Stefan Kaiser

Hype um Cybergeld Warum Bitcoins eher Glücksspiel sind als Geldanlage

Sie wollen Bitcoins kaufen? Nur zu, Glücksspiel kann ja auch Spaß machen. Nur als Geldanlage sollten Sie die Kryptowährung lieber nicht betrachten. Dafür ist die Sache viel zu riskant.
Foto: JUSTIN TALLIS/ AFP

Schauen Sie auch so neidisch auf den Kollegen, der mit Bitcoins reich geworden ist? Wer vor fünf Jahren 100 Dollar in das Cybergeld steckte, konnte sie am Mittwoch für rund 100.000 Dollar wieder verkaufen. Ein Gewinn von 99.900 Prozent. Wer möchte da nicht mit dabei sein? Deshalb wird der Bitcoin mittlerweile zum Flurgespräch im Büro und zum Thema am Abendbrottisch. Wollen wir nicht auch mal was kaufen?

Natürlich ist es jedem Erwachsenen freigestellt, wie er sein Geld aufs Spiel setzt. Der eine kauft jeden Mittwoch für 15 Euro einen Lottoschein, der andere sitzt am Samstagabend im Casino am Roulettetisch. So gesehen können Sie natürlich auch Bitcoins kaufen. Die Chance, dass der Kurs weiter steigt, scheint momentan ja zumindest deutlich größer als die Wahrscheinlichkeit eines Lotto-Sechsers.

Was Sie allerdings besser nicht tun sollten: Bitcoin als Geldanlage oder gar Altersvorsorge betrachten. Denn damit hat die sogenannte Kryptowährung ziemlich wenig zu tun.

Wer eine Aktie kauft, erwirbt damit einen Teil des dahinterstehenden Unternehmens. Wer auf Anleihen setzt, leiht einem Staat oder Unternehmen Geld und bekommt dafür normalerweise nicht nur regelmäßig Zinsen, sondern am Ende der Laufzeit auch den eingesetzten Betrag zurück - solange der Staat oder die Firma nicht pleitegeht.

Wenn Sie einen Bitcoin kaufen, erwerben Sie damit nicht mehr als einen Eintrag in einer Datenbank. Das war's. Wie viel dieser Eintrag wert ist, bestimmt vor allem die Nachfrage anderer Bitcoin-Investoren. Wenn viele Leute das Cybergeld kaufen wollen, steigt der Kurs; wenn es mehr Leute wieder loswerden wollen, fällt er. So einfach, so riskant. Denn hinter dem Bitcoin steht nichts von eigenem Wert. Keine Fabrik, keine Garantie eines Staats. Er lebt einzig und allein davon, dass ihn mittlerweile so viele Menschen haben wollen. Genauso gut könnten Sie auch Klopapierrollen zur neuen Währung erklären. Wenn genug Leute mitmachen, kosten die dann auch bald 10.000 Euro pro Rolle.

Etwas Ähnliches gab es schon mal: In den Dreißigerjahren des 17. Jahrhunderts grassierte in Holland das Tulpenfieber: Die Zwiebeln der damals in Europa noch recht neuen Blume waren zeitweise so viel wert wie ein Amsterdamer Grachtenhaus. Weil alle sie haben wollten und daran glaubten, dass sie so wertvoll wäre. Am Ende platzte die Spekulationsblase.

Versuchen Sie mal, mit Bitcoins Ihre Steuern zu zahlen

Aber halt, sagen jetzt einige Experten, unser reguläres Geldsystem mit Euro oder Dollar funktioniert doch genauso: Das sind doch auch bloß Münzen und bedruckte Papierscheine, die nur dadurch ihren Wert erhalten, dass alle daran glauben.

Das stimmt. Doch im Vergleich zu Bitcoin haben Euro oder Dollar einige große Vorteile. Sie werden vom Staat akzeptiert und von Zentralbanken reguliert. Diese steuern die Geldmenge und achten auf Preisstabilität.

Vor allem aber sind Euro oder Dollar überall in ihrem jeweiligen Währungsgebiet als Zahlungsmittel akzeptiert. Haben Sie mal versucht, mit Ihren Bitcoins bei Aldi einzukaufen? Oder noch besser: damit Ihre Steuern zu zahlen? Solange das nicht möglich ist, bleibt Bitcoin einfach nur ein Zockerobjekt.

Nun können Sie einwenden, dass das Bezahlen mit Gold zum Beispiel ja auch schwierig ist. Und trotzdem ist das Edelmetall schon lange eine begehrte Geldanlage. Richtig. Allerdings hat Gold schon durch seine Eigenschaft als Rohstoff und Schmuck einen Wert. Weil das physische Vorkommen zugleich begrenzt ist, wird es wohl immer eine Nachfrage geben.

Zudem ist Gold seit Jahrhunderten als Notzahlungsmittel in Krisen weithin akzeptiert. Viele Anleger sehen es deshalb eher als Versicherung für den Ernstfall denn als Geldanlage. Wenn alles zusammenbricht können sie Gold wahrscheinlich noch gegen Brot und Butter tauschen, mit Bitcoin dürfte das schwieriger werden.

Ob das allen Bitcoin-Bewunderern bewusst ist?

Die Comicfigur Dagobert Duck wird demnächst 70, und weil es dazu ein bisschen Werbung braucht, verkündete der Chefredakteur des herausgebenden Verlags gerade, dass der alte Entenmilliardär seinen riesigen Geldspeicher heute wahrscheinlich mit Bitcoins füllen würde.

Das sollte lustig und modern klingen, zeigt aber, wie irre der Bitcoin-Hype mittlerweile ist. Wenn jemand in Entenhausen mit Bitcoin reich geworden sein sollte, dann wohl nur der ewige Glückspilz Gustav Gans, der schon früh ein paar Cybermünzen für wenig Geld im Internet fand. Sein Rivale Donald Duck dagegen, der tollpatschige Normalo, würde Gustav nun um dessen Erfolg beneiden - und seine mühsam ersparten Taler jetzt auch in Bitcoins umtauschen. Zum Höchstkurs.

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