Hermann-Josef Tenhagen

Rabattaktionen Sieben Tipps für den Cyber Monday

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Die Black Week hat die vorweihnachtliche Schnäppchenjagd eingeläutet. Doch sind die Produkte an den offiziellen Rabatttagen wirklich günstiger? Und wie gehen Sie beim Kaufen am besten vor?
Ende November beginnt für den Handel die wichtigste Zeit des Jahres

Ende November beginnt für den Handel die wichtigste Zeit des Jahres

Foto:

Federico Gambarini / dpa

Die großen Händler schreiben in der jetzt auslaufenden Black Week auf jeden Fall schwarze Zahlen – und freuen sich schon auf den Cyber Monday. Für Sie als Kunden ist viel wichtiger: Ist das tatsächlich die preiswerteste Zeit des Jahres, um zum Beispiel elektronische Geräte zu kaufen? Ist das die einzige Woche in der Krise, in der Sie wirklich Geld ausgeben wollen?

Ist sie hoffentlich nicht. Black Week und Black Friday sind eigentlich nur eine Werbeidee der Einzelhändler. Deren Überlegung: Vor Weihnachten sitzt das Geld der Kunden lockerer, das Weihnachtsgeld steht zur Verfügung, mancher hat zum Jahresende eine Prämie von der Chefin bekommen – und Weihnachtsgeschenke müssen gekauft werden. 5,7 Milliarden Euro Umsatz verspricht sich der deutsche Handelsverband allein am Black Friday  und am Cyber Monday.

Ursprünglich stammen Cyber Monday, Black Friday und die Black Week aus den USA. Dort ist der Freitag ein Brückentag zwischen Thanksgiving und dem letzten Novemberwochenende. Angesichts der wenigen Urlaubstage, die US-Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben, die ideale Gelegenheit für einen ganztägigen Weihnachtseinkaufsbummel. Nach dem Wochenende versuchen die Händler, am Cyber Monday noch einige Produkte unters Volk zu bringen. Was früher nur im Laden stattfand, dominiert seit einigen Jahren das Netz.

Tatsächlich werden vor dem ersten Advent oft die wirklich teuren Weihnachtsgeschenke gekauft. Aus Sicht der Einzelhändler: Wer es in dieser Zeit schafft, potenzielle Kunden in seinen (virtuellen) Laden zu locken, der hat im Weihnachtsgeschäft gewonnen. Dazu sind viele Mittel recht. Eins davon heißt FOMO (fear of missing out) – Neudeutsch für Druck machen. Ein klassisches FOMO-Beispiel: Dieses Sonderangebot gibt es nur noch heute, nur noch 20 Geräte auf Lager.

Trotz alldem locken in diesen Tagen tatsächlich ordentliche Preisnachlässe: Wie das Preisportal Idealo.de berichtet, betrugen die Rabatte im vergangenen Jahr durchschnittlich fünf Prozent, jedes 5. Angebot war sogar um mehr als 20 Prozent preiswerter. Satte 62 Prozent aller betrachteten Produkte waren demnach am Black Friday wirklich billiger . In diesem Jahr sollen vor allem Computerzubehör wie SSD-Festplatten (-46 Prozent) und Grafikkarten (-29 Prozent) deutlich preiswerter sein.

Zur Schnäppchenjagd gehört aber auch, dass man immer erst hinterher schlauer ist, ob die Preise am Cyber Monday oder Black Friday wirklich die günstigsten waren . Sie haben es auch selbst in der Hand, tatsächliche Schnäppchen mitzunehmen und vermeintliche Sonderangebote einfach liegenzulassen.

So funktioniert eine kluge Einkaufspolitik:

Teil 1: Sie kaufen nur, was Sie wirklich brauchen – für Ihren Haushalt oder auch als Geschenk. Bestimmen Sie also vorab, welche Produkte Sie in der Hochphase des Weihnachtsgeschäfts kaufen wollen. Falls Samsung Ihnen den Flachbildfernseher kostenlos zusätzlich anbietet, wenn Sie das teure Handy erwerben, ist das nur dann eine gute Idee, wenn Sie tatsächlich Smartphone und Fernsehen brauchen . Denn das Handy ist bei diesen Angeboten meist deutlich teurer als beim Einzelkauf.

Teil 2: Sie legen für jedes dieser Produkte, die sie brauchen, einen günstigen Preis fest. Nutzen Sie dafür Preissuchmaschinen wie Idealo.de oder billiger.de. Wenn Ihre gewünschte Konsole aktuell 500 Euro kostet, sie aber im vergangenen halben Jahr schon mal 400 Euro gekostet hat, dann können Sie 450 Euro als interessanten Preis festlegen. Und nur wenn Sie ein solches Angebot finden, schlagen Sie dieser Tage zu. Falls Sie unsicher sind, ob der Shop seriös ist und Sie zum Beispiel den Namen nicht kennen, sollten Sie einen Service der Verbraucherzentralen nutzen: Mit dem Fakeshopfinder können Sie die Seriosität von Onlineläden überprüfen .

Preissuchmaschinen nutze ich übrigens das ganze Jahr zum Preisvergleich bei Gartengeräten, Fahrradhelmen, Schuhen oder teuren Geburtstagsgeschenken. Bei den Schuhen habe ich zuletzt 50, beim Fahrradhelm 40 Euro gespart .

Teil 3: Stellen Sie sich den Preiswecker mit dem Wunschpreis für Ihre Wunschobjekte auf den Seiten der Preissuchmaschinen ein. Sie bekommen dann eine Mail von den Suchmaschinen, sobald dieser Preis erreicht oder unterboten wird und welcher Anbieter das Produkt gerade so günstig anbietet. Sie können dann das gewünschte Produkt dort günstig bestellen .

Teil 4: Amazon und Check24 sind übrigens keine Preissuchmaschinen. Sie bekommen dort nicht unbedingt einen günstigen oder gar den günstigsten Preis für den Flachbildfernseher zur Fußball-WM. Apropos Fernseher: Bei denen sieht man, wie Rabatte meist nur für konkrete Produkte und Zeiten gelten. Im vergangenen Jahr sollen TV-Geräte an Black Friday und Cyber Monday tatsächlich im Schnitt elf Prozent billiger gewesen sein. In diesem November heißt es, Fernseher seien deutlich teurer geworden, nur die ganz teuren Premiummodelle hätten im Preis etwas nachgegeben. Im Oktober hatte das Statistische Bundesamt allerdings noch insgesamt einen Preisnachlass von 2,5 Prozent festgestellt , bei 10 Prozent Inflation. Aber da war ja noch nicht Fußballweltmeisterschaft.

Teil 5: Erwägen Sie immer Alternativprodukte zu Ihrem gewünschten Gerät: etwas weniger oder mehr Speicherplatz, eine andere Farbe oder geprüfte Second-Hand-Ware bei buyzocks, Rebuy oder As-good-as-new. Bei Handys oder auch Kameras gibt es solche Gebrauchtangebote in allen Preisklassen. Zum Teil laufen Garantien sogar länger als beim Neukauf . So shoppen Sie nie wahllos, hängen aber auch nicht am Fliegenfänger des Anbieters, wenn der im Weihnachtsgeschäft versucht, seine Preise hochzuhalten.

Teil 6: Kaufen Sie keine Geschenke auf Kredit. Und bei Möbeln und Geräten im Ratenkauf sollten Sie die Konditionen vergleichen. In den vergangenen Jahren gab es Möbel und teurere Geräte oft mit dem Angebot eines Null-Prozent-Darlehens. Wichtig war dabei vor allem, den Preis von Sofa oder Gerät zu vergleichen. Denn es nützt ja nichts, das Sofa mit einem Null-Prozent-Kredit teurer zu kaufen, wenn es anderswo günstiger ist. Und dann muss der Kredit ja auch noch in der Laufzeit abgestottert werden, ohne in den Dispo zu geraten. Diese Null-Prozent-Zeiten sind ohnehin erst mal vorbei: Heute droht hinter vielen Händlerkrediten wieder ein extrem hoher Zinssatz von 15 Prozent.

Buy now, pay later (BNPL) ist auch keine Alternative, denn spätestens nach einem Monat müssen Sie doch bezahlen – womöglich mit heftigen Zinsen . Eigentlich ist BNPL nur ein neuer Begriff für Rechnungskauf, auch die Rechnung mussten Sie ja dann in kurzer Frist bezahlen.

Wenn sich der Kauf auf Kredit doch nicht vermeiden lässt, vergleichen Sie  mindestens die Kreditkonditionen bei Banken. Kredite für 4 oder 5 Prozent Zinsen sind möglich und sparen bei teuren Einkäufen schnell Hunderte Euro.

Teil 7: Keinesfalls lassen Sie sich für Ihren Kredit eine Restschuldversicherung aufschwatzen! Die ist fast immer Nepp , und die Kosten für diese unnütze Versicherung sind oft höher als die Zinsen Ihres Kredites.

Und jetzt viel Erfolg und auch viel Spaß bei den Einkäufen! Gönnen Sie sich zwischendrin eine heiße Schokolade oder einen Glühwein. Egal, ob Sie am Computer oder auf dem Weihnachtsmarkt shoppen. Den Preis dafür haben Sie schon locker eingespart.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.