Energiewende Marktmacht der Stromkonzerne sinkt

Die Dominanz der Energieriesen am deutschen Strommarkt schwächt sich merklich ab. Das geht aus dem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts hervor, der dem SPIEGEL vorliegt.

Strommasten nahe Pleinting (Archivfoto)
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Strommasten nahe Pleinting (Archivfoto)

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Die Marktmacht der größten Stromversorger geht zurück. Das geht aus einem Entwurf des Monitoringberichts hervor, den die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt erstellt haben und der dem SPIEGEL vorliegt.

Der Anteil der fünf größten Anbieter RWE, E.on, EnBW, Vattenfall und Leag an den verfügbaren konventionellen Erzeugungskapazitäten lag 2018 demnach bei 60,8 Prozent, 2017 waren es noch 64,9 Prozent gewesen.

Der Grad der Marktkonzentration habe unter anderem aufgrund des Verkaufs der Firma Uniper an den finnischen Konzern Fortum abgenommen, heißt es in dem Bericht. Dazu würden zwei Kohlemeiler von RWE inzwischen nur noch als Notreserve genutzt.

"Im Zuge von weiteren geplanten Abschaltungen dürfte sich der Grad der Marktkonzentration weiter verringern", schreiben das Kartellamt und die Bundesnetzagentur, die die oberste Kontrollbehörde der Regierung zur Überwachung des Strommarktes ist. So solle spätestens Ende 2022 das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz gehen. Die Bundesregierung plane zudem Stilllegungen von Braun- und Steinkohlekraftwerken in mittelfristiger Zukunft.

Der Marktanteil der fünf absatzstärksten Unternehmen bei konventionell erzeugtem Strom betrug laut Monitoringbericht 2018 rund 74 Prozent; im Vorjahr hatte er bei 75,5 Prozent gelegen. Der Anteil der Energieriesen ist in diesem Segment demnach noch immer hoch, allerdings macht das Segment inzwischen nur noch gut zwei Drittel des verkauften Stroms aus.

Bereits gut 195 Terawattstunden Elektrizität wurden im vergangenen Jahr durch Wind-, Solar- und Biogasanlagen erzeugt und über das sogenannte Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert. Nur fünf Prozent davon stammten aus Anlagen der großen Stromkonzerne.

Insgesamt ist die konventionelle Stromerzeugung laut Bundesnetzagentur 2018 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zurückgegangen. Künftig dürfte sie weiter sinken - und mit ihr auch die Marktmacht der großen Energiekonzerne.

Oliver Krischer, der energiepolitische Sprecher der Grünen, warnt jedoch vor dem Risiko einer neuen Konzentration. "Die Analyse der Bundesnetzagentur ist eine Momentaufnahme, jedenfalls was den Stromverkauf an Endkunden betrifft", sagt er. Der Konzern E.on werde in Kürze den Großteil der RWE Kunden übernehmen und steige dann mit weitem Abstand zum größten Stromverkäufer in diesem Land auf.

"In zwei Dritteln der Fläche werden sie mit ihren vielen Marken dann 70 Prozent der Kunden beliefern", sagt Krischer, der auch Grünen-Fraktionsvize ist. "Es ist zu befürchten, dass E.on in den nächsten Jahren wieder den Markt dominiert und die Preise hochtreibt." Die Kartellbehörden hätten bei der Übernahme strengere Auflagen machen müssen.



insgesamt 171 Beiträge
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In Kognito 11.11.2019
1. Black Out und keine Gasleitungen! - Endlich NULL Markt (Macht)
Wenn ich die Jubel-Arie so lese, scheint "man" mit Macht auf die Null-Energie (Versorgung) zusteuern zu wollen. DAS wäre dann gerecht und gewünscht. Größter Ideologie-Fehler, die Netze von den Erzeugern zu trennen, nur so konnte in die "unproduktiven" Netze quer-investiert werden, da ja die Erzeuger (Strom, Gas, Bahn) ihre Ware auch an möglichst viele Kunden verkaufen wollten. Getrennte Netzbetreiber (Kosten auch noch politisch gedeckelt) haben doch kein Interesse (und Geld), um zu investieren, die müssen auf "Verschleiß" fahren, um Gewinn zu maximieren.
frankfurtbeat 11.11.2019
2. grundsätzlich ...
grundsätzlich sind die Strukturen der EVU`s mit ihrer Marktmacht aufzulösen. Die EVU`s haben sich mit Atomstrom die Taschen voll gemacht und schleichen sich mit lächerlichen "Rücklagem" aus der Verantwortung - falls die Rücklagen jemals gemacht werden ... Die Politik hat den Stomkonzernen den nächsten Coup verschafft. Eigentlich sollte der Strom günstiger werden - die EVU`s haben das abgelehnt - die Politik erhöht den Gas- und Ölpreis und fördert damit die stromproduzierenden EVU´s. Klasse gemacht - der Verbraucher von Gas und Öl zahlt den Strom - wo immer der auch her kommt - für die Betreiber von ineffizienten Wärmepumpen - die EVU´s zocken weiter ab.
ic_fly3 11.11.2019
3. Marktmacht und MArktanteil sind nicht das selbe
Zitat von In KognitoWenn ich die Jubel-Arie so lese, scheint "man" mit Macht auf die Null-Energie (Versorgung) zusteuern zu wollen. DAS wäre dann gerecht und gewünscht. Größter Ideologie-Fehler, die Netze von den Erzeugern zu trennen, nur so konnte in die "unproduktiven" Netze quer-investiert werden, da ja die Erzeuger (Strom, Gas, Bahn) ihre Ware auch an möglichst viele Kunden verkaufen wollten. Getrennte Netzbetreiber (Kosten auch noch politisch gedeckelt) haben doch kein Interesse (und Geld), um zu investieren, die müssen auf "Verschleiß" fahren, um Gewinn zu maximieren.
Der Artikel beschreibt leider nur die Anteile der unterschiedlichen Marktteilnehmer, interessanter wäre die Preisgestaltungsmacht der unterschiedlichen Teilnehmer, denn die hat sich dank den erneuerbaren in alle mögliche Richtungen verzogen und verschoben. Die Trennung der Netze war/ist eine klasse Idee denn sie ermöglicht Wettbewerb. Der mangelhafte Netzausbau ist politisch gewollt (Seehofer). Eigentlich müsste Deutschland in mehrere Preiszonen geteilt werden, so wie es in Skandinavien der Fall ist. Dann würde auch der Norden vom Windstrom profitieren und die kosten der Leitungen quer durch Deutschland würden von denen die dadurch günstigeren Strom bekommen getragen. Allerdings würden im Süden die Preise erst einmal in die Höhe schnellen um im Norden würden sie stark fallen.
karlo1952 11.11.2019
4. Die Stromkonzerne brauchen
keine Marktmacht, sondern sie sollen Strom zu vernünftigen günstigen Preisen liefern. Deren Lobby ist immer noch zu groß, sonst würden PV-anlegen auf privaten Dächern besser gefördert, und der Endverbraucher könnte noch unabhängiger von den EVUs sein. Aber die Bundesregierung und die EVUs wollen das ja nicht. Sonst bekämen sie und die anderen Anteilseigner ja weniger Dividende.
knuty 11.11.2019
5.
Zitat von In KognitoWenn ich die Jubel-Arie so lese, scheint "man" mit Macht auf die Null-Energie (Versorgung) zusteuern zu wollen. DAS wäre dann gerecht und gewünscht. Größter Ideologie-Fehler, die Netze von den Erzeugern zu trennen, nur so konnte in die "unproduktiven" Netze quer-investiert werden, da ja die Erzeuger (Strom, Gas, Bahn) ihre Ware auch an möglichst viele Kunden verkaufen wollten. Getrennte Netzbetreiber (Kosten auch noch politisch gedeckelt) haben doch kein Interesse (und Geld), um zu investieren, die müssen auf "Verschleiß" fahren, um Gewinn zu maximieren.
Sie beschreiben die Situation schon ganz richtig, nämlich dass die Erzeuger ihre Ware an möglichst viele verkaufen wollenn, bloß liegt die Betonung auf "ihre" Ware, den konventionell produzierten Strom. Deshalb wurde das Ü-Netz bis zur Trennung von den Erzeugern auch nicht ausgebaut und deshalb hängt der Netzausbau um fünf Jahre hinter den Plänen hinterher.
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