Einbruch der Wirtschaft Coronakrise könnte Immobilienboom stoppen

Die Coronakrise dürfte nach Einschätzung von Ökonomen den Anstieg der Mieten und Immobilienpreise dämpfen. Ein Crash des Marktes sei aber nicht zu erwarten.
Neubauwohnungen in der Hamburger HafenCity

Neubauwohnungen in der Hamburger HafenCity

Foto: Markus Scholz/ dpa

Angesichts der Unsicherheit über die Folgen der Pandemie und der Ausgangsbeschränkungen dürfte der Wohnungsmarkt in den nächsten beiden Monaten zum Erliegen kommen. Der Grund: Besichtigungen finden kaum statt, und viele Käufer halten sich zurück, weil sie um ihre Jobs bangen oder schrumpfende Einkommen erwarten.

Aus Sicht von Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW), sei deshalb ein Ende des zehnjährigen Immobilienbooms in Deutschland denkbar, wenn sich die Krise noch Monate hinziehe und der Alltag der Menschen stark eingeschränkt bleibe. Er erwartet eine Stagnation der Immobilienpreise oder leichte Rückgänge. "Der Immobilienmarkt kann sich einem Einbruch der Wirtschaft nicht entziehen", sagt Voigtländer.

2019 verteuerten sich Wohnungen und Häuser laut Zahlen des Statistischen Bundesamts noch um mehr als fünf Prozent. Bei Google-Suchen zu kaufen, mieten oder wohnen sind laut Voigtländer aber schon Rückgänge zu beobachten. Auch Vermittler von Baufinanzierungen wie Hüttig & Rompf verzeichneten zuletzt einen Rückgang bei den Kundenanfragen.

Zudem haben Menschen mit Aktienvermögen im jüngsten Börsencrash viel Geld verloren - das fehlt nun womöglich zum Wohnungskauf. "Der Druck auf die Immobilienpreise wächst", sagt Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der Bochumer EBZ Business School. Auch er glaubt: "Ein Ende des langen Immobilienbooms ist denkbar."

Das Potenzial für Mietsteigerungen könnte ebenfalls beschränkt sein, weil die Einkommen weniger stark steigen dürften als vor der Krise. Daneben belasten auch neue Vorschriften zum Mieterschutz bei Zahlungsverzug die Vermieter: Sie dürfen Mietern nicht mehr kündigen, wenn diese wegen der Coronakrise die Miete nicht zahlen können. Gelten soll dies zunächst für Mietschulden von April bis Ende Juni, wie das Bundeskabinett am Montag beschloss.

Große Wohnungskonzerne haben Mietern bereits Zugeständnisse gemacht: So verzichtet LEG Immobilien im Zusammenhang mit der Coronakrise vorerst auf Mietsteigerungen oder Kündigungen. Auch Vonovia sieht wegen der Pandemie bis auf Weiteres von höheren Mieten ab, Deutsche Wohnen hat zugesagt, Zahlungen zu stunden.

Verzögerungen auf Baustellen wegen Corona

"Die rosigen Zeiten für Vermieter sind vorbei, und der Verhandlungsspielraum für Mieter könnte wieder wachsen", sagt IW-Ökonom Voigtländer. "Viele Vermieter dürften erst mal froh sein, wenn sie zuverlässige Mieter nicht verlieren."

Ein Einbrechen der Mieten und Kaufpreise sieht IW-Experte Voigtländer aber nicht. Preisrückgänge um 30 Prozent, wie manche Beobachter schon prophezeiten, halte er für unwahrscheinlich. "Die Wohnungsknappheit in den Städten bleibt, die Zinsen für Finanzierungen sind niedrig, und viele Menschen haben hohe Vermögen."

An der Wohnungsknappheit in vielen Städten dürfte sich indes so schnell nichts ändern. Denn die Coronakrise trifft auch die Baubranche. Mancherorts kommt es schon zu Verzögerungen. "Große Baufirmen haben Probleme, da bei Subunternehmen ausländische Arbeitskräfte fehlen", teilt der Zentralverband Deutsches Baugewerbe mit. Die Bauarbeiten im Land gingen weiter, wenn auch mit erhöhten Vorsichtsmaßnahmen. "Die Arbeiter müssen Abstand halten und notfalls in versetzten Schichten arbeiten."

hej/dpa