Büro-Alltag Was gegen die Immer-erreichbar-Volkskrankheit hilft

Millionen Deutsche leiden an Burnout - und immer mehr Arbeitnehmer zeigen Stresssymptome am Arbeitsplatz. Aber was lässt sich dagegen tun? Und wie erkennt man frühzeitig die Warnsignale des Körpers? Managementberater Rüdiger Klepsch gibt die wichtigsten Tipps.
Erschöpfung: Zu viel Stress im Alltag kann gesundheitliche Schäden verursachen

Erschöpfung: Zu viel Stress im Alltag kann gesundheitliche Schäden verursachen

Foto: Corbis

Burnout

Hamburg - ist auch eine Smartphone-Pushmail-Ständig-zur-Stelle-Krankheit: Gerade die Leistungsfähigen sind die Opfer. Nicht die Faulen leiden daran, sondern die Engagierten und Leistungswilligen, die an ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Der Burnout-Forscher Matthias Burisch nennt sie die "Selbstverbrenner".

Neben der Verdichtung der Arbeit meldet sich Facebook, laufen E-Mails ein und wollen Messenger-Nachrichten beantwortet werden. Schon heute werden Büroarbeiter im Schnitt alle elf Minuten unterbrochen, weil das Telefon klingelt oder Outlook Alarm schlägt. Arbeitnehmer zwischen 30 und 50 Jahren sind besonders gefährdet.

Interessanterweise trifft Burnout Frauen häufiger als Männer. Sie arbeiten für die Karriere, für die Familie und versuchen zu vereinbaren, was oft nicht gelingen kann: ständige Erreichbarkeit, Kinder, perfekte Partnerschaft, Freunde, ein eigenes Haus. Und so weiter.

Dabei ist Burnout hinterhältig: Die Störung tritt plötzlich auf, entwickelt sich aber langsam. Der Verursacher ist der Stress. Und dieser beginnt im Kopf. Dort bleibt er lange unbemerkt, vielleicht spornt er zuerst sogar zu noch höheren Leistungen an. Denn der Körper schüttet permanent und auf hohem Niveau Stresshormone aus, die anfänglich aufputschen.

Doch wenn die Erfolgserlebnisse ausbleiben oder vor lauter Schnelllebigkeit nicht mehr wahrgenommen werden, nagt dies an der Gesundheit - unbemerkt, bis der Körper irgendwann sagt: "Schluss! Ich kann nicht mehr."

Schlafstörungen

Depressionen

Und dann sind sie da, die Leere und die totale Erschöpfung. Man fühlt sich ständig müde, schwach, matt, hat häufig Kopfschmerzen, Verdauungs- oder . Zudem nimmt die Reizbarkeit zu. Wer nicht handelt, leidet schnell an Folgekrankheiten: Herz-Kreislauf, sexuelle Funktionsstörungen oder schwere .

Auf Warnungen des Körpers hören und rechtzeitig gegensteuern

Allein zwischen 1997 und 2004 haben die seelischen Leiden am Arbeitsplatz um 70 Prozent zugenommen. Jeder fünfte Deutsche zeigt inzwischen typische Stresssymptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schlafstörungen oder Durchfall. Jeder zehnte Fehltag soll bereits auf das Konto von Stress gehen.

Obwohl die Krankenstände seit 1991 rückläufig sind, schnellten die psychisch bedingten Fehlzeiten um 33 Prozent in die Höhe. Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass bundesweit rund neun Millionen Menschen vom Burnout-Syndrom betroffen sind.

86 Prozent der Führungskräfte sehen Burnout allgemein als wichtiges Thema in Unternehmen; 67 Prozent halten es auch in ihrer Firma für bedeutsam. Der Unterschied von fast 20 Prozentpunkten weist auf die nächste Schwierigkeit hin: So wie die anderen mehr Alkohol trinken als man selbst, haben natürlich die anderen auch viel mehr Burnout-Probleme.

Und genau das ist das Problem: Viele erkennen ihr eigenes Ausbrennen erst, wenn es zu spät ist. Umso wichtiger ist es, auf Warnsignale des Körpers zu hören und rechtzeitig gegenzusteuern.

Was tun?

Es beginnt mit ein paar Fragen:

  • Stehe ich unter Dauerstress?
  • Habe ich genug Erfolgserlebnisse? Wenn nicht: Wie komme ich zu mehr Erfolgserlebnissen?
  • Wie lege ich Dauerstress ab?
  • Kann ich die Probleme am Arbeitsplatz/im Team lösen oder liegt es an mir selbst?
  • Und kann ich die Probleme selbst lösen, oder brauche ich professionelle Hilfe?

Die Gegenstrategie klingt platt, hilft aber:

  • Denken Sie positiv und seien Sie körperlich aktiv! Dafür brauchen Sie Zeit. Unter anderem heißt das: Auch iPhone, Blackberry & Co. haben einen Ausschalter. Benutzen Sie ihn! Der noch junge Forschungszweig der Psychoneuroimmunologie konnte nachweisen, dass das Gehirn mithilfe entsprechender positiver Gedanken und Bilder in der Lage ist, Stoffe zu produzieren, die sonst nur in Medikamenten vorkommen. Leichter Ausdauersport wirkt ähnlich, 20 Minuten bis eine halbe Stunde reichen schon - auch das macht den Kopf frei.
  • Lenken Sie sich ab! Vermeiden Sie zu langes Grübeln. Das zeigt ein Versuch: Je 30 Frauen und Männer sollten sich an eine Problem-Situation aus dem vergangenen Jahr erinnern. Noch während der Schilderung schossen bei allen Blutdruck und Herzfrequenz nach oben. Sie zeigten sämtliche Symptome von akutem Stress. Die Teilnehmer wurden daraufhin in einen Ruheraum geschickt - eine Gruppe in ein typisches Krankenzimmer, die zweite in einen Raum voller Zeitschriften und Spiele. Bei jenen, die sich ablenken konnten, kreisten nur noch 17 Prozent der Gedanken um den Ärger, bei den isolierten Grüblern dagegen 31 Prozent. Sie beruhigten sich auch erst elf Minuten später als die Zerstreuten.

Fazit: Ständiges Grübeln hält das Stresslevel auf konstantem Niveau - unabhängig vom Ereignis.