Konsumklima "Die Verbraucher erwachen aus der Schockstarre"

Die Corona-Einschränkungen haben den Konsum einbrechen lassen, jetzt hellt sich das Konsumklima laut neuen GfK-Zahlen langsam wieder auf. Fraglich sei aber, ob die Deutschen je wieder so viel kaufen wie vor der Krise.
Die Einkaufsmeilen füllen sich wieder: Passanten auf der Hohen Straße in Köln

Die Einkaufsmeilen füllen sich wieder: Passanten auf der Hohen Straße in Köln

Foto:

Henning Kaiser/ dpa

Nach dem Ende der Corona-Einschränkungen im Handel scheint die Kauflust der Deutschen nach und nach zurückzukehren. Für Juli sagt das Konsumklima-Barometer der Marktforschungsfirma GfK einen Anstieg um neun Punkte auf minus 9,6 Zähler voraus.

"Die Verbraucher erwachen zunehmend aus der Schockstarre, die noch im April zu einem beispiellosen Absturz der Stimmung geführt hatte", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Aber wir sind noch nicht über dem Berg". Der aktuelle Wert ist immer noch der drittniedrigste, der von den Nürnberger Marktforschern jemals gemessen wurde.

Was die konjunkturellen Aussichten angeht, ist die Zuversicht bei den Deutschen dagegen zurückgekehrt. Der GfK-Indikator für die Konjunkturerwartung liegt derzeit bei 8,5 Zählern und damit sogar über dem langjährigen Mittel von Null. Auch der Pessimismus hinsichtlich des Einkommens schwinde weiter.

Mehrwertsteuersenkung könnte Konsum stützen

"Das schwache Licht am Ende des Tunnels, das sich bereits im vergangenen Monat abzeichnete, wird offenbar etwas heller" sagte Bürkl. Dazu trügen auch Konjunkturhilfen wie die Ankündigung einer befristeten Mehrwertsteuerabsenkung bei. Sofern Händler und Hersteller diese auch an die Verbraucher weitergeben sollten, sei davon auszugehen, dass die eine oder andere geplante Anschaffung auf das zweite Halbjahr 2020 vorgezogen werde und somit dem Konsum in diesem Jahr als Stütze der Konjunktur diene.

Fraglich ist Bürkl zufolge jedoch, ob das Konjunkturklima jemals wieder den Wert von vor der Krise erreichen wird. "Es könnte sich herausstellen, dass sich Kaufverhalten ändert", Die Frage: "Brauche ich das alles überhaupt?" werde häufiger gestellt als bisher. Hinzu komme das Risiko eines Corona-Rückschlages. Infektionsereignisse wie in Fleischbetrieben Nordrhein-Westfalens oder auch bei umstrittenen Tennis-Großveranstaltungen im Urlaubsland Kroatien könnten zu einer Verunsicherung führen.

Die GfK hatte für die Studie im Auftrag der EU-Kommission 2000 Menschen in Deutschland im Zeitraum zwischen 3. und 15. Juni befragt. Die Untersuchung bezieht sich auf den gesamten privaten Konsum. Die Deutschen tätigen etwa 30 Prozent ihrer Konsumausgaben im Einzelhandel, der Rest wird in Miete, Reisen, Freizeit oder Dienstleistungen gesteckt.

dab/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.