Banken-Prognose Coronakrise treibt Sparquote in Deutschland auf Rekordwert

Von 100 Euro Einkommen landen 17 auf der hohen Kante: Die Menschen in Deutschland dürften in diesem Jahr einen Sparrekord aufstellen – Corona hat die Gelegenheiten zum Geldausgeben deutlich reduziert.
Fußgängerzone in Stuttgart: Zwar gut besucht – aber deutlich schwächer als sonst in der Weihnachtszeit

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Foto: Arnulf Hettrich / imago images

Wie schnell die Konjunktur in Deutschland nach der Pandemie wieder auf Vorkrisenniveau kommen wird, wird auch davon abhängen, wie groß die Konsumlaune der Einwohnerinnen und Einwohner dann sein wird. Zumindest am nötigen Geld dafür sollte es vielen dann nicht fehlen – darauf deuten Daten zum Sparverhalten und zur Kaufkraft der Verbraucher hin.

So dürfte die Sparquote in Deutschland laut Einschätzung des Bankenverbandes BVR im laufenden Jahr den Rekordwert von rund 17 Prozent erreichen. Das bedeutet: Auf das ganze Jahr gerechnet werden die privaten Haushalte in Deutschland demnach von 100 Euro verfügbarem Einkommen im Schnitt etwa 17 Euro zur Seite legen. Das ist selbst bei den im Schnitt notorisch sparsamen Verbrauchern in Deutschland so viel wie noch nie. Die bislang höchsten Sparquoten in Deutschland wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1991 und 1992 mit jeweils 12,9 Prozent gemessen. 2019 waren es 10,9 Prozent.

Hauptgrund für die hohe Sparquote dürften die pandemiebedingten Einschränkungen sein, sowohl während der Shutdowns im Frühjahr und seit November. Auch teure Urlaubsreisen waren in diesem Jahr kaum möglich.

Die gestiegenen Sparguthaben vieler Verbraucher dürften nach BVR-Einschätzung den Konsum anschieben, wenn die Beschränkungen dauerhaft wegfallen werden. »Nach Überwindung der Corona-Pandemie besteht die Chance, dass die Bundesbürger ihre Sparrücklagen verstärkt für Konsum nutzen«, sagte der Vorstand des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Andreas Martin. Im dritten Quartal 2020 lag die Sparquote nach BVR-Angaben bei 16,2 Prozent und damit deutlich über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Im Sommer des laufenden Jahres war die Sparquote in Deutschland sogar auf 21,1 Prozent geklettert.

In die gleiche Richtung zeigen Berechnungen des Nürnberger Konsumforschungsunternehmens GfK, nach denen die Kaufkraft der Verbraucher in Deutschland in der Coronakrise steigt. GfK prognostiziert für das Jahr 2021 eine Kaufkraftsumme von knapp 1966 Milliarden Euro, pro Kopf wären das mit 23.637 Euro zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Einfluss der Coronakrise auf die Kaufkraft ist aber den Erkenntnissen der GfK zufolge in den einzelnen Regionen unterschiedlich stark. So sei Berlin – bezogen auf die Kaufkraft – am wenigsten von der Pandemie betroffen, das baden-württembergische Tübingen dagegen am meisten. Die privaten Konsumausgaben stehen in Deutschland für gut die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung.

fdi/dpa