Gas, Benzin und Diesel teurer CDU-Politiker Jung schlägt CO₂-Preissprung schon für 2022 vor

Fossile Kraftstoffe sollen teurer werden, Strom billiger: CDU-Klimaexperte Andreas Jung schlägt vor, den CO₂-Preis bereits zum Jahreswechsel deutlich zu erhöhen. Welche Mehrkosten für Auto und Heizung das bedeuten würde.
Stau in Hamburg: Benzin und Diesel würden durch eine höhere CO₂-Abgabe einige Cent teurer

Stau in Hamburg: Benzin und Diesel würden durch eine höhere CO₂-Abgabe einige Cent teurer

Foto: Canetti / iStockphoto / Getty Images

Der CO₂-Preis auf Öl und Gas solle bereits im kommenden Jahr um 20 Euro auf 45 Euro pro Tonne steigen – das hat der stellvertretende Vorsitzende und Klimaexperte der Unionsfraktion, Andreas Jung, in einem Interview mit der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« vorgeschlagen. Das wären 15 Euro mehr als nach den aktuellen Plänen vorgesehen.

Für 2023 schlägt Jung 55 Euro vor (20 Euro mehr als geplant), für 2024 dann 65 Euro. Nach 2025 solle ein Marktmechanismus den CO₂-Preis regeln – zwei Jahre früher als bisher angedacht. Gleichzeitig müsse Strom billiger werden, um die privaten Haushalte zu entlasten, so Jung weiter.

Ähnliche Vorschläge zu einem höheren CO₂-Preis hatte Anfang Mai der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, gemacht. Auch die Grünen plädieren für einen höheren CO₂-Preis.

Benzin und Diesel würden je Liter etwa sechs Cent teurer

Seit Jahresbeginn gilt im Verkehr sowie bei Gebäuden ein CO₂-Preis in Höhe von 25 Euro pro ausgestoßener Tonne Kohlenstoffdioxid. Er verteuert fossile Energieträger und soll einen Anreiz dafür schaffen, auf klimafreundlichere Alternativen umzusteigen. Für Benzin ergibt sich in diesem Jahr nach Angaben der Bundesregierung ein Aufschlag von etwa sieben Cent pro Liter. Ein Anstieg des CO₂-Preises um 20 auf 45 Euro würde Benzin und Diesel laut ADAC  um weitere knapp sechs Cent pro Liter verteuern.

Auch fürs Heizen mit Gas fallen höhere Kosten an: In einem typischen, etwas älteren Einfamilienhaus würden zum kommenden Jahreswechsel zusätzlich knapp 100 Euro brutto im Jahr fällig – das ergibt sich aus Daten der Verbraucherzentrale . Demnach stößt die Heizung eines solchen Hauses etwa vier Tonnen CO₂ aus. Wer mit Öl heizt, muss mit einem noch höheren Aufschlag rechnen.

SPD und Verbraucherschützer skeptisch

Nach den aktuellen Plänen soll der CO₂-Preis bis 2025 schrittweise auf 55 Euro pro Tonne steigen. Nach Ansicht von Jung reicht das nicht, um die am vergangenen Mittwoch beschlossenen höheren Klimaziele der Bundesregierung erreichen zu können.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) lehnt eine zeitnahe CO₂-Preis-Erhöhung bislang ab. Sie argumentiert, dass es zunächst ausreichend Alternativen zu fossilen Brennstoffen geben müsse. Der soziale Ausgleich sei wichtig, es könne nicht darum gehen, Menschen einfach nur finanziell zu belasten, erklärte Schulze am Mittwoch.

Auch der Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes (vzbv), Klaus Müller, warnt im »SPIEGEL « vor sozialer Ungerechtigkeit durch steigende CO₂-Preise. »Alle zusätzlichen Einnahmen aus der Bepreisung von CO₂ müssen an die Bürger – idealerweise pro Kopf – zurückfließen«, sagte Müller. Andere Forscher und Klimaaktivisten schlagen ebenfalls vor, die Kosten für den CO₂-Preis mit einer Prämie für alle Bürger zu kompensieren.

nis/dpa
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