Britische Schafzüchter zum Brexit »Du musst kein Genie sein, um die Konsequenzen zu verstehen«

Kritik an Londons Brexit-Kurs kommt oft von Wirtschaftsexperten und Intellektuellen. Nun warnt allerdings auch ein durch und durch bodenständiger Berufsstand vor einem No-Deal-Szenario: Großbritanniens Schafzüchter.
Schäfer in Staffordshire

Schäfer in Staffordshire

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CARL RECINE / REUTERS

EU und Großbritannien verhandeln trotz Deadline-Ende noch weiter, doch Premierminister Boris Johnson spielt immer wieder auch mit der Möglichkeit, die Gespräche über ein Brexit-Abkommen ohne Einigung platzen zu lassen.

Davon ist zusehends nicht nur die EU genervt. Auch aus Großbritannien selbst kommt ein gut gemeinter, ziemlich bodenständiger Rat: Einfach noch mal darüber nachdenken, was ein No-Deal-Brexit bedeuten würde. Britische Schafzüchter haben angesichts eines solchen Szenarios Alarm geschlagen. Sollten sich Großbritannien und die EU nicht mehr auf einen Handelsvertrag einigen, werden ab dem 1. Januar Zölle auf Ein- und Ausfuhren erhoben. »Wenn das über Nacht auf unsere Produkte draufgeschlagen würde, muss man kein Genie sein, um zu verstehen, dass das ernsthafte Konsequenzen für viele Menschen hätte«, sagte Thomas Carrick, Vorstand der National Sheep Association (NSA) im Norden Englands, der britischen Nachrichtenagentur PA.

Mehr als ein Drittel des Fleisches geht in die EU

Für Lammfleisch würden in dem Falle zum Beispiel Zölle von fast 50 Prozent fällig, was den Preis im Ausland nach oben treiben würde. Mehr als ein Drittel des britischen Lammfleischs wird der Branche zufolge exportiert – 96 Prozent davon in die EU.

Der Wert der 2000 Schafe auf der Farm, die Carrick in der nordenglischen Grafschaft Cumbria betreibt, könnte sich im No-Deal-Szenario Prognosen zufolge um ein Drittel reduzieren – ebenso wie das Familieneinkommen. So geht es vielen Betrieben in der Region. »Es hängt alles davon ab, was in den kommenden Wochen in Sachen Brexit passiert«, so Carrick.

Derzeit ringen London und Brüssel nach etlichen gerissenen Fristen unter hohem Zeitdruck noch immer um einen Handelspakt. Dieser soll die Handelsbeziehungen für die Zeit nach der Brexit-Übergangsphase regeln und befürchtete Verwerfungen verhindern. Die britische Regierung ruft Unternehmen jedoch bereits seit Monaten dazu auf, sich auch auf den No-Deal-Fall einzustellen.

beb/Reuters
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