Erst Uber, dann Corona Taxifahren könnte deutlich teurer werden

Vor Corona gab es in Berlin gut 8000 Taxen, im Januar 2022 sind es nur noch 5905: Wie in der Hauptstadt kämpft das Taxigewerbe bundesweit mit den Folgen der Pandemie. Für Fahrgäste wird es wohl auch deshalb teurer.
Könnte bald steigen: Der Fahrtpreis auf einem Taxameter

Könnte bald steigen: Der Fahrtpreis auf einem Taxameter

Foto: Holger Hollemann / dpa

Das deutsche Taxigewerbe kämpft mit den Folgen der Pandemie: Seit Beginn der Coronakrise ist die Zahl der Taxis, Unternehmen und Fahrer in Deutschland um rund ein Fünftel gesunken, schätzt der Bundesverband Taxi und Mietwagen. Insbesondere in den Großstädten, wo der Großteil der deutschen Taxis stehe, seien die Betriebe unter Druck, erklärt Geschäftsführer Michael Oppermann. Und die Schrumpfung ist wohl noch nicht vorbei, denn es ist eine Vielzahl von Effekten, die der Branche das Leben derzeit schwer macht.

Bundesweite aktuelle Zahlen zum Taxigewerbe gibt es nicht. Immerhin für Berlin liegen sie vor: Vor Corona gab es dort gut 8000 Taxen, im Januar 2022 nur noch 5905, wie das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten meldet. Zwar ist der Rückgang in der Hauptstadt wohl stärker als im Bundesdurchschnitt, doch er zeigt das Ausmaß des Problems.

Zum einen hat Corona viele Taxi-Geschäftsbereiche einbrechen lassen. Tourismus, Messen, Geschäftsreisen, Flughafenfahrten und Nachtleben – all das ging enorm zurück – besonders in den Großstädten. Und Oppermann ist skeptisch, dass in allen Bereichen die Werte vor der Pandemie wieder erreicht werden. Daneben war das Gewerbe bereits vor Pandemieausbruch durch Konkurrenten wie den Fahrdienstvermittler Uber unter Druck. Zu alledem kommen auch noch Rückforderungen von Coronahilfen, die anstehende Erhöhung des Mindestlohns und die kräftig gestiegenen Preise für Werkstattbesuche und Sprit.

Keine Nachholeffekte erwartet

Das größte finanzielle Problem ist laut Oppermann der Mindestlohn, denn Personal mache rund zwei Drittel der Kosten im Taxigewerbe aus. Die hohen Spritpreise fallen da – obwohl sie bei Diesel rund 40 Cent pro Liter über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegen – deutlich weniger ins Gewicht. Doch auch das könne der Tropfen sein, der das Fass für ein Unternehmen überlaufen lasse, denn die Tarife seien »auf Kante genäht«, betont Oppermann.

Um die Belastungen auszugleichen, müssten die Tarife für Taxifahrten steigen, sagt Oppermann. Und zwar möglichst bis zur für Oktober anstehenden Erhöhung des Mindestlohns. Dies muss von den jeweiligen Kommunen genehmigt werden. Normalerweise könne das ein Jahr dauern, doch jetzt hoffe er auf eine zügigere Umsetzung – möglichst bis zum Einsetzen des Mindestlohns.

Im Schnitt hält er eine Anhebung der Taxi-Tarife um rund ein Viertel für notwendig – je nachdem wann und wie stark zuletzt erhöht wurde. Dennoch glaubt Oppermann nicht, dass der Taxi-Schwund bereits beendet ist. Insgesamt geht er durch die Pandemie von einem Rückgang um ein Drittel bei Fahrzeugen, Fahrern und Unternehmen aus, mit dem bisherigen Fünftel sei das bei Weitem noch nicht erreicht. Und auch die anstehenden Lockerungen der Coronamaßnahmen werden das wohl kaum verhindern können. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Branchen seien keine Nachholeffekte zu erwarten, sagt Oppermann. »Die Leute fahren ja nicht jetzt zweimal um den Block, weil sie die letzten zwei Jahre so wenig Taxi gefahren sind.«

dop/dpa
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