Neues Verbraucherschutz-Portal "Öko-Test" auf chinesisch

Als erstes war das berüchtigte Milchpulver dran: Die deutsche Zeitschrift "Öko-Test" hat ein Verbraucherportal in China gestartet. Einheimische Hersteller müssen sich aber vorerst nicht fürchten - zunächst werden nur internationale Produkte getestet.

Passant vor Werbeplakat für okoer.com: Ziel ist Chinas Mittelschicht
DPA

Passant vor Werbeplakat für okoer.com: Ziel ist Chinas Mittelschicht


Lebensmittelskandale in China haben über die Grenzen der Volksrepublik hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Nun will die deutsche Zeitschrift "Öko-Test" chinesische Verbraucher zu sicheren Produkten lotsen.

Unter okoer.com werden eigens für Konsumenten in China durchgeführte Tests veröffentlicht und auch ins Chinesische übersetzte Artikel aus der Zeitschrift "Öko-Test" erscheinen.

In der ersten Ausgabe prangert okoer.com mangelnde Qualität bei Milchpulver in China an. "Die Qualität lag durchschnittlich unter der in Deutschland", sagte "Öko-Test"-Chefredakteur Jürgen Stellpflug. Die Tester haben neun Produkte von internationalen Milchpulverherstellern in China gekauft und in deutschen Laboren untersuchen lassen. Fünf der Produkte wurden wegen hoher Mineralbestandteile, einem hohen Anteil von Fettschadstoffen und Rückständen von Reinigungsmitteln als ungenügend eingestuft.

"Alle Tests werden in deutschen Laboren durchgeführt", sagte Stellpflug. Dadurch könne das Portal in China Vertrauen gewinnen. Der Start von okoer.com wurde seit vier Jahren vorbereitet. Hinter dem Portal steht die SPD-Medienholding DDVG mit etwas mehr als der Hälfte der Unternehmensanteile. Den Rest halten drei chinesische Firmen.

In der ersten Phase soll okoer.com ausschließlich internationale Produkte auf dem chinesischen Markt untersuchen. "Wir drücken uns nicht vor chinesischen Marken", sagte Stellpflug. Nicht Furcht vor Reaktionen chinesischer Hersteller sei der Grund für die Entscheidung gewesen, sondern der Wunsch, die chinesische Mittelschicht als Kunden anzusteuern. "Die 400 Millionen Menschen der chinesischen Mittelschicht haben auch das Geld, um sich andere Produkte zu kaufen, wenn Produkte bei Tests ungenügend abschneiden", sagte Stellpflug. Gleichzeitig könne okoer.com mit seinen Tests indirekt auch die Qualität anderer Hersteller beeinflussen. "Das hat in Deutschland auch funktioniert."

Lebensmittel- und Produktsicherheit ist ein sehr großes Thema in China. Dutzende Skandale etwa um verseuchtes Milchpulver, verdrecktes Mineralwasser oder Schwermetalle im Reis haben das Vertrauen chinesischer Verbraucher in heimische Produkte gestört.

Der Milchpulver-Skandal kam 2008 kurz nach den Olympischen Sommerspielen ans Licht. Produzenten hatten die verbotene Chemikalie Melamin unter Milchpulver gemischt. Es ist ein industrielles Bindemittel, mit dem minderwertige Milch künstlich aufgebessert werden kann. Die Bilanz: Mindestens sechs Säuglinge starben, fast 300.000 Kleinkinder erkrankten an Nierensteinen. Infolge des Skandals kauften Eltern in China verstärkt deutsche Milchnahrung für ihre Kinder.

mmq/dpa



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