Studie über Agrarexporte aus Brasilien EU importiert zwei Millionen Tonnen Soja von illegal gerodeten Flächen

Etwa ein Fünftel der jährlichen Exporte von Soja und Rindfleisch aus Brasilien in die Europäische Union stehen in Zusammenhang mit illegaler Abholzung im Amazonasgebiet. Wissenschaftler machen Brasiliens Präsidenten Bolsonaro dafür mitverantwortlich.
Eine illegale Rodung im Amazonasregenwald im Jahr 2009

Eine illegale Rodung im Amazonasregenwald im Jahr 2009

Foto: Andre Penner/ AP

Von zuvor illegal gerodeten Waldflächen stammt rund ein Fünftel (18 bis 22 Prozent) der brasilianischen Soja- und Rindfleischexporte in die Europäische Union. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von zwölf Forschern aus Deutschland, Brasilien und den USA, die US-Wissenschaftszeitschrift "Science" veröffentlicht hat. Die Studie trägt den Titel "Die faulen Äpfel der brasilianischen Landwirtschaft".

Rund 13,6 Millionen Tonnen des importierten Sojas, das oft als Schweinefutter verwendet wird, kommen demnach jährlich aus Brasilien in die EU-Märkte. Während des Untersuchungszeitraums zwischen 2009 und 2017 könnten circa zwei Millionen Tonnen Soja pro Jahr, die auf illegal gerodeten Flächen angebaut wurden, die EU erreicht haben. Außerdem haben laut der Studie rund 500.000 Rinder auf illegalen Rodungen geweidet.

Für die Studie verwendete das Forscherteam eine Software, mit der es 815.000 landwirtschaftliche Anwesen auswertete. Der Autor Britaldo Soares-Filho macht den rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro dafür mitverantwortlich. Es seien politische Signale, die zur Entwaldung und Vereinnahmung von Land ermutigten, so Soares. Die Forscher betonen jedoch, dass sich 80 Prozent der brasilianischen Landwirte an die gesetzlichen Bestimmungen hielten.

Fördert Bolsonaro illegale Rodungen?

Umweltschützer warnen schon länger, dass 2020 das zerstörerischste Jahr für den größten Regenwald der Erde werden könnte. Bolsonaro wird vorgeworfen, illegale Rodungen zu fördern, indem er immer wieder die Legalisierung von Landwirtschaft und Bergbau in geschützten Gebieten fordere. Kritiker vermuten, dass die Brandrodungen im Amazonasbecken die Waldbrände im August 2019 ausgelöst haben könnten.

In Brasilien liegen rund 60 Prozent des tropischen Regenwaldes weltweit. Seine Zerstörung durch Abholzung nahm zuletzt rasant zu. In der ersten Jahreshälfte wurden 25 Prozent mehr Wald zerstört als im Vorjahreszeitraum. Betroffen waren 3069 Quadratkilometer, eine Fläche, die größer ist als das Saarland.

bah/afp/dpa