Finanzministerium Schuldenstand steigt 2020 weniger stark als gedacht

Durch die Coronakrise wächst die deutsche Staatsverschuldung rasant. Nach neuen Berechnungen des Finanzministeriums wird der Anstieg 2020 allerdings nicht so krass wie vermutet.
Finanzminister Olaf Scholz

Finanzminister Olaf Scholz

Foto: FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Die Verschuldung Deutschlands wird trotz hoher Belastungen in der Coronakrise nicht so deutlich steigen wie zuletzt noch angenommen. Das geht aus neuen Berechnungen des Bundesfinanzministeriums hervor: In einem Dokument, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, wird für 2020 ein Schuldenstand von 71 Prozent der Wirtschaftsleistung in Aussicht gestellt. Wegen der erwarteten konjunkturellen Erholung dürfte die Staatsverschuldung 2021 leicht sinken auf 70,25 Prozent.

In der EU gilt eigentlich eine Obergrenze von 60 Prozent, die viele Staaten aber nicht einhalten und gerade wegen Belastungen in der Pandemie auch auf absehbare Zeit nicht schaffen werden. Deutschland lag 2019 bei knapp 60 Prozent. Wegen des hohen Haushaltsdefizits in diesem Jahr und der schweren Rezession geht die Schuldenlast nun deutlich nach oben.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte zuletzt aber noch höhere Werte genannt, oft rund 75 Prozent, teilweise auch 80 Prozent. Letzteres wäre in etwa das Niveau nach der weltweiten Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren gewesen. Jetzt fließen aber einige der Corona-Hilfen nicht ab oder werden doch nicht benötigt: "Dabei wird davon ausgegangen, dass das mögliche Volumen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds nicht vollständig in Anspruch genommen wird", heißt es mit Blick auf den Schuldenstand in diesem Jahr.

Scholz gilt als Verfechter der schwarzen Null. Durch den Corona-Einbruch der deutschen Wirtschaft musste er sich von diesem Ziel verabschieden. Mit rund 96 Milliarden Euro sieht der Haushaltsentwurf für 2021 die zweithöchste Neuverschuldung seit Bestehen der Bundesrepublik vor.

Anmerkung: In der ursprünglichen Fassung wurde die geplante Neuverschuldung des Bundes für das Jahr 2021 mit 96 Millionen Euro angegeben statt mit 96 Milliarden Euro.

kim/Reuters