Young Money Blog Corona-Check fürs Haushaltsbuch

Der Blick ins digitale Haushaltsbuch zeigt: Durch die Coronakrise sparen viele im Alltag viel Geld. Kann dieser Lebensstil ein dauerhaftes Modell für die Zukunft sein?
Foto: Jan Huebner/Blatterspiel/ imago images/Jan Huebner

Geld ausgeben war in den vergangenen Wochen gar nicht so einfach. Alles, was über Essen und Klopapier hinausging, konnte ich nur online bestellen. Das Bummeln am Wochenende in der Innenstadt fiel als Zeitvertreib genauso weg wie der Kneipen- oder Restaurantbesuch nach Feierabend. All den Konsum, den man sonst so nebenbei tätigt, gab es nicht.

Ich müsste am Ende des Monats also deutlich mehr übrighaben. Aber wie viel genau? Und könnte dieser sparsame Lebensstil ein dauerhaftes Modell für die Zukunft sein?  

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich mein digitales Haushaltsbuch einem Corona-Check unterzogen und mir meine Ausgaben im Detail angeschaut. Dazu habe ich die Ausgaben der vergangenen vier Wochen mit denen aus dem Vorjahresmonat verglichen.

Eines vorab: Ja, es klingt etwas spießig, eine Übersicht über seine Ausgaben und Einnahmen zu führen, aber diese Bestandsaufnahme ist nun mal die Basis für einen langfristig erfolgreichen Umgang mit Geld. Deshalb habe ich damit vor ein paar Jahren angefangen. Und weil es so wenig Aufwand ist, habe ich damit nicht mehr aufgehört. Ich rate jedem jungen Menschen, das zumindest für eine gewisse Zeit mal zu machen (eine Vorlage gibt es zum Beispiel hier ).  

Wenn ich einen Strich unter die vergangenen Wochen mache, zeigt sich: Ich habe während des Lockdowns für alle variablen Ausgaben (alles außer Fixkosten wie Miete, Telekommunikation und Versicherungen) 376 Euro weniger ausgegeben als in einem gewöhnlichen Monat - ein Rückgang von 37 Prozent. Dass ich so viel Geld durch Corona spare, hätte ich nicht gedacht, das sind auf den Tag gerechnet immerhin knapp 19 Euro.

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Damit habe ich offenbar noch mehr eingespart als die Deutschen im Schnitt. Eine Untersuchung des Start-ups Finanzguru zeigt, dass die Deutschen während des Lockdowns rund 20 Prozent weniger konsumiert haben als sonst. In den vergangenen Wochen gaben sie für alle variablen Ausgaben rund 200 Euro weniger aus als in den vier Wochen davor. Dazu hat der App-Anbieter die anonymisierten Kontodaten von rund 100.000 Kunden ausgewertet. Gleichwohl sind die Daten für Gesamtdeutschland nicht repräsentativ, weil die Einkommen der Finanzguru-Kunden über dem Bundesdurchschnitt liegen dürften.

Auf den ersten Blick kann man sich über das eingesparte Geld freuen. Die Wirtschaftslage ist unsicher, da zählt jeder Euro auf der hohen Kante - oder?

Doch wer so denkt, blendet dabei einen wichtigen Punkt aus: Dieses Geld fehlt nun all den Geschäften, Restaurants und Klubs, die womöglich gerade um ihre Existenz bangen. Außerdem habe ich großes Glück, dass ich eine bisher feste Arbeitsstelle habe. Ich war bisher also nicht gezwungen, auf meine Ausgaben zu achten, habe wegen der Ausgangsbeschränkungen nur weniger konsumiert als gewohnt.

Vermutlich wären meine Ausgaben noch viel geringer gewesen, wenn ich nicht aus Solidarität weiterhin bei meinem Lieblingsgriechen  und Lieblingsfischbrötchenladen  ab und zu Essen bestellt und abgeholt hätte. Außerdem habe ich mir ein live gestreamtes DJ-Set angehört und einem Berliner Klub  zehn Euro gespendet. All das kann meinen Konsumrückgang natürlich nicht ansatzweise auffangen.

Der hatte es nämlich in sich, wenn man sich die verschiedenen Ausgabenposten im Detail anschaut. Meine Ausgaben für Reisen waren am stärksten betroffen: Sie sind sogar auf null gefallen, weil ich aufgrund der Ausgangsbeschränkungen meine geplanten Wochenendreisen nicht antreten konnte.

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Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 28 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fondsanteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog .

Auch meine Ausgaben für auswärts Essen und Ausgehen sind stark zurückgegangen. Hier beträgt der Rückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat 277 Euro, also ein Rückgang von rund 80 Prozent (siehe Grafik). Schließlich war ich weder in einer Bar, einem Restaurant noch in einem Kino. Auch habe ich 100 Euro eingespart, die ich sonst pro Monat in der SPIEGEL-Kantine ausgebe.

Aufgefangen wird das zumindest dadurch, dass ich deutlich mehr Geld für Lebensmittel ausgegeben habe, nämlich 128 Euro mehr als sonst (+83 %). Im Alltag habe ich wenig Lust und Zeit, aufwendig zu kochen, durch den Lockdown habe ich dafür aber endlich Zeit gefunden: Statt mir abends schnell Nudeln zu machen, habe ich mir aufwendigere Gerichte aus frischeren und teureren Zutaten gekocht. Zudem habe ich zum ersten Mal in meinem Leben zumindest ein paar Vorräte angelegt, was auch einen Teil der hohen Ausgaben erklärt.

Einkaufen und Kochen ist mir normalerweise ziemlich lästig, doch nun haben diese grundlegenden Alltagsaufgaben eine große Befriedigung in mir ausgelöst. Ich fand es schön, Großeinkäufe zu machen und mich mit den Lebensmitteln auseinanderzusetzen. Auch habe ich viel weniger weggeschmissen als sonst.

Ich habe mir vorgenommen, dieses bewusstere und nachhaltigere Einkaufen auch in Zukunft fortzusetzen, wenn der Lockdown beendet ist. Was man sich einmal angewöhnt hat, gibt man so schnell nicht wieder auf, hoffe ich.

Mit meinem Kostenanstieg für Lebensmittel bin ich übrigens nicht allein: Laut Daten von Finanzguru haben die Deutschen zuletzt mehr als 30 Prozent ihres Budgets für Lebensmittel aufgewendet, knapp zwei Monate zuvor waren es lediglich rund 20 Prozent.

Insgesamt hat mir der Lockdown gezeigt, dass ich genauso glücklich bin, auch wenn ich deutlich weniger konsumiere. Statt wie geplant mit einem Billigflug und Mietwagen nach Budapest und Kopenhagen zu reisen, bin ich zu Hause geblieben und habe mit einem Elektroroller mir bis dahin unbekannte Ecken meiner Stadt erkundet (das erklärt den Anstieg der Mobilitätskosten). Und statt mir wie im vergangenen Jahr online neue Sneaker zu kaufen, habe ich mir in einem inhabergeführten Geschäft ein T-Shirt gekauft, das ich viel mehr wertschätze als das zehnte Paar Schuhe.

Ich werde auch in Zukunft versuchen, weniger zu konsumieren, dafür aber für einzelne, langlebigere Produkte mehr Geld auszugeben. Wenn das alle täten, könnte das die Wirtschaft zumindest ein bisschen nachhaltiger machen.    

Doch es gelang mir nicht immer, während des Lockdowns achtsam zu konsumieren. Nachdem ich ein Video auf Instagram gesehen hatte, orderte ich online drei sogenannte Resistancebands, um mein Homeworkout zu optimieren: drei Plastikgummibänder (vermutlich hergestellt in China) für 49,99 Euro. Ein ziemlicher Wucherpreis. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie vermutlich in irgendeiner Kiste verschwinden werden, wenn der Lockdown vorbei ist.