Weniger Unfälle Kfz-Versicherer machen Milliardenüberschüsse

Wer zu Hause bleibt, baut weniger Unfälle: Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass Kfz-Versicherer Milliarden sparen. Nun könnten auch die Beiträge sinken.
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Foto: DPA

Die Coronakrise hat die Mobilität in Deutschland deutlich reduziert - und damit einhergehend auch die Zahl der Verkehrsunfälle. Das wiederum schlägt sich in den Geschäftszahlen der Kfz-Versicherer nieder: Sie machen nach Berechnungen der Hannover Rück 2020 einen ungewöhnlich hohen Gewinn.

Schon im kommenden Jahr würden der Straßenverkehr und damit auch die Zahl der Schadensfälle allerdings wieder auf ein Normalmaß zurückkehren, sagte Andreas Kelb, der Leiter des deutschen Kfz-Geschäfts der Hannover Rück. Dann könnten einige der Kfz-Versicherer wieder in die Verlustzone rutschen.

Für 2020 erwartet Kelb 12 Prozent weniger Schäden als 2019. Dadurch winke den Kfz-Versicherern ein unerwartet satter Gewinn von 2,2 Milliarden Euro. 2021 hingegen werde branchenweit ein Verlust von 0,8 Milliarden Euro auflaufen.

10 Prozent geringere Ausgaben

Hintergrund sei der harte Wettbewerb um Kunden in Deutschland. So dürften die durchschnittlichen Versicherungsprämien im Kfz-Geschäft nach Kelbs Einschätzung auch 2021 kaum steigen. Er erwartet, dass Erstversicherer wie Allianz und Huk Coburg im Neugeschäft mit sinkenden oder stabilen Prämien um Neukunden ringen und die Preisschraube nur bei Bestandskunden etwas anziehen. Damit versuche die Branche zumindest einen Teil der gestiegenen Kosten für Autoersatzteile wieder hereinzuholen.

Unterdessen erwartet Kelb 2021 eine Normalisierung des Verkehrsaufkommens. Zwar dürften viele Menschen wegen der Pandemie wohl auch noch 2021 verstärkt im Homeoffice arbeiten und dadurch weniger Auto fahren. Allerdings geht die Hannover Rück davon aus, dass andere das Auto umso öfter nutzen, um der Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen zu entgehen. Zudem erwartet er eine Zunahme des Lieferverkehrs, da die Menschen verstärkt Waren im Onlinehandel bestellten.

Im laufenden Jahr dürften die Kfz-Versicherer allerdings einiges Geld gespart haben. Nach Berechnung der Hannover Rück ging die Zahl der Kfz-Schäden in der ersten Jahreshälfte um 16 Prozent zurück, weil während des Lockdowns im April und Mai deutlich weniger gefahren wurde als üblich. Weil die einzelnen Schäden im Schnitt teurer wurden, hätten die Versicherer immerhin noch 9,4 Prozent weniger für Schäden ausgegeben als ein Jahr zuvor.

Tendenz zu sinkenden Beiträgen

Die Versicherungskunden haben offenbar bereits in Teilen profitiert, bevor die Coronakrise auf das Verkehrsaufkommen durchschlug. In der ersten Hälfte des Jahres seien die Durchschnittsbeiträge in der Kfz-Haftpflichtversicherung um 0,8 Prozent gesunken, sagte Kelb. In der Vollkaskoversicherung belief sich der Rückgang demnach sogar auf 1,9 Prozent.

Zudem wollen viele Versicherer ihren Kunden wegen des rückläufigen Schadenaufkommens im kommenden Jahr Beiträge zurückerstatten. Kelb zufolge dürften diese Summen die Gewinnentwicklung der Kfz-Versicherer aber nicht nennenswert beeinflussen.

Die Hannover Rück ist mit einem Großteil der deutschen Kfz-Versicherer im Geschäft und übernimmt einen Teil der von den Unternehmen versicherten Schäden. Dadurch hat der Rückversicherer üblicherweise einen besonders guten Überblick über die Marktentwicklung.

beb/dpa
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