Urteil Check24 muss Kunden besser informieren

Sind Online-Vergleichsportale unabhängig? Versicherungsmakler bezweifeln das und haben Check24 verklagt. Ein Gericht gab ihnen nun teilweise recht.

Check24-Zentrale (München)
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Check24-Zentrale (München)


Wo bekomme ich den billigsten Strom oder die günstigste Versicherung? Internetportale wie Check24, Verivox oder Preis24 locken Millionen Kunden mit dem Versprechen eines neutralen Preisvergleichs in Sekundenschnelle. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Preisvergleiche keineswegs neutral sind - und Versicherungsmakler haben Klage eingereicht.

Das Landgericht München hat dem Preisvergleichsportal Check24 nun größere Transparenz für seine Nutzer verordnet. Das Münchner Internet-Unternehmen muss seine Kunden künftig bei der Vermittlung von Versicherungsverträgen deutlich darüber informieren, dass es als Versicherungsmakler agiert und Provisionen kassiert.

Geklagt hatte der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), der 11.000 Versicherungsmakler vertritt und Check24 unlauteren Wettbewerb vorwarf. Nach Ansicht der Kläger sind auch die Informationen unzureichend: Wer nur schlechte Deutschkenntnisse habe, könne aus Versehen schon mal eine Gebäudeversicherung statt einer Hausratversicherung anschließen, argumentierte ein Anwalt.

Die Richterin sah das allerdings anders: Sie geht davon aus, dass alle Kunden durchaus wissen, was sie tun. Bei einzelnen Versicherungsprodukten aber muss Check24 voraussichtlich nachbessern - und zum Beispiel in der Hausratversicherung abfragen, ob auch ein Fahrrad zum Haushalt gehört. BVK-Präsident Michael Heinz nannte das Urteil anschließend trotzdem einen "Sieg für den Verbraucherschutz".

Aber auch in anderen Bereichen folgte das Gericht den Klägern nicht. Die Versicherungsvertreter hatten in ihrer Klage so scharfe Vorgaben für die Onlineberatung gefordert, dass das Internetgeschäft mit Versicherungen sehr erschwert worden wäre.

So werde das Check24-Geschäftsmodell nicht im Grundsatz gefährdet, sagte Christoph Röttele, der Geschäftsführer des Internetportals. "Wir können mit dem Urteil leben."

Wie Vergleichsportale Geld verdienen und worauf Verbraucher achten sollten, finden Sie in diesem Artikel

nck/dpa



insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
holmgerlach 13.07.2016
1. Endlich-ein Schritt in die richtige Richtung!
Es muß jedem Verbraucher klar sein daß Check24 als Versicherungsmakler auftritt und reichlich Provisionen abkassiert - allerdings empfehle ich statt anonymer Abschlüsse sich lieber einen freien Makler mit persönlicher Beratung und Betreuung vor Ort zu suchen -und um auch im Schadenfalle bessere Hilfe erwarten zu können.
fisschfreund 13.07.2016
2.
Allein schon wegen der völlig beknackten Werbung gehört der laden verurteilt...
frenchie3 13.07.2016
3. Find ich lustig
Die Versicherungsmakler wollen totale Transparenz bei den Portalen. Das ist ja als würde die Mafia von der Yakuza fordern die Liste mit den bestochenen Politikern rauszurücken.
Chatzi 13.07.2016
4. Schöne Neue Welt, dieses Internet!
Und Check24 haut ja mächtig rein mit Werbung. Dass beim Vergleichsklick Produkte von Ihren Vertragspartnern möglichst prominent platziert werden, steht nur irgendwo versteckt im Kleingedruckten, das sowieso kaum einer liest, Hauptsache billig, oder? Ist es dann oft nämlich gar nicht, oft bieten die Anbieter diese oder jene Versicherung auf Ihrem Portal sogar günstiger an. Und Check24 verdient kräftig Provisionen. Zu dumm, wer das Spiel auch noch mitmacht und denkt, er, sie, es hat ein Schnäppchen gemacht. Die Gier scheint hier Hauptgrund für den Eigentümer zu sein, Verbraucherschutz ist es sicher nicht. Noch so ein Beispiel, wie man auch Schei?e Geld machen kann ist AirBnb. Kaum gegründet und mehrere Jahre auf dem Markt, haben sich deren Preise mittlerweile denen von normalen Hotels angeglichen bzw. sind teilweise sogar teurer!!! Dabei bieten Wohnungs- und Privat-Zimmervermieter nicht annähernd den Service eines Hotels an, sondern nur den Raum. Verrückt, wer dabei mitmacht und das auch noch toll findet, von rechtlichen, steuerlichen Fragen und anderen mal ganz abgesehen. Gut, dass mit diesem Urteil nun dem Verbraucher mitgeteilt werden muss, dass Check24 GELD VERDIENT mit der Vermittlung der angepriesenen Produkte. Oder ist wirklich jemand so doof zu glauben, auf einer altruistischen Seite unterwegs zu sein???
damalswarallesbesser 13.07.2016
5. Dann aber bitte...
Zitat von fisschfreundAllein schon wegen der völlig beknackten Werbung gehört der laden verurteilt...
Gleiches für die Typen, die die Saitenbacher Werbung verbrochen haben. :-))
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