Klage von umstrittenem Verband Cathy Hummels gewinnt Prozess um Schleichwerbung

Cathy Hummels, Instagram-Star und Fußballergattin, postet täglich auf ihren Profilen Bilder von sich und Produkten. Dagegen klagte ein Abmahn-Verband - doch verlor vor Gericht. Die Richterin sieht keine unlautere Werbung.

Cathy Hummels (Archivbild)
Tobias Hase / DPA

Cathy Hummels (Archivbild)


Instagram-Berühmtheit Cathy Hummels hat einen Schleichwerbungsprozess vor dem Landgericht München gewonnen. Die zuständige Kammer wies die Zivilklage des für Abmahnungen bekannten Verbands Sozialer Wettbewerb ab. Informierte Leser wüssten, dass Hummels mit ihrem Instagram-Profil kommerzielle Interessen verfolge, sagte die Vorsitzende Richterin Monika Rhein. Insofern handele es sich auch nicht um unlautere Werbung.

Hummels hat auf Instagram mittlerweile 485.000 Follower. Allein aus dieser hohen Zahl geht nach Einschätzung der Kammer hervor, dass die Ehefrau von Fußballprofi Mats Hummels auf ihrer Seite keine rein privaten Interessen verfolgt. Eine solche Zahl von Freunden "schafft kein Mensch", sagte Rhein.

Das Urteil bedeutet keine Klärung der Rechtslage, ob sogenannte Influencer überhaupt noch Dinge anpreisen dürfen, ohne das als Reklame zu kennzeichnen. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Der in Berlin ansässige Verein hat mehrere Influencerinnen abgemahnt. Eine parallele Klage gegen die Fitness-Bloggerin Pamela Reif vor dem Landgericht Karlsruhe hat der Verband gewonnen. Eine obergerichtliche Entscheidung gibt es noch nicht.

mmq/dpa



insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
j.vantast 29.04.2019
1. Ist das nicht herrlich?
"Informierte Leser" wüssten dass dort kommerzielle Interessen verfolgt werden. Ach, und was ist mit den uninformierten Lesern? Und vielleicht beschäftigen sich die Gerichte mal mit dem Internet, denn Follower haben nichts mit "Freunden" zu tun. Bei Youtube gibt es User die auch so um die 500.000 Abonnenten haben, aber keine Werbung machen. Die Zahl der Abonnenten oder Follower kann nicht als Indiz herangezogen werden ob etwas kommerziell ist oder nicht. Werbung ist als solche zu kennzeichnen. Das gilt im TV und auch im Internet. Warum müssen sich denn alle anderen daran halten nur Frau Hummels nicht? So langsam sollte die deutsche Gerichtsbarkeit mal im "Neuland" ankommen. Das ist ja lächerlich wie Gerichte in völliger Unkenntnis der Lage Urteile sprechen.
kayakclc 29.04.2019
2. Abmahnvereine
Abmahnvereine versuchen mit aller Macht andere Leute mit abstrusesten Konstuktionen zu schaden. Manchmal habem Gerichte ein Einsehen und formulieren das offensichtliche: wer >1000 Follower und "Friends" hat, ist kommerziell unterwegt, und das gilt für fast alle Youtuber und Instagrammer. Das hat mit "Information" schon lange nichts mehr zu tun, sondern jedes Kind weiss doch, dass es kein "Freund" von C. Hummels ist, und sie ihr Geld damit versucht zu verdienen. Das ist immmer Werbung.
hegoat 29.04.2019
3.
"Informierte Leser", so so, wer ist das denn nach Meinung des Gerichts? Die Zwölfjährigen, die Cathy Hummels auf Instagram folgen und begeistert quietschen, wenn Hummels ein neues Makeup präsentiert? Oder die Richterin Rhein, die mindestens viermal so alt ist, Jura studiert hat und sich beruflich ständig mit dem Fragen von Werbung auseinandersetzt? Raten Sie mal, welcher Maßstab hier angelegt wurde. Die Rechtsprechung hat so langsam wirklich die Nähe zur Realität verloren.
mcmercy 29.04.2019
4.
Zitat von hegoat"Informierte Leser", so so, wer ist das denn nach Meinung des Gerichts? Die Zwölfjährigen, die Cathy Hummels auf Instagram folgen und begeistert quietschen, wenn Hummels ein neues Makeup präsentiert? Oder die Richterin Rhein, die mindestens viermal so alt ist, Jura studiert hat und sich beruflich ständig mit dem Fragen von Werbung auseinandersetzt? Raten Sie mal, welcher Maßstab hier angelegt wurde. Die Rechtsprechung hat so langsam wirklich die Nähe zur Realität verloren.
Welchen Unterschied sollte es für 12-jährige machen ob da nun Werbung steht oder nicht? Glauben Sie, dann hinterfragen die kritisch die beworbenen Produkte? Meiner Meinung nach ist es auch völlig egal was wer denkt oder nicht, es gibt doch klare Regeln und die besagen es muss gekennzeichnet werden. Alles andere ist doch Kaffeesatzleserei. Ich seh auch ob ein Auto kommt oder nicht, trotzdem muss ich an der roten Ampel halten. Richter scheinen neuerdings immer ofter zu meinen sie stehen über dem Gesetz oder sie könnten gar entscheiden ob ein Gesetz sinnvoll ist oder nicht, siehe auch Werbeverbot für Abtreibungen. Sie sollen aber blos feststellen ob es eingehalten wurde, sonst nichts.
noalk 29.04.2019
5. Das Urteil ist widersprüchlich
Einerseits wird Frau Hummels bescheinigt, dass sie kommerzielle Interessen verfolge, andererseits sei es aber keine kennzeichnungspflichtige Werbung. Die nächste Instanz, sollte es denn eine solche geben, wird dieses Urteil kassieren.
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