Dammbruch mit 270 Toten Brasilianische Staatsanwaltschaft klagt TÜV Süd an

Vor knapp einem Jahr starben 270 Menschen, als in Brasilien ein Staudamm brach. Nun hat die brasilianische Staatsanwaltschaft gegen die Betreiberfirma Vale und die deutsche Prüfgesellschaft TÜV Süd Klage eingereicht.
Unglücksstelle in Córrego do Feijão, Brasilien: Unter anderem der TÜV Süd muss sich für die Folgen des Dammbruchs verantworten

Unglücksstelle in Córrego do Feijão, Brasilien: Unter anderem der TÜV Süd muss sich für die Folgen des Dammbruchs verantworten

Foto: DOUGLAS MAGNO/ AFP

Nach dem Dammbruch in Brasilien im Januar 2019, bei dem 270 Menschen ums Leben kamen, hat die brasilianische Staatsanwaltschaft den Bergbaukonzern Vale und den TÜV Süd angeklagt. Die Staatsanwaltschaft begründete die Klage gegen die Unternehmen am Dienstag mit den verheerenden Auswirkungen des Unglücks auf die Umwelt. Gegen 16 Einzelpersonen sei zudem Mordanklage erhoben worden, darunter soll Medienberichten zufolge auch der ehemalige Vale-Chef Fabio Schvartsman.

Die deutsche Prüfgesellschaft hatte dem Staudamm des Betreibers Vale an einem Rückhaltebecken für Minenabraum im Herbst 2018 ausreichende Stabilität attestiert. Ende Januar brach der Damm, eine Schlammlawine begrub mindestens 240 Menschen unter sich. Der TÜV Süd hatte damals eine Mitschuld seiner Prüfingenieure zurückgewiesen.

Der Dammbruch am 25. Januar des vergangenen Jahres in der Stadt Brumadinho im Südosten Brasiliens war eines der tödlichsten Minenunglücke der Geschichte. Eine Schlammlawine rollte über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen hinweg und begrub Menschen, Häuser und Tiere unter sich.

TÜV Süd soll sich des Risikos bewusst gewesen sein

Die Staatsanwaltschaft wirft dem TÜV Süd vor, dass der schlechte Zustand der Anlage und das Risiko dem Unternehmen bewusst gewesen sei und das Zertifikat dennoch ausgestellt wurde. Ein verantwortlicher Prüfer hatte in Vernehmungen erklärt, sich von Vertretern von Vale unter Druck gesetzt gefühlt zu haben. Im Laufe der Ermittlungen waren 13 Mitarbeiter von Vale und TÜV Süd festgenommen worden. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt. Anklage wurde bislang nicht erhoben.

TÜV Süd erklärte sich bei der Aufarbeitung des Unglücks zur Zusammenarbeit mit den Behörden bereit, wollte sich aber im Detail nicht zum laufenden Verfahren äußern. "Unser großes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien. Auch ein Jahr nach dem Unglück sind die Ursachen des Dammbruchs noch nicht abschließend geklärt", erklärte das Unternehmen. "TÜV Süd hat unverändert großes Interesse an der Aufklärung der Unglücksursache und bietet im Rahmen der laufenden Ermittlungen den Behörden und Institutionen in Brasilien und Deutschland weiterhin seine Kooperation an."

hba/AFP/Reuters/dpa