Urlaubsbranche in Coronakrise Regierung will Gutscheine für abgesagte Reisen absichern

Massenhafte Ansprüche auf Rückzahlungen überfordern die Urlaubsbranche. Die Bundesregierung schlug eine umstrittene Gutscheinlösung vor - und will nun nachbessern.
Wenn der Urlaub ausfällt - Gutschein statt Erstattung?

Wenn der Urlaub ausfällt - Gutschein statt Erstattung?

Foto: Daniel Reinhardt/ DPA

Nach Kritik an geplanten Gutscheinen für abgesagte Reisen hat die Bundesregierung angekündigt, für die Wertscheine einzustehen. "Kein Kunde darf sein Geld verlieren", sagte der Tourismusbeauftragte Thomas Bareiß (CDU), "deshalb wollen wir den Wert der Gutscheine staatlich absichern."

Bislang haben Reisende bei abgesagten Reisen und Kultur- oder Sportveranstaltungen ein Recht darauf, ihr Geld erstattet zu bekommen. Weil die fälligen Rückzahlungen wegen massenhafter Absagen während der Coronakrise jedoch die Möglichkeiten der Anbieter übersteigen könnten, sollen nach dem Willen der Bundesregierung stattdessen Gutscheine ausgestellt werden.

Verbraucherschützer hatten den Vorschlag als "Zwangskredite der Verbraucher an die Unternehmen" abgelehnt und eine Rückzahlung der Reisekosten gefordert. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte, es könne nicht sein, dass "die Kunden den Rettungsschirm für die Reisebranche finanzieren müssen". Gutscheine zu akzeptieren dürfe daher nicht verpflichtend sein, sondern nur optional.

"Es wird eine Härtefallregelung geben"

"Natürlich müssen die Verbraucher ihr Geld zurückbekommen können, wenn sie den Gutschein nicht einlösen und keine Reise antreten", sagte Tourismusbeauftragter Bareiß. Deshalb würden die Wertscheine zeitlich begrenzt. "Und für all diejenigen, die es besonders hart trifft und ihr Geld schnell selbst brauchen, wird es eine Härtefallregelung geben", so Bareiß.

Die Gutscheine sollen bis Ende 2021 befristet sein und für alle Tickets gelten, die vor dem 8. März gekauft wurden. Löst ein Kunde seinen Gutschein bis Ende 2021 nicht ein, muss der Veranstalter ihm den Wert erstatten.

"Die Gutscheine sind in dieser schwierigen Lage ein guter Kompromiss, um die Arbeitsplätze bei den Reiseveranstaltern und Reisebüros zu sichern und gleichzeitig die Kundeninteressen zu wahren", sagte Bareiß. Er verwies darauf, dass wegen der Coronakrise auch 85.000 Mitarbeiter von Reisebüros und Veranstaltern um ihre Jobs bangten und die Unternehmen schwer belastet würden. Zusätzlich zu den ausbleibenden Buchungen würden nun auf einen Schlag bisherige Einnahmen zurückgefordert - das hielten auch "kerngesunde Unternehmen" nicht aus.

Regierung dafür - Brüssel dagegen

Die Bundesregierung hatte sich am Donnerstag dafür ausgesprochen, Veranstalter von Pauschal- und Flugreisen von der Rückerstattungspflicht bis Ende 2021 zu entbinden. Für die Umsetzung des Plans braucht sie noch die Zustimmung aus Brüssel. Die zuständigen Ministerien richteten ein entsprechendes Schreiben an die EU-Kommission.

Die EU hält bislang am grundsätzlichen Anspruch auf Kostenerstattung fest - appelliert allerdings an die Verbraucher, Gutscheine nach Möglichkeit zu akzeptieren.

ire/dpa
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