Virusangst und Ölpreis US-Börsenhandel vorübergehend ausgesetzt

Erst Europa, jetzt die USA: Die Woche beginnt an den Börsen mit Kursstürzen. Der Dow Jones erlitt den schwersten Eröffnungsverlust seit zehn Jahren, der Handel wurde kurzzeitig unterbrochen.
Grund zur Sorge: Börsenhändler in New York (Archivbild)

Grund zur Sorge: Börsenhändler in New York (Archivbild)

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Der Handel an den amerikanischen Börsen ist nach schweren Kursverlusten kurzzeitig ausgesetzt worden. Zum Auftakt des Handelstages waren die Leitindizes Dow Jones und S&P 500 jeweils um gut sieben Prozent abgestürzt. Die 15-minütige Unterbrechung setzte automatisch ein, sie war infolge der letzten Finanzkrise eingeführt worden.

Ein Kollaps der Ölpreise schürt die Furcht vor einer Pleitewelle in der US-Ölindustrie. Zusammen mit der Verunsicherung über die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie brockte dies dem Dow Jones den größte Kursrutsch seit zehn Jahren ein. Auch der Technologie-Index Nasdaq büßte gut sieben Prozent ein.

"Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat"

Zuvor hatten auch europäische Börsen schwere Verluste erlitten, womit sich der schon vor einigen Tagen begonnene Ausverkauf am Aktienmarkt beschleunigte. Der Deutsche Aktienindex (Dax) sackte zum Handelsstart deutlich unter die Marke von 11.000 Punkten. Am frühen Nachmittag lag der deutsche Leitindex 7,5 Prozent im Minus. Die gesamten Gewinne aus dem vergangenen Jahr sind damit weg. "Der heutige Handelstag dürfte in die Geschichtsbücher eingehen", sagte ein Marktbeobachter.

Der Euro Stoxx 50, der Leitindex der Eurozone, sackte um 8,3 Prozent ab. Zuvor waren die Börsen in Asien eingebrochen. An der Leitbörse in Tokio fiel der Nikkei um mehr als 1000 Punkte unter die Marke von 20.000 Punkten auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten. Zum Handelsende notierte das Börsenbarometer ein Minus von fünf Prozent.

Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners sprach von einem "regelrechten Blutbad. Zum Kampf gegen Corona kommt jetzt noch der Ölkrieg dazu", sagte er. "Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat." Die Kurse von Bundesanleihen stiegen dagegen deutlich. Auch der Euro legte zu, denn auch er gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten.

Nach der Abriegelung Norditaliens wegen der Coronavirus-Krise sackte der Auswahlindex in Mailand um bis zu 11,2 Prozent auf ein 14-Monats-Tief von 18.469 Punkten ab. Italiens Börsenregulierungsbehörde Consob sah trotzdem keine Notwendigkeit, den Aktienhandel auszusetzen. Es gebe keine Anzeichen für spekulative Angriffe, teilen die Börsenaufseher mit. Laut den Vorschriften können die Behörden Leerverkäufe auf eine Aktie untersagen, wenn der Kurs an einem Tag um mehr als zehn Prozent fällt.

Ölpreise fallen um mehr als 30 Prozent

Nach den geplatzten Opec-Verhandlungen mit Russland über eine Verschärfung der Förderbremse will Saudi-Arabien den Ölhahn aufdrehen. Dies brockte der US-Ölsorte WTI einen Preissturz von bis zu 33,8 Prozent ein. Das ist das größte Minus ihrer fast 40-jährigen Geschichte.

Vor diesem Hintergrund brachen die Aktien des US-Ölkonzerns Chevron um gut 15 Prozent ein. Noch härter traf es Schieferöl-Produzenten wie Marathon oder Devon, deren Papiere um bis zu 38 Prozent abstürzten. Diese Unternehmen seien meist hoch verschuldet und hätten wegen des aufwendigen Fracking-Verfahrens recht hohe Förderkosten, sagte Neil Wilson, Chefanalyst des Onlinebrokers Markets.com.

Unter Verkaufsdruck gerieten zudem die Finanzwerte, weil Investoren für kommende Woche fest mit einer weiteren US-Zinssenkung um einen vollen Prozentpunkt rechnen. Dabei hatte die Notenbank Fed den Schlüsselsatz erst vergangene Woche überraschend und außer der turnusmäßigen Sitzungsreihe um einen halben Prozentpunkt herabgesetzt. Dadurch würden die Gewinnmargen im klassischen Kreditgeschäft unter zusätzlichen Druck geraten. Die Aktien von Citigroup, JPMorgan und Co. fielen zur Eröffnung um jeweils mehr als zehn Prozent.

dab/Reuters/dpa/AFP