Geldanlage Früher war alles besser

Was schon im Auto nicht funktioniert, klappt auch bei der Geldanlage nicht: Mit dem ständigen Blick in den Rückspiegel nach vorne fahren. Wer auf prominente Fondsmanager setzt, die in der Vergangenheit erfolgreich waren, legt die Basis für miese Renditen.
Von Christian Kirchner
Fondsmanager Carmignac: Vier Jahre schlechter als sein Vergleichsindex

Fondsmanager Carmignac: Vier Jahre schlechter als sein Vergleichsindex

Foto: Vittorio Zunino Celotto/ Getty Images

Für gute Tipps zur Geldanlage braucht man eigentlich nur einen Termin im Jahr: Man fahre Ende Januar zum Mannheimer Fondskongress, der seit Jahren wichtigsten Veranstaltung der Geldverwalterszene in Deutschland. Man flaniere an den Ständen der Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter vorbei und lausche den Vorträgen und Diskussionen.

Und mache dann einfach das Gegenteil dessen, was dort empfohlen wird.

So vermeidet man das Kernproblem der Geldanlage: Den ständige Blick in den Rückspiegel, um zu wissen, wie man vorwärts fahren soll. Denn Anleger tendieren dazu, ihr Geld in Strategien zu stecken und Managern anzuvertrauen, die in der Vergangenheit erfolgreich gewesen sind. Das wissen natürlich auch die Anbieter, die daran ihre Vertriebs- und Beratungsoffensiven ausrichten. Diese Rückwärtsgewandtheit der Investoren liefert allerdings langfristig miese Erträge und ist in die Kapitalmarktforschung als "Dummes-Geld-Effekt"  eingegangen.

2009 etwa - und damit wenige Wochen vor der Wende an den Märkten nach oben - drehte sich beim Mannheimer Fondskongress alles um Absicherung und Verlustvermeidung. In den Jahren 2010 bis 2012 wiederum wurde die Veranstaltung dominiert von Edelmetallen und Schwellenländer-Engagements - beides Anlagen, die zuletzt viel Kummer bescherten.

Taugen die Gurus von gestern auch für die Zukunft?

Die personelle Betrachtung ist nicht minder interessant. Denn im deutschen Markt für Investmentfonds prägen seit Jahren drei Männer das Geschehen, wenn es um Mittelzuflüsse und den "Starfaktor" mit berstend vollen Vortragssälen geht: Édouard Carmignac, Luca Pesarini und Bert Flossbach. Die drei investieren mit ihren Top-Fonds frei über verschiedene Anlagenklassen wie Aktien und Anleihen hinweg - und konnten so die Verluste für Anleger in der Finanzkrise begrenzen. Das spülte sie an die Spitze der Performance-Ranglisten und verschaffte ihnen ab 2009 einen immensen Schub in der Popularität. Insgesamt verwalten die drei in ihren Flaggschiff-Fonds zusammen 33 Milliarden Euro.

Doch taugen die Gurus von gestern auch für die Zukunft?

Am hellsten strahlt derzeit noch der Stern des Kölner Vermögensverwalters Bert Flossbach: Er scheut sich zwar, seinen Multiple-Opportunities-Fonds an einem Vergleichsindex zu messen. Das dürfte Anlegern aber egal sein angesichts eines durchschnittlichen jährlichen Ertrags von knapp zehn Prozent seit Auflage 2007. Zuletzt belastete indes Flossbachs Faible für Gold den Ertrag etwas, so dass für die letzten zwölf Monate trotz sehr stark gelaufener Börsen nur ein schmales Plus von vier Prozent zu Buche steht.

Luca Pesarini erwirtschaftete für die Anleger über die letzte Dekade hinweg 7,4 Prozent pro Jahr bei nur sehr niedrigen Schwankungen. Seit 2011 aber blieb der Geldverwalter mit seinem wichtigsten Fonds Ethna Aktiv E zuletzt drei Jahre in Folge jeweils hinter dem Vergleichsindex zurück, an dem er sich messen lässt.

Beim Mischfonds Carmignac Patrimoine von Édouard Carmignac wiederum fällt die Langfristbilanz - 6,8 Prozent pro Jahr über ein Jahrzehnt hinweg - ebenfalls sehr gut aus. Doch 2013 schloss der Fonds bereits das vierte Jahr in Folge schlechter als sein Vergleichsindex ab, dem er mal einen halben, mal über acht Prozentpunkte hinterher hinkte.

Schlechte Jahre gehören auch bei guten Verwaltern dazu

Die spöttische Interpretation einer solchen Entwicklung: Es gibt in Deutschland rund 11.500 Investmentfonds. Unterstellen wir, dass jeder jedes Jahr eine 50-Prozent-Chance hat, seinen Vergleichsindex zu schlagen, dann bringt alleine der Zufall vermutlich rund ein Dutzend "Genies" hervor, die zehn Jahre in Folge jedes Jahr den Index geschlagen haben und in Mannheim die Säle füllen. Denn lässt man 11.500 Leute zum Münzwurf antreten, werden einige auch zehnmal hintereinander "Zahl" werfen. Für den elften Wurf (oder das elfte Jahr) heißt dies allerdings gar nichts.

Die sachliche Interpretation: Der Zusammenhang zwischen einem überdurchschnittlichen Ertrag eines Fonds in der Vergangenheit und den Mittelzuflüssen sowie künftigem Abschneiden ist empirisch gut erforscht: Das Geld fließt in gute Produkte der Vergangenheit - die jedoch bergen geringere Chancen auf künftige überdurchschnittliche Erträge als alle anderen Fonds (hier mehr dazu ). Weil sich Prozyklik selten auszahlt und Manager ihre Leistungen oft nur mit kleinerem verwalteten Vermögen erbringen können oder die Gebühren im Rausch des Erfolges steigen.

Bleibt die Frage: Was waren die Trends des Mannheimer Fondskongresses in diesem Jahr? Den roten Faden durch viele Vorträge und Debatten bildeten unverändert attraktive Aktienmärkte und die niedrigen Zinsen, die gewiss noch lange Zeit so niedrig bleiben würden. Ein starker Anstieg der Zinsen oder der Zahlungsausfälle scheint für die Profis nicht wirklich denkbar.

Das sollte Anlegern eine Warnung sein.

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