleichen Effekt.

Doch damit ist nun Schluss. In letzter Instanz hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass nitrathaltige Gemüseextrakte, wie sie der Metzger verwendete, unzulässig seien. Es handele sich um Lebensmittelzusatzstoffe, die nach europäischem Recht zulassungspflichtig sind.

Damit geht ein langer Rechtsstreit zu Ende. Der Landkreis Hildesheim und das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz (LAVES) hatten das Bioverfahren des Metzgers beanstandet. Der Rote-Bete-Dicksaft und ein ebenso verwendetes Zucchini-Pulver seien nicht zugelassene Lebensmittelzusatzstoffe, argumentierten sie. Die Biomethode sei auch keine wirkliche Alternative zum Nitritpökelsalz.

Dem Argument des Bioland-Fleischers, seine Gemüsezutaten seien ganz normale, nicht genehmigungspflichtige Lebensmittel, folgten die Bundesrichter nicht. Schon das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte in der Vorinstanz festgestellt, dass die Stoffe nicht "üblicherweise" als Lebensmittel verzehrt werden. Dagegen spreche schon der hohe Nitratgehalt der Stoffe. Dass man die Konzentrate rückverdünnen und sie dann als Gemüsesaft trinken könne, mache sie auch nicht zu einem Lebensmittel.

Bioland schreibt seinen rund 120 zertifizierten Fleischern den Verzicht von Nitritpökelsalz bei der Fleischverarbeitung vor. Nach Angaben von Bioland-Sprecher Gerald Wehde ist der Verband inzwischen weiter als der seit Jahren schwelende Rechtsstreit. Die Gemüsezusätze seien weiterentwickelt worden - und jetzt eindeutig als Lebensmittel einzustufen.

Im Oktober hatte die Weltgesundheitsorganisation vor dem regelmäßigen Verzehr von Wurst und Schinken gewarnt, da dies das Risiko für Darmkrebs erhöhe. Zudem stuften die Experten rotes Fleisch generell als wahrscheinlich krebserregend ein. Darunter wird das Muskelfleisch aller Säugetiere verstanden, also auch von Rind, Schwein, Lamm, Kalb, Schaf, Pferd und Ziege.

brk/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
karl15 10.12.2015
1. Zulassungspflichtig
Und wie aufwendig ist so eine Zulassung?
chromakey 10.12.2015
2. Bundesverwaltungsgericht?
Wie kommt denn diese Instanz dazu über Lebensmittel zu richten? Sollten da nicht eher Lebensmittelchemiker, Biologen und Ärzte ein Urteil fällen können. Tur mir leid als nur Hobbykoch verstehe ich nicht wo ein Rote Beete Saft so ein Makel haben könnte. Bitte um Aufklärung.
leo19 10.12.2015
3. Das würde ja die Wurstfabriken schädigen!
Klar ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig, wenn jemand die Vorschriften umgehen will! Gesunde Wurst? Das ist frevelhaft und muss verhindert werden. Nur Gifte sind gesetzlich zugelassen und entsprechen den Vorschriften. Was sört da ein wenig krebserregend. Da könnte ja jeder kommen! Und die Juristen sind ja sowas von sachverständig. Wenn es um die Wurst geht: Keine Experimente!
deegeecee 10.12.2015
4.
Zitat von chromakeyWie kommt denn diese Instanz dazu über Lebensmittel zu richten? Sollten da nicht eher Lebensmittelchemiker, Biologen und Ärzte ein Urteil fällen können. Tur mir leid als nur Hobbykoch verstehe ich nicht wo ein Rote Beete Saft so ein Makel haben könnte. Bitte um Aufklärung.
Steht groß und breit im Artikel: hoher Nitratgehalt. Hier kommt Dicksaft zum Einsatz.
m.m.s. 10.12.2015
5. Der deutsche Behördenschimmel wiehert
Mehr Kommentar als der Bericht (zehnjähriger! Rechtsstreit) braucht es gar nicht. Eine ganze Abteilung des Lebensmittelamtes für ein Jahrzehnt in Lohn und Brot und Rentenpunkte, gegen einen einzelnen Metzger. Halleluja! Aber Glyphosat ist ungiftig!!! Was für ein ernsthafter Witz.
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