Engpass wegen Corona Einmalhandschuhe werden knapp - und teuer

Im Frühjahr waren Masken rar, nun bedroht ein erneuter Engpass das Gesundheitswesen: Die Preise für simple Untersuchungshandschuhe explodieren. Das Deutsche Rote Kreuz verschickt bereits Warnungen.
Untersuchungshandschuhe: "Wir werden einfach höhere Preise akzeptieren müssen"

Untersuchungshandschuhe: "Wir werden einfach höhere Preise akzeptieren müssen"

Foto: Sergei Bobylev / ITAR-TASS / imago images

Nach dem drastischen Mangel bei persönlicher Schutzausrüstung wie Atemschutzmasken oder Schutzkitteln zu Beginn der Corona-Pandemie zeichnet sich nun ein neues Problem ab: Die Preise für Einmalhandschuhe explodieren. So warnt etwa das Führungs- und Lagezentrum des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg in einer internen Nachricht, dass sich aktuell ein Lieferengpass abzeichne. Dieser können das ganze nächste Jahr andauern und würde unmittelbar bevorstehen oder bereits schon eingetreten sein. "In diesem Zusammenhang werden sich die Beschaffungspreise wohl deutlich erhöhen", heißt es in der Warnung, die auch an Rettungsdienste im Südwesten ging.

Ein Lieferant habe dem DRK bereits mitgeteilt, dass er mit Preisen zwischen 15 und 20 Euro pro Packung, also für 100 Handschuhe, rechne.  Das Problem: Bei Einmalhandschuhen handelt es sich nicht um spezifische Schutzausrüstung, die nur für den Umgang mit Covid-19-Patienten benötigt wird. Vielmehr gehe es hier "um täglich in großem Umfang verwendetes Verbrauchsmaterial", so das DRK Baden-Württemberg. Die Kreisverbände sollten "dringend" ihre Bestände prüfen und wenn nötig, "entsprechende Beschaffungen" einleiten. Einmalhandschuhe gehören zur grundlegenden Ausstattung in allen Bereichen der Medizin und Pflege.

Doch es wird gar nicht so einfach werden, sich mal eben zu bevorraten. "Das dürfte nicht gehen, denn auch ein Lieferant bekommt nicht mehr, als er vorher bestellt hat", sagt Michael Koch, Produktmanager bei Medika Medizintechnik im fränkischen Hof. Der Preis schieße schon jetzt in die Höhe, normalerweise würde eine Hunderterpackung Untersuchungshandschuhe rund 2,50 Euro im Verkauf kosten, derzeit liege der Preis sechs- bis siebenfach höher. "Die Lage ist verrückt und wird 2021 andauern", glaubt auch Koch.

Der Grund liege in der durch die Coronakrise extrem gestiegenen Nachfrage. "Man kann nicht mal eben eine neue Fabrik aus dem Boden stampfen", sagt er. Auch bei Handschuhen ist die Abhängigkeit von China groß, Koch spricht von 70 Prozent; Thailand oder Malaysia spielten eine unterordnete Rolle bei der Produktion. Ein Großteil der Handschuhe wird heute nicht mehr aus Latex gefertigt, sondern aus synthetisch hergestelltem Nitril.

Spekulanten haben das Geschäft entdeckt

Koch fühlt sich erinnert an die Zeit, als die fehlenden Schutzmasken zu den größten Sorgen in Deutschland gehörten. "Seit mehr als vier Wochen prüfe ich nun sehr genau alle Zertifikate auf Fälschungen, dass einem nicht falsch deklarierte Produkte untergeschoben werden. Gleichzeitig haben wohl auch Spekulanten das Geschäft entdeckt und treiben den Markt zusätzlich an", sagt er.

Die Zeit drängt, denn wegen des chinesischen Neujahrsfestes im Februar 2021 müssen alle Bestellungen spätestens Anfang November platziert sein. "Wenn es wieder einen sehr starken Anstieg der Fallzahlen im Frühjahr 2021 gibt, könnte es auch in anderen Bereichen erneut zu massiven Engpässen kommen", glaubt Koch.

Sterile Operationshandschuhe sind bisher nicht von der Knappheit betroffen. Doch sie sind keine Alternative für die einfachen und untersterilen Untersuchungshandschuhe. Ein Paar der keimfrei abgepackten Handschuhe kostet im Schnitt 35 Cent. Selbst bei Hunderterpreisen von 20 Euro wäre also der Einsatz der Standardware ökonomischer. Koch glaubt: "Wir werden einfach höhere Preise akzeptieren müssen."

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