Büro-Alltag Müller, Sie können gehen!

Für die meisten Arbeitnehmer ist es das Schlimmste, was ihnen im Job passieren kann: die Kündigung. Viele reagieren wütend und wollen sich rächen - doch dies würde beruflich das endgültige Aus bedeuten. Managementberater Rüdiger Klepsch verrät, wie man nach dem Rausschmiss einen kühlen Kopf behält.
Karriereknick: Nach einer Kündigung kommt meist ein seelisches Tief

Karriereknick: Nach einer Kündigung kommt meist ein seelisches Tief

Foto: Corbis

Entlassung! Für die meisten Arbeitnehmer ist dies eine Horrorvorstellung. Plötzlich soll mit dem bisherigen Leben Schluss sein? Neben den finanziellen Aspekten ist eine Kündigung vor allem eine emotionale Angelegenheit: Angst und andere Gefühle kommen ins Spiel, die das rationale Handeln erschweren. Viele reagieren verzweifelt, wütend - oder wollen sich an ihrem alten Chef rächen.

Kündigung

Jetzt heißt es Profi bleiben: Keine üble Nachrede, keine verbale Abrechnung mit Vorgesetzten oder Kollegen! Man sieht sich immer zweimal im Leben. Und Sie brauchen bei der anschließenden Jobsuche eine gute Referenz. Arbeiten Sie also einen möglichen Nachfolger ein, teilen Sie Informationen. Und wahren Sie Haltung, also auch nicht krankschreiben lassen. Das könnte dem Arbeitgeber sonst nur Gründe für eine fristlose liefern.

Arbeitsrecht

Achtung auch bei Aufhebungsverträgen! Lassen Sie sich nicht drängen. Wer sofort unterschreibt, um sich eventuell fällige Abfindungen zu sichern, begeht in der Regel einen großen Fehler. (Nebenbei: Bei Abfindungen gilt meist die Grundformel: ein halbes Monatsbrutto pro absolviertem Berufsjahr. Mehr als 60 Prozent vom Brutto sind in der Krise selten drin. Zudem muss die Sonderzahlung voll versteuert werden.) Das deutsche ist kompliziert; daraus erwachsen auch rechtlich Chancen. Wer direkt unterschreibt, gibt diese Rechte auf.

Vor allem jedoch gilt: Handeln Sie! Die mit jeder Kündigung verbundene und empfundene Kränkung, den Ärger, die Angst vor der Zukunft, den Schock, die Scham gilt es, möglichst rasch zu überwinden. Denn das lähmt und behindert eine rasche Neuorientierung. Scheitern darf keine Schande sein! Wer den Arbeitsplatz verloren hat, sollte nicht in Selbstmitleid verfallen. Viel sinnvoller ist eine ehrliche Analyse für die berufliche Zwangspause: Was hat dazu geführt? Wo muss ich mich ändern? Aber auch: Was habe ich richtig gemacht?

Xing und Facebook können helfen

Die Stellensuche findet zunehmend online statt. Eines der größten deutschen Portale zählte 2008 knapp 4,2 Millionen Besucher pro Monat - ein Plus von einem Drittel im Vergleich zu 2007. Außerdem finden sich im Web zahlreiche Tipps und Tricks rund um den Bewerbungsprozess, zu Anschreiben, Lebenslauf und Vorstellungsgespräch.

Wer sich bei der Neuorientierung nicht nur auf sich selbst, Freunde oder das Internet verlassen möchte, sollte sich von Profis helfen lassen. Outplacement-Berater und private Arbeitsvermittler bieten von der Persönlichkeitsanalyse über Bewerbungsberatung und Marktanalyse bis hin zur Begleitung während der neuen Probezeit alles an. Die Kosten übernimmt - unter bestimmten Bedingungen - zumindest teilweise die Arbeitsagentur.

Und was kann man tun, solange man noch einen Job hat? Die Antwort lautet Prävention! In heutigen Zeiten heißt es, schon bevor es zur Kündigung kommt, wach und überraschbar zu bleiben: Auch wenn noch keine Entlassung droht, kann einiges getan werden, um auf die Katastrophe vorbereitet zu sein. Rund ein Drittel aller Jobs werden per Vitamin B vermittelt. Es gilt also frühzeitig ein funktionierendes Kontaktnetz aufzubauen und zu pflegen. Das Knüpfen neuer Kontakte via Xing, Facebook oder LinkedIn ist heute so einfach wie nie. Selbst Headhunter und Personaler wandeln durch die virtuellen Kontaktbörsen, um nach Kandidaten Ausschau zu halten. Es kann also nicht schaden, dort ein aktuelles Profil zu pflegen und als kompetenter, vielseitiger und gut vernetzter Branchenkenner aufzutreten.

Hilfreich ist außerdem, Fachwissen aufzufrischen und zu vertiefen! Wer seinem Arbeitgeber spezielle Fähigkeiten bieten kann, ist klar im Vorteil. Die Erfahrung zeigt, dass in Krisenzeiten Generalisten eher gekündigt werden als Spezialisten.