Corona-Lockerungen Aber bitte mit Maske

Seit Beginn der Coronakrise sind Schutzmasken Mangelware. Nun sollen alle eine tragen, empfiehlt die Regierung. Doch wo gibt es welche? Und wie bereitet sich der Handel darauf vor? Der Überblick.
Supermarktkunden in Wien: In Österreich sind Masken Pflicht

Supermarktkunden in Wien: In Österreich sind Masken Pflicht

Foto: Georges Schneider/ imago images/photonews.at

Außer im Karneval waren Masken in Deutschland bislang vor allem in Krankenhäusern zu sehen. Um die nun angekündigten Lockerungen der Corona-Einschränkungen zu rechtfertigen, empfiehlt die Politik "dringend", im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel sogenannte Alltagsmasken zu tragen. Eine Maskenpflicht gibt es aber nicht.

Das könnte dem Lappen über Mund und Nase modisch zum Durchbruch verhelfen - und selbst mancher kriselnden Firma zusätzliche Aufträge bescheren. Doch der Mangel an geeigneten Mundschutzen droht, das Comeback nach Corona zu verzögern.

Wo also soll überall Maske getragen werden? Welche gibt es, wo kann man sie kaufen und zu welchem Preis? Und fehlen die Masken dann nicht da, wo sie am dringendsten benötigt werden?

Wie die Handelsketten die Maskenempfehlung umsetzen

In Deutschland gehen Altkanzler Gerhard Schröder und seine Ehefrau Soyeon Schröder-Kim zwar mit gutem Beispiel beim Einkauf voran . Die Handelsketten sind bei der Ausgabe der Mundschutze jedoch noch eher zurückhaltend. "Wir statten zunächst unsere Mitarbeiter kurzfristig mit Mund-Nasen-Schutz und/oder Gesichtsvisieren aus", teilte eine Rewe-Sprecherin mit. Ob und wie auch den Kunden Mundschutz angeboten werden könne, "ist derzeit noch in Prüfung".

Beim Drogeriemarkt dm teilte Geschäftsführer Christoph Werner mit: "Wir statten aktuell unsere Mitarbeiter in den mehr als 2000 dm-Märkten in Deutschland mit Mundschutzmasken für den eigenen Bedarf aus, um auch für den Fall einer behördlichen Verordnung gerüstet und handlungsfähig zu sein."

Ähnlich ist die Lage bei Lidl: "Wir werden unseren Mitarbeitern Masken zur Verfügung stellen. Eine Ausgabe an Kunden ist aktuell nicht geplant", teilt das Unternehmen mit.

Bei Edeka hingegen fehlen "entsprechende Mengen" an Mundschutzen: Man unterstütze die Maskenempfehlung, "Stand heute sind wir aber noch nicht in der Lage, ausreichend Schutzmasken für unsere Kolleginnen und Kollegen in den Märkten und für unsere Kunden zur Verfügung zu stellen", schreibt eine Sprecherin. Edeka hoffe aber, bis Anfang Mai sowohl für Mitarbeiter als auch für die Kunden Masken anbieten zu können.

Auch Aldi Nord prüfe in der Maskenfrage derzeit "sämtliche Handelsoptionen". Ob Masken an die Kunden ausgegeben oder verkauft werden sollen, beantwortet das Unternehmen nicht. Aldi Süd plant derzeit ebenfalls keine Mundschutzmasken an Kunden zu verkaufen oder kostenlos abzugeben.

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Österreich ging da weiter: Dort gilt seit bereits mehr als einer Woche eine Maskenpflicht. Die großen Handelsketten gaben dafür an den Eingängen ihrer Märkte Mundschutz an ihre Kunden aus - bei Spar, Hofer und Lidl auch kostenlos. Bei den zur Rewe-Gruppe gehörenden Billa-Märkten und bei Merkur oder Penny mussten die Kunden pro Stück dagegen etwa einen Euro bezahlen, was in Österreich zu hitzigen Diskussionen führte - schließlich sollten die Konzerne damit keinen Gewinn machen dürfen. Mehrere Millionen Masken werden in dem Land täglich ausgegeben, die Einzelhändler hatten sich darauf offenbar eingestellt.

Schnellen Handlungsbedarf in Deutschland sieht dagegen die Verbraucherzentrale: "Wenn Mundschutz beim Einkaufen empfohlen wird, ist der Handel gefragt, Masken kostenlos oder zum Selbstkostenpreis zur Verfügung zu stellen", schreibt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Und fügt hinzu: "Wichtig, dass auch Schals oder Selbstgenähtes zugelassen werden."

Die Maskenvielfalt - welche die Politik empfiehlt und was diese bringen

Es gibt drei verschiedene Typen von Masken. Die einfachste Form ist eine Stoffmaske für Mund und Nase, die ohne spezielle Lizenz hergestellt werden kann. Diese einfachen Schutzmasken aus Stoff können nicht zuverlässig vor Infektionen schützen. Sie tragen jedoch dazu bei, die Verbreitung infektiöser Tröpfchen einzugrenzen. Sie erinnern Träger zudem daran, Abstand zu halten - und mit ihnen berühren diese sich möglicherweise selbst auch weniger mit kontaminierten Fingern an Mund oder Nase. Auch solche einfachen Masken werden von der Politik empfohlen.

Als medizinisches Produkt gilt der enger am Kopf anliegende  Mund-Nasen-Schutz . Diese haben häufig einen eingenähten Drahtbügel, mit dem die Maske eng am Nasenrücken angepasst werden kann. Er soll vorrangig Dritte vor einer Ansteckung bewahren. Gesunde Menschen, die den Mundschutz in der Öffentlichkeit tragen, profitieren vermutlich nicht.

Für den bestmöglichen Schutz vor einer Infektion geeignet sind hingegen partikelfiltrierende Halbmasken   FFP  aus speziellem Vlies. Sie werden je nach Funktion in drei Klassen unterteilt: FFP1, FFP2 oder FFP3 - wobei sie erst ab FFP2 und FFP3 vor Krankheitserregern schützen. Diese Masken werden in medizinischen Einrichtungen verwendet, aber auch Handwerker setzen sie zum Schutz vor Staubpartikeln ein.

Mangelware Masken - wo man sie bekommt

90 Prozent der weltweit benötigten Masken stammen inzwischen aus China. Um diese tobt ein globaler Wettbewerb, der sich bis in die heimischen Apotheken auswirkt. "Es bestehen weiterhin Lieferengpässe bei OP-Masken und bei FFP-Masken", teilte eine Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mit. Da Schutzausrüstung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen dringend gebraucht werde, würden diese - sofern verfügbar - von den meisten Apotheken prioritär versorgt. "Deshalb kann es für Bürger schwierig werden, in der Apotheke Schutzausrüstung zu kaufen."

Auch beim Drogeriemarkt dm gibt es Lieferprobleme. "Wir möchten unseren Kunden gern Mundschutzmasken anbieten. In der derzeitigen Ausnahmesituation ist die Beschaffung der Produkte jedoch sehr schwierig", teilte Sebastian Bayer, verantwortlich für Marketing und Beschaffung, mit. Auch die Mundschutzmaske der Hausmarke Mivolis sei bis auf Weiteres nicht mehr verfügbar, da die Produktion in Frankreich von einem Exportstopp betroffen sei.

Auch Aldi Süd verweist auf den Mangel: Zunächst müssten genug Masken verfügbar sein, "bevor Maßnahmen realisiert werden können, zumal der medizinische und der Pflegesektor Priorität bei der Versorgung mit entsprechenden Masken hat", sagt Sprecherin Annika Büschken.

Der Materialmangel - und was selbst Maschinenbauer dagegen tun

Enganliegende und sicher vor dem Virus schützende Masken der Kategorien FFP2 und FFP3 werden dringend in Krankenhäusern, Heimen und Arztpraxen benötigt. Der Mangel dort ist so groß, dass bereits empfohlen wird, die für den einmaligen Gebrauch gedachten Masken zu trocknen und zu sterilisieren. Den meisten Menschen wird daher im Alltag wohl sowieso nur der Mund-Nase-Schutz aus Stoff bleiben.

Doch selbst bei Stoff- und OP-Masken mit Spezialvlies als Filter kann es zu Verzögerungen kommen. Dieser Vlies wird nämlich knapp. "Leider sind unsere Fertigungskapazitäten für Vliesstoffe für Atemmasken zum aktuellen Zeitpunkt vollkommen ausgeschöpft", teilte zuletzt etwa die Firma Sandler in Schwarzenbach an der Saale mit, das gelte bis Juni.

Selbst einfache Stoffmasken können mitunter Mangelware sein. Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie sprach von einer "Herkulesaufgabe". Für die Produktion von Mund-Nase-Masken würden Lieferketten neu aufgebaut, Kapazitäten bei Vliesstoffherstellern vergrößert und ganze Produktionslinien umgestellt, sagte Hauptgeschäftsführer Uwe Mazura der "Rheinischen Post". "Es handelt sich dabei um Lieferketten, die seit Jahrzehnten in Europa nicht mehr nachgefragt waren." Fehlende Maschinen müssten vielerorts erst beschafft werden. "Angesichts der ungeheuren Dynamik können wir derzeit keine Größenordnungen für die Maskenproduktion in Deutschland beziffern."

Die Industrie tut einiges, um die Nachfrage nach Mundschutzen und Masken zu befriedigen. Auch in Troisdorf, beim Maschinenbauer Reifenhäuser und dem Vliesproduzenten Innovatec, übersteigt die Nachfrage die Produktion um ein Vielfaches. Der Chemiekonzern BASF kündigte zuletzt an, 100 Millionen Mund-Nasen-Schutzmasken an den Staat zu spenden. Die Masken sollen in China eingekauft und nach Deutschland verschickt werden.

Dem "Tagesspiegel" zufolge könnte der Maskenmangel im Sommer enden: An einer Ausschreibung des Bundesgesundheitsministeriums für insgesamt 40 Millionen OP-Masken pro Woche und zehn Millionen FFP2-Masken pro Woche hätten sich rund hundert Firmen beteiligt. Unter anderem bei der baden-württembergischen Firma Moldex laufe deshalb die Produktion auf Hochtouren.

Um dem Bedarf an Milliarden Schutzmasken gerecht zu werden, forciert die Bundesregierung den Ausbau heimischer Produktionskapazitäten. Ein Arbeitsstab im Wirtschaftsministerium tagt hierzu. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will mit der Deutschen Bahn zudem eine Landbrücke für Transporte mit dringend benötigter Schutzausrüstung von China nach Deutschland organisieren. Der CSU-Politiker sagte der "Bild am Sonntag": "Wir wollen damit zusätzlich zur 'Luftbrücke' wöchentlich zwischen 20 und 40 Tonnen Masken und Schutzmaterial für unsere Krankenhäuser, Altenheime und Pflegeeinrichtungen beschaffen und transportieren."

Die Maskenmacher - wer jetzt Masken näht

Wer darauf nicht zu Hause warten kann oder will, für den kann es zumindest beim einfachen Stoffschutz trotz aller Engpässe Alternativen geben:

  • Modeketten und Labels wie H&M, Trigema, Mey oder Rösch produzieren und vertreiben den waschbaren Schutz für Nase und Mund. Pro Stück sind teils mehr als zehn Euro fällig. Der angeschlagene Hemdenhersteller Eterna sieht durch die Herstellung von Schutzausrüstung gar für sich selbst eine Zukunft. Beispielsweise von Armed Angels gibt's die Masken auch als Fair-Trade-Variante.

  • Behelfsmasken erhält man häufig jedoch auch vom Änderungsschneider um die Ecke, an Marktständen oder von kleinen Anbietern handgemachter Masken im Internet - zum Teil mit ausgefallenen Mustern.

  • Bei Versandhändlern wie dem zur Otto-Group gehörenden Anbieter About You, der noch im April im großen Stil liefern können will.

  • Wer es exquisiter mag: Auch Luxusmarken wie Prada, Gucci, Burberry oder Ralph Lauren haben angekündigt, Mundschutze herzustellen.

Diese Art von Schutz kann man notfalls auch selbst herstellen . Das könnte gerade für Kinder eine Option sein, denn selbst der Spielzeughersteller Playmobil hat bislang bloß eine Variante für Erwachsene im Angebot . Allerdings besteht die Gefahr, dass die Eigenbaumasken Viren deutlich schlechter zurückhalten - und auch nicht mit einfachen OP-Masken konkurrieren können. Auf keinen Fall solle man für die Masken Marke Eigenbau auf Staubsaugerbeutel zurückgreifen, wie im Internet empfohlen werde, warnt die Drogeriekette dm: "Denn viele Staubsaugerbeutel beinhalten aus Hygienegründen ein feines antibakteriell wirkendes Pulver aus Polymer, das durch das Aufschneiden der Beutel freigesetzt werden kann." Direkt eingeatment, sei dies sowohl für Lunge als auch Verdauungsorgane gesundheitsschädigend.

Mit Material von dpa