SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

08. Juli 2016, 16:22 Uhr

Brexit

Briten vergeht die Kauflaune - und zwar gründlich

Die Konsumlaune in Großbritannien leidet stark unter dem Brexit-Votum. Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK brach die Stimmung unter Verbrauchern so stark ein wie seit 21 Jahren nicht mehr.

Das Verbrauchervertrauen in Großbritannien ist nach dem Brexit-Votum deutlich gesunken. Der Konsumklimaindex des Marktforschungsunternehmens GfK ging um acht Punkte auf minus neun zurück. Dies ist der stärkste Einbruch seit mehr als 21 Jahren. Der Index liegt nun auf dem niedrigsten Niveau seit Dezember 2013.

Die Umfrage der GfK-Marktforscher erfolgte im Zeitraum vom 30. Juni bis 5. Juli, also deutlich nach der Bekanntgabe des Brexit-Votums am 24. Juni.

Einen ähnlich starken Einbruch der Konsumlaune hatte es zuletzt im Dezember 1994 gegeben, als die Kauflaune unter anderem unter einer Erhöhung der Steuern und Sozialabgaben gelitten hatte. In der Umfrage äußerten sich Befürworter eines EU-Verbleibs deutlich pessimistischer als EU-Gegner.

GfK-Experte Joe Staton sprach von einer "Periode der Unsicherheit" in Großbritannien. Bei den Unterindikatoren des Konsumklimas habe es den stärksten Rückgang bei der Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten gegeben.

Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, sagte aber, der Stimmungseinbruch bei den Konsumenten sollte nicht überbewertet werden. Es gebe nur einen begrenzten Zusammenhang zwischen der Konsumlaune und den aktuellen Ausgaben der Verbraucher an den Ladentheken. Für den Fall hingegen, dass sich die Bedenken der Briten über die weitere Entwicklung am Immobilienmarkt verstärken sollten, schätzte Schmieding das Risiko einer Rezession in Großbritannien als sehr hoch ein.

Zuletzt hatten zahlreiche Immobilienfonds in Großbritannien Auszahlungen an die Anleger vorerst ausgesetzt und die Furcht vor einer Krise auf dem Immobiliensektor geschürt. Zuvor hatte sich bereits die Stimmung im britischen Dienstleistungssektor laut dem Forschungsinstitut Markit im Juni stärker als erwartet eingetrübt. Die Umfrage wurde allerdings noch größtenteils vor der Brexit-Entscheidung durchgeführt. Markit-Chefökonom Chris Williamson warnte vor einer möglichen Schrumpfung der Wirtschaft in den kommenden Monaten.

asa/dpa/AP/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung