Während Coronakrise Bürger zahlten mit Karte – und holten sich Bargeld nach Hause

Die Coronapandemie hat dem bargeldlosen Bezahlen einen Boom beschert. Doch zugleich stieg laut Europäischer Zentralbank die Nachfrage nach Euroscheinen.
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Der Lockdown zu Beginn der Coronakrise hat bei vielen Menschen eine Hamstermentalität offenbart. Die Klopapierkäufe der Deutschen sind inzwischen legendär. Nun hat die Europäische Zentralbank (EZB) ein weiteres Phänomen der Pandemie offenbart: Obwohl die Menschen in der Eurozone beim Einkaufen verstärkt bargeldlos bezahlten, nahm die Nachfrage nach Euro-Banknoten zwischen März 2020 und Mai 2021 um 190 Milliarden Euro zu.

Im Vergleich der Ausgabemengen im Frühjahr 2020 mit den Durchschnittsvolumina der letzten fünf Jahre ist das laut EZB ein Zuwachs von vier Prozent. EZB-Direktor Fabio Panetta deutet die verstärkte Bargeld-Nachfrage als Verlangen nach einem Sicherheitspolster. »Dieses scheinbare Paradoxon – eine steigende Nachfrage nach Banknoten trotz eines Rückgangs der Barzahlungen – lässt sich möglicherweise damit erklären, dass die Menschen Bargeld während der Krise als Mittel zur Bewältigung der Unsicherheit nutzten«, sagte Panetta auf einer Bargeldkonferenz der Bundesbank, die am Dienstag stattfand.

Jüngste Schätzungen ließen darauf schließen, dass selbst vor der Pandemie nur rund 20 Prozent des Gesamtbetrags der umlaufenden Euro-Banknoten im Euroraum aktiv für das Bezahlen verwendet worden sei. Panetta geht daher davon aus, dass Euroscheine und -münzen die digitale Revolution überstehen werden.

Viele Bürger sehen digitalen Euro kritisch

Dazu passt, dass eine Mehrheit der Deutschen einem digitalen Euro laut einer Umfrage der Bundesbank eher skeptisch gegenübersteht. Rund 56 Prozent aller befragten Haushalte hätten sich in ihrer ersten Einschätzung zur möglichen Einführung eines digitalen Euro  derartig geäußert, sagte Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann auf der Bargeldkonferenz. Viele seien nicht überzeugt, dass ein digitaler Euro einen ausreichenden zusätzlichen Wert bieten würde verglichen mit der bestehenden Bandbreite an Bezahloptionen.

Während die Diskussion über einen digitalen Euro in der Finanzwirtschaft auf Hochtouren läuft, scheint sie in der breiten Bevölkerung noch nicht richtig angekommen zu sein. Den Umfrage-Ergebnissen zufolge haben 77 Prozent aller Befragten noch nicht einmal von einem digitalen Euro gehört oder darüber gelesen. Die EZB hat noch nicht entschieden, ob sie das Projekt umsetzt. Ein Beschluss soll früheren Angaben zufolge um die Jahresmitte herum kommen.

mmq/Reuters
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