Coronakrise Von der Leyen rät von Buchung des Sommerurlaubs ab

Maue Reisezeit: Über Ostern nutzen wegen der Coronakrise nur ein Fünftel so viele Fahrgäste die Bahn wie 2019. Und die Chefin der EU-Kommission hält es für klug, auch für den Sommer noch keine Urlaubspläne zu schmieden.
Touristen an Mallorcas Nordküste: "Für Juli und August kann derzeit niemand verlässliche Vorhersagen machen", sagt Ursula von der Leyen

Touristen an Mallorcas Nordküste: "Für Juli und August kann derzeit niemand verlässliche Vorhersagen machen", sagt Ursula von der Leyen

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Fomento del Turismo de Mallorca

Die umfassenden Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie schränken die Reisen der Bundesbürger bereits deutlich ein - ein Zustand, der wahrscheinlich noch für eine Zeit anhalten wird. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rät jedenfalls aktuell von der Buchung des diesjährigen Sommerurlaubs ab. "Ich rate dazu, mit solchen Plänen noch zu warten. Für Juli und August kann derzeit niemand verlässliche Vorhersagen machen", sagte von der Leyen der "Bild am Sonntag" ("BamS").

Skeptisch äußerte sie sich zum Beschluss der Bundesregierung, dass Kunden für Reisen, die sie wegen der Corona-Pandemie nicht antreten können, erst einmal nur einen Gutschein erhalten sollen. "Europaweit haben die Menschen rein rechtlich die Wahl, ob sie das Geld oder einen Gutschein wollen", bekräftigte die Behördenchefin die Auffassung, die die EU-Kommission bereits in den vergangenen Wochen deutlich gemacht hat.

Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen

Foto: Nicolas Landemard / Le Pictorium/ imago images/Le Pictorium

Die Kommissionschefin appellierte aber an Kunden, die es sich leisten können, sich gegen eine Auszahlung zu entscheiden: "In dieser Krise ist die Solidarität aller gefragt. Wem es finanziell möglich ist, der sollte nicht auf Geld bestehen, sondern mit Gutscheinen helfen, dass Reiseunternehmen diese schwierigen Wochen überbrücken können." Die Ansprüche der Kunden sollten dabei aber abgesichert bleiben.

Weniger Verkehr über Ostern

Die Deutsche Bahn verzeichnet bereits seit Wochen einen Einbruch bei den Passagierzahlen. Der "BamS" zufolge registrierte sie für die Ostertage nur knapp 300.000 Buchungen im Fernverkehr. Im Vorjahr waren es noch 1,5 Millionen. Damit liegen die Buchungen verglichen mit Ostern 2019 bei rund einem Fünftel - immerhin etwas höher als in den vergangenen Wochen, als die Bahn nur noch 10 bis 15 Prozent des sonst üblichen Niveaus an Fahrgästen in ihren Fernzügen zählte. Im Güterverkehr fahren demnach täglich 2000 Züge, dazu Sonderzüge vorrangig mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern.

Auch die Pannenhelfer des ADAC haben derzeit deutlich weniger zu tun. Sie wurden am Gründonnerstag laut der Zeitung 8753-mal gebraucht, am Karfreitag 3951-mal. Das ist ein Rückgang von jeweils 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Union legt deutlich zu

Zu den Profiteuren der Coronakrise zählt hingegen die Union. CDU und CSU stehen laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar für die "BamS" in der Wählergunst so gut da wie seit September 2017 nicht mehr. Im Sonntagstrend legen die Unionsparteien verglichen mit der Vorwoche um vier Prozentpunkte zu und kommen nun auf 37 Prozent. Damit hat die Union innerhalb von fünf Wochen 13 Prozentpunkte hinzugewonnen.

Der Höhenflug der Union geht dabei auf Kosten fast aller anderen im Bundestag vertretenen Parteien: Die Grünen verlieren zwei Punkte und liegen mit 16 Prozent nun wieder hinter der SPD (17 Prozent), die trotz Regierungsbeteiligung einen Punkt verliert. Es ist der schlechteste Wert für die Grünen seit März 2019. Die AfD verliert einen Punkt und kommt nun auf zehn Prozent, der schlechteste Wert seit September 2017. Die FDP verharrt bei sechs Prozent und damit auf einem Niveau, das so niedrig zuletzt im Mai 2017 war. Lediglich die Linkspartei bleibt stabil bei neun Prozent.

fdi
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