Mögliche Versorgungsengpässe Chinesische Regierung ruft Bevölkerung zur Vorratsbildung auf

Angesichts von Ernteausfällen und Lockdowns raten chinesische Behörden zum Kauf von Vorräten. Weil das umgehend für Schlangen in den Supermärkten sorgte, beschwichtigen Staatsmedien nun.
Schlange in einem Supermarkt in Peking: Wasservorrat gegen die Krise?

Schlange in einem Supermarkt in Peking: Wasservorrat gegen die Krise?

Foto: WU HONG / EPA

Die Aufforderung des Handelsministeriums war wohl gut gemeint, doch sie schoss über das Ziel hinaus: Erst riet die chinesische Regierung Familien angesichts möglicher Versorgungsengpässe wegen Corona-Ausbrüchen und starken Regenfällen zur Bevorratung mit Waren des täglichen Bedarfs. Doch nun zwang die öffentliche Reaktion die staatlichen Medien dazu, zu beschwichtigen und die Anweisung zu präzisieren.

Die »Economic Daily« schrieb, mit dem Aufruf solle sichergestellt werden, dass die Bürger im Falle eines Lockdowns nicht unvorbereitet getroffen werden. Der »People's Daily« zufolge gibt das Ministerium jedes Jahr derartige Hinweise heraus, hat aber diesmal aufgrund von Naturkatastrophen, steigenden Gemüsepreisen und den Corona-Ausbrüchen eine Anweisung erteilt.

In der Erklärung des Ministeriums vom späten Montagabend wurden die lokalen Behörden aufgefordert, gute Arbeit bei der Sicherstellung der Versorgung und der Preisstabilität zu leisten.

Sobald diese Nachricht bekanntwurde, haben alle alten Leute in meiner Nähe in Panik im Supermarkt eingekauft.

Ein Nutzer des Kurznachrichtendienstes »Weibo«

In den sozialen Medien kochte das Thema hoch. »Sobald diese Nachricht bekanntwurde, haben alle alten Leute in meiner Nähe in Panik im Supermarkt eingekauft«, schrieb ein Nutzer auf Chinas Twitter-ähnlichem Kurznachrichtendienst Weibo. Lokale Medien haben kürzlich Listen mit empfohlenen Vorräten für zu Hause veröffentlicht, darunter Kekse und Instantnudeln, Vitamine, Radios und Taschenlampen.

Ansturm auf das Gemüseregal eines Supermarkts in Peking: Der Staat will die »nationale Gemüsereserve« freigeben

Ansturm auf das Gemüseregal eines Supermarkts in Peking: Der Staat will die »nationale Gemüsereserve« freigeben

Foto: WU HONG / EPA

Normalerweise unternimmt die Regierung zusätzliche Anstrengungen, um die Versorgung mit frischem Gemüse und Schweinefleisch vor Chinas Neujahrsfest zu verbessern. Der Feiertag fällt im Jahr 2022 auf Anfang Februar. Doch in diesem Jahr sind diese Bemühungen noch dringlicher geworden, nachdem extreme Wetterbedingungen Anfang Oktober die Ernten in Shandong – der größten Gemüseanbauregion des Landes – zerstört hatten. Auch Corona-Ausbrüche, die sich vom Nordwesten bis zum Nordosten des Landes erstrecken, drohen die Lebensmittelversorgung zu stören.

Vergangene Woche hatten sich die Preise für Gurken, Spinat und Brokkoli im Vergleich zu Anfang Oktober mehr als verdoppelt. Spinat war mit umgerechnet 2,25 Euro pro Kilogramm teurer als einige Teile von Schweinefleisch. Obwohl die Preise in den vergangenen Tagen wieder nachgegeben haben, erwarten Ökonomen für Oktober einen deutlichen Anstieg der Inflationsrate.

Einem Bericht des Staatsfernsehens vom späten Montagabend zufolge plant China auch die Freigabe von Gemüsereserven »zu einem geeigneten Zeitpunkt«, um steigenden Preisen entgegenzuwirken. Es ist nicht klar, welche Gemüsesorten China vorhält und wie groß diese Lager sind.

Die staatliche Planungsbehörde hat zu einer rechtzeitigen Neubepflanzung von Gemüsefeldern aufgerufen und die lokalen Regierungen aufgefordert, schnell wachsende Produkte zu unterstützen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sind in China Flächen von etwa 6,7 Millionen Hektar mit Gemüse bepflanzt.

mic/Reuters